Ice Station Zebra

Ice Station Zebra
Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
17. August 2004
Abgelegt unter:
CD

Score

(4/6)

Ice Station Zebra

Ice Station Zebra • Eisstation Zebra (1967) ist ein solider, spannender Cold-War-Abenteuer-Thriller. Es geht um einen in der Arktis niedergegangenen sowjetischen Spionagesatelliten, um dessen Bergung sich USA und UdSSR ein zünftiges Wettrennen liefern. Die Story geht auf einen erfolgreichen Romanstoff von Alistair McLean zurück, der auch für The Guns of Navarone (1961) und Where Eagles Dare (1968) die literarischen Vorlagen lieferte.

Der Name Michel Legrand steht beileibe nicht unbedingt für große Kinosinfonik, sondern wird eher mit poporientierten light-sinfonischen Scores, wie dem etwas seichten zu The Umbrellas of Cherbourg (1964), in Verbindung gebracht. Allerdings sollte man Legrand auch nicht unterschätzen. In seinem Œuvre sind durchaus einige recht beachtliche, stärker sinfonisch ausgeführte Arbeiten zu finden: beispielsweise die poppig-jazzige aber zugleich mit sehr hübschen sinfonischen Passagen durchsetzte zu The Thomas Crown Affair (1968), die lyrisch-gefühlvolle zu Summer of ’42(1971), die ungewöhnlich-originelle zu The Man Who Loved Cat Dancing (1973) und ganz besonders die partiell historisierende Arbeit zu The Three Musketeers (1973) — letztgenannte ist geradezu ein Geheimtipp.

Eisstation Zebra war seinerzeit eine Blockbuster-Produktion, die mit Mehrkanalton und üppiger Präsentation in die Kinos kam: So waren damals bei den Big-Budget-Road-Shows noch eine (vor geschlossenem Vorhang gegebene) Ouvertüre, eine Pausen- sowie Schlussmusik (Exit Music) selbstverständlich.

Infolge des beachtlichen Musikbudgets bekam Legrand die Möglichkeit, für ein groß besetztes Orchester von 75 Spielern zu komponieren. Er entwarf zwei interessante melodische Hauptthemen, mit denen der Score primär gestaltet wird. Sehr gelungen ist das besonders breit angelegte, zweiteilige Hauptthema, das sowohl eingängig als auch majestätisch kraftvoll daherkommt. Diese breit ausschwingende, geschickt instrumentierte Melodie wird zusammen mit dem auf einem fanfarenartigen Motiv basierenden zweiten Thema präsentiert, das dem eine wichtige Rolle spielenden US-Atom-U-Boot zugeordnet ist. Erwähnenswert ist hier nicht allein der in der Ouvertüre solide auskomponierte Kontrapunkt, sondern auch die Tatsache, dass Legrand die vollständige Instrumentationsarbeit selbst ausgeführt hat.

Seinerzeit erschien als Werbung zum Film eine etwas lieblos produzierte LP mit gerade mal rund dreißig Minuten Musikmaterial. Gegenüber dem jetzt vorliegenden kompletten Score mit fast 80 Minuten ein eher bemitleidenswerter Torso, allerdings ein typisches Produkt jener Tage in Sachen „Filmmusik auf Schallplatte“. FSM hat von den (in hörbarer Top-Form) existierenden 5-kanaligen Magnettonmastern abgenommen und neu abgemischt. Das Ergebnis ist erstklassig und schlägt nicht allein klanglich die alte LP-Ausgabe um Längen. Aber auch der komplette Score macht jetzt einen deutlich überzeugenderen Eindruck. Mit den beiden Basisthemen wird durchgehend gut gearbeitet. Manch überraschender und gut platzierter Effekt verrät Einfallsreichtum und zugleich, dass der Komponist mit Engagement zu Werke gegangen ist.

Im musikalischen Fluss gibt es eine ganze Reihe stark atmosphärischer Suspense-Cues, wobei neben üblichen tonmalerischen teilweise auch experimentell anmutende Effekte zur Anwendung kommen. An dieser Stelle muss man aber schon anmerken, dass Teile dieser Stücke doch etwas gedehnt und damit etwas ermüdend wirken können. Hier ist die vom Bild gelöste Musik einfach nicht immer durchgehend in der Lage, auf sich selbst gestellt einen ausreichenden Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Auf der anderen Seite stehen aber dafür manch origineller Einfall und eine ebenso gute wie farbige und wirkungsvolle Instrumentierung.

Zwar dürfte das zur Verfügung stehende volle Programm mit seinen knapp 80 Minuten gelegentlich als des Guten etwas zuviel empfunden werden, aber dagegen hilft Programmieren des CD-Spielers. In etwas gestraffter Form erweist sich Legrands Musik zur (charakteristisch gestreiften) Eisstation als gutes Höralbum und ist außerdem eine hübsche Repertoire-Ergänzung.

Dass rund fünfunddreißig Album-Minuten in nur drei kompakte und dementsprechend allein einzeln anwählbare Blöcke unterteilt wurden, schränkt das individuelle Auswählen beim Programmieren ein. Dieser kleine Schwachpunkt fällt aber durch die auch hier mitgelieferte edel ausgestattete und selbstverständlich auch gewohnt informative Textbeilage kaum noch ins Gewicht.

Musikalisch sind dreieinhalb Sterne kaum zuviel, eher kann man klare Tendenz zu vollen vier Sternen attestieren. Die jetzt vorliegende Fassung der Musik ist (s. o.) aber nicht allein eine eindeutige Verbesserung gegenüber dem alten Plattenschnitt, sondern klar die definitive Ausgabe. Insofern dürften eine klare Empfehlung und ebenso eine entsprechende Albumwertung von vier Sternen ausreichend begründet sein.

Komponist*in:
Legrand, Michel

Erschienen:
2003
Gesamtspielzeit:
79:20 Minuten
Sampler:
FSM
Kennung:
Vol. 6 No. 2

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