Gettysburg

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
13. Februar 2001
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

Die Schlacht von Gettysburg

Die Pflanzer-Aristokratie der Südstaaten war für einen Krieg kaum gerüstet. Wie Rhett Butler in Vom Winde verweht so treffend anmerkt: „…wir haben nur Baumwolle, Sklaven und Arroganz!“ Zwar konnte der Süden anfänglich die praktisch sofort auftretenden Versorgungsprobleme durch eine eindeutig geschickter agierende militärische Führung wettmachen: Die Zeit arbeitete aber klar gegen die Sklaven-Barone. Der legendäre General Robert E. Lee, Oberkommandierender der Süd-Armee, musste daher alles daran setzen, möglichst schnell einen entscheidenden Schlag zu führen. Er versuchte dies (nach einem unentschieden verlaufenen Jahr 1862) erneut im Sommer 1863. Mit der Armee von Nord-Virginia rückte er auf Nord-Staaten-Territorium nach Pennsylvania vor, mit der Absicht, den Yankees eine möglichst vernichtende und damit demoralisierende Niederlage auf ihrem eigenen Boden zu bereiten. Angesichts zunehmender Kriegsmüdigkeit hätte ein entsprechender Erfolg des Südens Lincoln an den Verhandlungstisch zwingen müssen.

Eher zufällig kam es bei dem verschlafenen Städtchen Gettysburg zu Gefechten, die sich zur gewaltigen Schlacht (1.-3. Juli) ausweiteten. Anfänglich verbuchte die Süd-Armee zwar Erfolge, konnte aber keine Entscheidung erringen. Am dritten Kampftag setzte Lee daher alles auf eine Karte: durch einen massiven Infanterieangriff auf breiter Front sollte das Zentrum der Unionstruppen zerschlagen werden. „Pickets Charge“ wurde jedoch trotz mörderischer Artillerie-Vorbereitung ein blutiges Desaster, und die Schlacht ging für den Süden verloren. Wie sich erst später zeigte, war bei Gettysburg die Offensivkraft der Süd-Armee gebrochen worden: Die großen Verluste an Menschenleben und Material waren nicht länger verkraftbar. Die gewaltige Schlacht markiert daher in der Geschichtsschreibung den Wendepunkt des US-Bürgerkrieges. Auch hierzu bietet sich wieder ein Zitat Rhett Butlers aus Vom Winde verweht an; er merkt nach Bekanntgabe der Niederlage und der großen Verluste in der Gettysburg-Schlacht (s. o.) gegenüber Scarlet O’Hara an: „Der Süden sinkt in die Knie und wird sich nie mehr erheben“…

Gettysburg: Der TV-Film und die Musik von Randy Edelman

1992 entstand die großangelegte TV-Produktion Gettysburg (Turner Entertainment), die einen interessanten Eindruck vom Verlauf der drei blutigsten Tage in der nordamerikanischen Geschichte gibt. Der Film arbeitet mit einer Riege guter Schauspieler und inszeniert seine Kampfszenen historisch getreu mit Hilfe der in den USA zahlreichen Traditions-Verbände (Reenactors). Das überlange TV-Opus (rund vier Stunden Spielzeit) lief in den Staaten auch in den Kinos; hierzulande erlebte es allerdings nur eine TV-Premiere.

Die Musik zu Gettysburg schuf Randy Edelman. Der Score enthält einige durchaus gelungene, sehr ohrgängige melodische Einfälle und kommt romantisch pathetisch daher. Hübsch eingearbeitet sind folkloristische Elemente und auch einige Traditionals. Etwas problematisch ist Edelmans Konzept, einen pseudo-Orchesterklang durch eine Synthese aus mit natürlichen Instrumenten erzeugten Klängen und Samples zu erzeugen. Insgesamt zählt die Musik zu Gettysburg sicher nicht zur großen Film-Musik, sie erfüllt aber ihre Funktion im Film mehr als zufriedenstellend. Auch allein gehört, bleibt die Komposition eine von angenehmen Melodien geprägte, in Teilen heroisch-wuchtige und angenehme Unterhaltung.

Für Freunde der Musik und für Kino-Schlachten-Bummler ist insbesondere die Deluxe-Commemorative-Edition des Scores ein echtes Sammler-Stück und Schmankerl. Geboten werden eine Box im Hochformat (mit zwei untereinander untergebrachten CDs) – von denen die eine allerdings identisch mit der separat erschienen Einzel-CD-Version von Milan ist (Best.-Nr. 35654-2). Die andere CD bietet thematisch kein wirklich neues Material, aber einige angenehm anhörbare Variationen des bekannten Musik-Materials. Dazu gibt es noch ein liebevoll ausgestattetes Booklet, das neben vielen Filmbildern Informationen zur Filmproduktion und Historie der Schlacht enthält – für die Deluxe Edion gibt es wegen der schönen Ausstattung 3,5 Sterne, für die Einzel-CD und damit für die Musik 3 Sterne.

Komponist*in:
Edelman, Randy

Erschienen:
1998
Sampler:
Milan
Kennung:
35847-2

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