High Road to China

Geschrieben von:
Marko Ikonić
Veröffentlicht am:
25. Dezember 1999
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

High Road to China

John Barry trat in den letzten beiden Jahrzehnten vor allem mit üppig-schwelgerischen, unglaublich warm und angenehm orchestrierten Filmmusiken hervor. In diese Kategorie fallen zum Beispiel Somewhere in Time, Dances with Wolves oder The Scarlet Letter. Ein weiterer in diesem Stil gehaltener Score ist High Road to China (1983). Die Komposition wird von einem wunderschönen, verträumten Hauptthema getragen, das später die Liebe der beiden Hauptcharaktere charakterisiert. Auf der CD, mit 30 Minuten doch arg kurz, ist es gar in sechsfacher Variation zu hören („Main Title“, „Love Theme“, „O’Malley and Eve“, „Flight from Katmandu“, „Eve Finds Her Father“ und „High Road & End Title“).

Barry setzt außer dieser ansprechenden Hauptmelodie noch weitere Themen mit Leitmotivcharakter ein. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem so genannten „Airborne“-Thema, mit dem die Flugsequenzen begleitet werden und das daher auch ein Gefühl von Ungebundenheit und Freiheit vermittelt (z. B. „Airborne“, „Waziri Village Attack and Escape“). Die unzähligen gefahrvollen Situationen im Film sind durch ein Suspense-Ostinato, wie es Royal S. Brown, Filmhistoriker und Verfasser des annehmbaren Booklets, nennt, gekennzeichnet. Es taucht im zweiten Teil von Track 1 erstmals auf und findet wie die anderen Themen mehrmals Verwendung. Überhaupt erlaubt sich John Barry hier ein Maß an Wiederholung, das jedem anderen Komponisten, der eben nicht über den typischen „Barry-Charme“ verfügt, angekreidet würde.

Den einzig wirklich negativen musikalischen Eindruck auf der lange vom Markt verschwundenen, nun aber wieder verfügbaren CD hinterlässt Track 7. Der „Charleston„ von Jonson und Mack mag zwar im Film sinnvoll in das dramaturgische Konzept integriert sein, aber von CD gehört wirkt das Stück wie ein Fremdkörper und zerstört die einheitliche Stimmung, die während der ersten 6 Stücke aufgebaut wird.

Tja, der unvergleichliche „Barry-Charme“. Mit diesem Begriff pflegen Barry-Fans die seit Jahren offensichtliche, wenn auch stets dem Ohr schmeichelnde Stagnation im Spätwerk des britischen Kultkomponisten zu verniedlichen. Auch High Road to China ist im Sinne dieser Definition äußerst charmant geraten. Aus seinen drei einprägsamen Hauptmelodien webt John Barry in bald etwas monoton anmutenden, mit bloßer Umverteilung der Instrumente eher auf Nummer sicher gehenden Variationen einen gut fließenden, ohrfälligen Klangteppich, den man am Besten innerhalb des Films oder in einer geruhsamen (halben) Stunde genießt. Musik zum Träumen.

Komponist*in:
Barry, John

Erschienen:
1990
Gesamtspielzeit:
30:04 Minuten
Sampler:
Southern Cross
Kennung:
SCSE-1030

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