In Love and War

Geschrieben von:
Cinemusic.de - Team
Veröffentlicht am:
9. Dezember 2000
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

Knapp zwanzig Jahre nach A Bridge Too Far • Die Brücke von Arnheim nahm sich Richard Attenborough, inzwischen zum Lord ernannt, mit In Love and War eines weiteren kriegerischen Stoffes an. Diesmal verpflichtete er den 1950 in London geborenen George Fenton als Komponisten, mit dem er schon bei vier früheren Filmen zusammengearbeitet hatte, z. B. Shadowlands (1993). Die Orchestrierung des Scores stammt allerdings von Simon Chamberlain und Geoffrey Alexander.

In Love and War ist im 1. Weltkrieg an der italienischen Front angesiedelt und erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem Kriegsfreiwilligen Ernest Hemingway (Chris O’Donnell), dem später berühmt gewordenen Schriftsteller, und einer Krankenschwester (Sandra Bullock). Der Film basiert auf einem Buch von Henry S. Villard und James Nagel mit dem Titel „Hemingway in Love and War“ – es ist also, am Rande bemerkt, wohl kein Zufall, dass auf der vierten Young Indiana Jones Chronicles-CD (Episode „Northern Italy 1918“, wo Indy Hemingway trifft) ein Stück mit dem Titel „Love and War“ (Laurence Rosenthal) enthalten ist.

Aufgrund der Thematik des Filmes sind hier natürlich wesentlich mehr ruhige und romantische Passagen enthalten als bei A Bridge Too Far, und so stellt „Agnes’ Theme“, ein ruhiges und optimistisches Thema, quasi auch das Titelthema dar. Aber auch düstere Passagen sind vorhanden, z.B. in „The Bullet“, das zumindest am Anfang mit seinem Steicher-Klangteppich und der Solotrompete etwas an John Williams’ Born of the Forth of July erinnert. Auch die lebhaften Forte-Stellen haben meist einen mehr oder weniger ausgeprägten melancholischen Beigeschmack. Ausgesprochen jubelnde Stellen kommen dagegen selten vor (z.B. kurz in „Rescuing Roberto“).

Für die etwas unbeschwerteren Passagen greift George Fenton auch mehrmals auf Fremdkompositionen zurück, die er allerdings überwiegend neu bearbeitet hat. Zum einen ist da das Stück „As The Caissons Go Rolling Along“. In zweiten Track auf der CD wird es, von Trommeln begleitet, zunächst gepfiffen (Parallelen zum berühmten Marsch aus Die Brücke am Kwai sind wohl nicht ganz zufällig), mit einem Mittelteil für Blasorchester. „The Lake“ besteht weitgehend aus der gleichen Melodie, beginnt jedoch mit einem kleinen Orchesterarrangement, das etwas wie eine alte Grammophon-Aufnahme klingt, und geht dann in ein von Geigen begleitetes Klavierarrangement über. Auch in einigen anderen Stücken taucht das Thema kurz auf (z. B. in „Play the Hand You’re Dealt“ und „The Medal Ceremony“). Des weiteren gibt es ein traditionelles Stück für Solo-Akkordeon („La Piave“) und – wir sind schließlich in Italien – den bekannten Brindisi-Walzer aus „La Traviata“ von Giuseppe Verdi. Letzteres Stück scheint Fenton stellenweise auch als Inspiration für „The Drive with Domenico“ gedient zu haben.

Auch andere Kollegen hat sich Fenton zumindest stilistisch als Vorlage genommen, besonders in „The Trip to Venice“. Unter anderem weist das Stück Passagen auf, die fast aus der Feder von Rossini oder Mozart stammen könnten. Es enthält außerdem ein kurzes Trompeten-Solo, wie man es auch aus verschiedenen Morricone’schen Spaghettiwestern kennt, bevor es wieder in die herkömmlichen Fenton-Klänge übergeht.

Fazit: Das musikalische Themenmaterial ist bei Fenton nicht so eingängig wie bei John Addisons A Bridge Too Far, aber dafür ist es deutlich sorgfältiger und aufwendiger verarbeitet. Auch ist die Musik einem ernsthaften Kriegsfilm weit eher angemessen, auch wenn der Film zu grossen Teilen nicht direkt an der Front spielt und in erster Linie eine Liebesgeschichte ist. Einen Kauf ist diese CD allemal wert.

Komponist*in:
Fenton, George

Erschienen:
1997
Gesamtspielzeit:
50:59 Minuten
Sampler:
RCA Victor
Kennung:
09026 68725 2

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