Heinz Rühmann

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
19. März 2002
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Heinz Rühmann zum 100. Geburtstag

Am 7. März 2002 wäre der bekannte deutsche Schauspieler Heinz Rühmann 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass luden das Mövenpick-Hotel Essen (als „Hotel Handelshof“ bis 1916 für einige Jahre von Rühmanns Eltern geleitet) gemeinsam mit dem Autor Georg A. Weth und der Verlagsgruppe Langen Müller Herbig zu einem „vornehmen herrschaftlichen Menü“ ein.

Dem vorausgegangen war ein Festakt in den historischen Räumen des renommierten Essener Filmkunsttheaters „Lichtburg“. Unter einer Vielzahl geladener Gäste befanden sich auch die Witwe Hertha Rühmann, die Leibköchin Maria Ott sowie die Schauspielerin Anouschka Renzi. Nach einer Laudatio durch OB Dr. Wolfgang Reiniger gab es zwei Premieren: eine Präsentation des neuen Rühmann-Buches von Georg A. Weth, „Heinz Rühmann – Lebens-Rezepte eines unsterblichen Optimisten“, und anschließend stellte der Autor ein Porträt des Jubilars als sogenannte „Dia-Musicana“ vor, in einer Art Multi-Media-Show. In Form einer Collage aus Diamotiven in Überblendtechnik, begleitet von heiteren und nachdenklichen Kommentaren, historischen Originaltonbeiträgen, musikalischen Reminiszenzen und szenischen Darstellungen, setzte Weth aus wichtigen Momentaufnahmen im Leben des Heinz Rühmann ein einfühlsam gezeichnetes Bild eines der beliebtesten deutschen Schauspieler zusammen.

Zum anschließenden Gala-Diner begab man sich ins nahegelegene Mövenpick-Hotel, wo der Küchenchef die Gästeschar mit einem vorzüglich zubereiteten kulinarischen Viergängemenü – à la Anno 1910 – erwartete, das vom Team des Hotels professionell serviert wurde. Das „Salonorchester Weimar“ untermalte dazu stilecht mit Unterhaltungsmusik der Ära und gab außerdem mit einer Reihe von nachempfundenen Rühmann-Filmsongs nicht allein vorab eine Kostprobe seines neuesten Programms, sondern setzte damit zugleich einen nostalgischen Höhepunkt. Etwas enttäuschend blieb die abschließende Feuerzangenbowle: Dass die eigentlich zeitaufwändige Zeremonie der Zubereitung und das Abbrennen des Zuckerkegels symbolisch verkürzt werden musste, bleibt in Anbetracht der vorgerückten Stunde verständlich. Weil das den Anwesenden vorgesetzte Gebräu jedoch „nur“ glühweinartig schmeckte, geriet die Feuerzangenbowle zur etwas schwachen Coda eines im übrigen gelungenen und erinnerungswürdigen Abends in Essen.

„Heinz Rühmann – Lebens-Rezepte eines unsterblichen Optimisten“

Die sinnliche Seite Heinz Rühmanns, des unsterblichen Optimisten, stellt der Autor Georg A. Weth in das Zentrum seiner etwas anderen, sehr privaten Rühmann-Biografie. Nicht allein, dass der Autor das Rühmann-Archiv der Berliner Kinemathek sorgfältig ausgewertet hat, er war dem eher scheuen Rühmann in den letzten Lebensjahren freundschaftlich verbunden und hatte daher Gelegenheit zu ausführlichen privaten Kontakten und konnte somit zusätzlich wertvolle Informationen aus erster Hand gewinnen. Und manches außerdem neu zutage geförderte Detail und bislang unzugängliche Dokument gestatten dem Leser über die hinlänglich bekannten Dinge hinaus Blicke auf weitgehend unbekannte Facetten der Persönlichkeit des Schauspielers.

Zu den sehr persönlichen Dingen, die der Autor aus dem Leben des Jubilars erfuhr, gehören auch eine Reihe von Koch-Rezepten, die kulinarische Einblicke in die Seele eines Menschen gestatten. Der bodenständige, kleinwüchsige Heinz Rühmann, das ehemalige Bahnhofskind aus Wanne-Eickel, blieb stets ein Genießer solider, mit Liebe zubereiteter deutscher Hausmannskost.

Heinz Rühmann war ein zwar bei weiten Teilen des Publikums beliebter, aber nicht unumstrittener Künstler. Seine Popularität hat seit Ende der 60er Jahre, als einer der liebenswertesten Rühmann-Filme, Die Feuerzangenbowle (1944), erstmalig im Fernsehen gezeigt wurde, weiter zugenommen. Was den alternden Star schon damals auch bei jungen Leuten recht populär machte, sind die allgemeingültigen dabei nie moralisierend wirkenden Ratschläge, die er Abiturienten auf Wunsch als Geleit auf dem Weg ins Studium übermittelte: „… Lernen Sie ihre Grenzen kennen, um nicht zu viele Enttäuschungen zu erleben … Schaffen Sie sich ein stilles Kämmerlein, in dem Sie Rechenschaft ablegen und zu sich ehrlich sind …“

Quintessenz des vorliegenden Buches, das sich mit den Lebens-Rezepten des in vielem sehr bescheiden gebliebenen Mimen beschäftigt, ist die allgemeingültige Erkenntnis, dass Freude eben oft in den kleinen Dingen des Lebens liegt. „Auf das Aussuchen und Abwägen des Richtigen kommt es an“, denn „die Zeit ist zu kostbar, um sie mit falschen Dingen zu verschwenden“.

Das Geheimnis des sympathischen Wesens des Schauspielers Heinz Rühmann – des in vielem kleinen Mannes ganz groß – liegt in der Natürlichkeit und Wärme, der von ihm insbesondere in den späteren Filmen verkörperten Charaktere, die dem Zuschauer manche Identifikationspunkte bieten. In vielem spiegelt sich hier wohl auch der rühmannsche Charakter und dessen Lebenserfahrungen wider, verschmelzen der Schauspieler und der Mensch.

Gutes Essen liebte bereits der junge Rühmann, aber auch für den älter Werdenden bildete es einen besonders wichtigen Teil eines von innerer Freude erfüllten stillen Lebens. Er wusste, dass gutes Essen nicht allein Leib und Seele zusammenhält, sondern überhaupt zu den schönen Dingen des Lebens zählt. So machen die Koch-Rezepte, ein wichtiger Teil des sehr unterhaltsamen und flüssig geschriebenen Buches, dem Leser die Sinnlichkeit des Genießers Heinz Rühmann zumindest ansatzweise nachempfindbar. Nicht zuletzt diese Infos über die „Wollust des Bauches“ verleihen dieser neuen Rühmann-Publikation einen besonderen Charme.

Originaltitel
Lebens-Rezepte eines unsterblichen Optimisten

Autor*in:
Weth, Georg A.

Erschienen
2002
Seiten:
240
Verlag:
Langen Müller
Kennung:
3-7844-2854-1
Zusatzinfomationen:
€ 19,90 (D)

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