Rennschwein Rudi Rüssel 2

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
6. März 2007
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

Marcel Barsotti rennt mit Rudi Rüssel

Rund elf Jahre ist’s her, dass das Rennschwein Rudi Rüssel sein Publikum fand. Jetzt darf ein Nachfahre des schnuckeligen Ferkelchens Rudi die Zuschauer erneut von der Leinwand anquieken. Unter Federführung des WDR realisierte Regisseur Peter Timm (Go Trabi Go) die Fortsetzung Rennschwein Rudi Rüssel 2 — Rudi rennt wieder. Der renommierte Sebastian Koch (Die MannsSpeer und Er) gönnt sich hier einen seiner bislang eher seltenen Komödienauftritte. Zusammen mit Sophie von Kessel steht er einer recht chaotischen Familie vor. Sie hat ihre Tochter eingebracht, er einen Sohn und obendrauf kommt dann noch besagtes Ferkelchen, eben Rudi Rüssel. Am 8. März 2007 geht dieser neue Nachfolger des australischen Familien-Kinohits Ein Schweinchen namens Babe (1995) in den deutschen Kinos an den Start.

Der Schweizer Komponist Marcel Barsotti ist mit Das Wunder von Bern (2003) erstmalig auf Cinemusic.de vorgestellt worden. Es folgte Der Schatz der weißen Falken (2005), und nun bildet Barsottis musikalische Hilfestellung zur Schweinerei für die ganze Familie die Numero drei. Das vorliegende CD-Album ist mit rund 65 Minuten gut bestückt und zeigt Barsotti ein weiteres Mal als soliden Orchesterhandwerker mit respektablem Händchen für üppig orchestrierte Filmmusik, in der elektronischer Schnickschnack keinen Platz hat.

Rudi Rüssel ist klar der Held der Story und damit natürlich auch der Filmmusik, ist ihm doch das den Score dominierende Haupt- und zugleich Heroenthema zugeordnet. Mit diesem eingängigen, wenn auch nicht umwerfend prägnanten thematischen Einfall vermag Barsotti die Musik variationstechnisch durchaus ansprechend zu gestalten. Dabei spielen stoffbedingt natürlich auch Comic-Vertonungsstandards und damit gut gehandhabte, das Bild verdoppelnde Mickey-Mousing-Schemata eine wichtige Rolle. Dies betrifft auch die Auftritte zweier böser Buben, deren Tollpatschigkeit in grotesk-bedrohlichen, recht temperamentvoll auskomponierten Action- und Chasepassagen Ausdruck erhält. Doch auch die lyrischen Momente bleiben nicht auf der Strecke. Was der Käufer über die beachtliche Spielzeit von rund 65 Minuten zu hören bekommt, fährt stilistisch auf bekannter Horner-Williams-Schiene. Alles in allem fühlt man sich beim auch dank guter Orchestrierung recht abwechslungs- und temporeichen Album an klanglich üppige filmmusikalische Vorbilder wie Home Alone • Kevin allein zu Haus und The Rocketeer erinnert. Die Durchschlagskraft der genannten Kompositionen wird allerdings nicht voll erreicht.

Marcel Barsottis Musik ist zwar gewiss nicht neuartig, was man aber bei einem derartig auf die ganze Familie abzielenden, eindeutig traditionellen Komödienstoff auch nicht wirklich kritisieren mag. Beim Bratislava Symphony Orchestra, das unter der Leitung von Allan Wilson (Sleepy Hollow) dieses Mal im Tutti mit großer Besetzung (95 Musikern) aufspielt, ist die Musik hörbar gut aufgehoben. Dank sorgfältiger Aufnahmetechnik und Abmischung präsentieren die sich schwungvoll und dynamisch ins Zeug legenden tschechischen Musiker ein transparent wie üppig klingendes Komödienscoring à la Hollywood.

Ob der Sammler, der schon vieles besitzt, freilich nun auch noch dieses CD-Album benötigt, bleibt eine rein individuelle Entscheidung. Zweifellos erhält der Käufer ein unterhaltsames Film-Souvenir, das mit verschiedenen hübsch ausgeführten Einfällen aufwartet. Mit seinem recht aufwändig gemachten, immerhin 16-seitigen Begleitheft ist es außerdem noch ansehnlich präsentiert. Neben Bildmaterial wartet dieses mit Infos zu Regisseur und Orchesterbesetzung sowie einem Barsotti-Interview auf.

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Komponist*in:
Barsotti, Marcel

Erschienen:
2007
Gesamtspielzeit:
65:30 Minuten
Sampler:
The Score
Kennung:
SRC 10000-2

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