Film Noir Classics – Die pechschwarze Serie

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
4. April 2015
Abgelegt unter:
Blu-Ray

Film

(4.5/6)

Bild

(4/6)

Ton

(3/6)

Extras

(3.5/6)

Film Noir in HD für’s Heimkino

Film Noir besitzt bei Koch-Media ja schon eine längere Tradition, allerdings auf DVD. Jetzt ist man auch in diesem Segment darum bemüht, das Angebot mit Titeln in HD auf Blu-ray zu erweitern.

„Film Noir Classics – Die pechschwarze Serie“: So nennt sich etwas marktschreierisch das bereits optisch ansprechende 3er-BD-Schuber-Set, welches folgende drei Filme vereint:

Ministry Of Fear * Ministerium der Angst (1944, Musik: Victor Young): Fritz Langs eher routiniert in Szene gesetzter Weltkrieg-II-Agententhriller nach einem Roman von Graham Greene zählt zu den Filmen, bei denen das gewisse Händchen des renommierten Regisseurs in erster Linie in einzelnen interessanten Details, etwa einer stimmungsmäßig beachtlichen Lichtregie, spürbar wird, die aber inhaltlich nur wenig überzeugen. Im vorliegenden Fall krankt das Drehbuch an seinem arg übertrieben klischeehaft konstruierten Plot, einer allzu fantastischen Nazi-Agentenverschwörung. Lang soll das Drehbuch nicht gemocht, den Film eher gezwungenermaßen, aufgrund seiner vertraglichen Verpflichtung gegenüber Paramount Pictures, realisiert haben.

The Dark Mirror * Der schwarze Spiegel (1946, Musik: Dimitri Tiomkin) und The Big Clock * Spiel mit dem Tode (1948, Musik: Victor Young) bilden die Highlights des Sets. Der schwarze Spiegel zählt zu den sehr überzeugenden Arbeiten, welche der deutsch-jüdische Regisseur Robert Siodmak  im amerikanischen Exil realisierte. Es geht um einen Mordfall, zu dessen Lösung die – heutzutage freilich etwas antiquierten – Methoden der Psychoanalyse entscheidend beitragen. Olivia de Havilland brilliert hierbei in einer Doppelrolle als Zwillingsschwesternpaar Terry und Ruth Collins.

Spiel mit dem Tode, gedreht vom australischen Drehbuchautor und Regisseur John Farrow bildet das enorm spannende Finale dieses filmischen Noir-Trios. Obwohl man den Mörder von Anfang an kennt, kommt im spannend inszenierten Verwirrspiel keinerlei Langeweile auf. Ray Milland und ganz besonders ein wie fast immer unverwechselbar grandioser Charles Laughton tragen den Film.

Im Pappschuber steckt ein 3-fach-Mediabook, das die drei Silberlinge in aufgeklebten, stabilen Kunstoff-Trays beherbergt. Die Transfers scheinen von in offenbar recht gutem Zustand befindlichem Archivmaterial gefertigt zu sein. Die Bildqualität ist solide, wenn auch nicht völlig konsistent. Größere Teile zeigen gute bis sehr gute Schärfe, Kontrast und Detailauflösung. Das Filmkorn ist mehr oder weniger deutlich sichtbar und erscheint weitgehend naturbelassen. Kleinere Passagen sind von Unschärfen und/oder leichten Bildschäden sowie Helligkeitsschwankungen gekennzeichnet. Die Bezeichnung solide verdient auch die jeweils mitgelieferte Tonspur in Deutsch und im englischen Original. Auch wenn es hier nicht durchweg für sehr gute oder Top-Noten reicht, so kann der Interessierte, auch aufgrund des günstigen Preises, durchaus zufrieden sein. Als Beigaben finden sich neben Trailern in nur SD-Qualität, jeweils eine Koch-Media-typische Bildergalerie mit Werbematerialien. Leider fehlt hier ein mit Hintergrundinfos zu den Filmen aufwartendes Begleitheft, wie es bei den geläufigen Einzel-Ausgaben der Koch Media Film-Noir-Collection Usus ist.

The Killers * Die Killer (späterhin auch als Rächer der Unterwelt verliehen) ist wohl der berühmteste Noir-Thriller von Regisseur Robert Siodmak. In verschachtelten Rückblenden wird die Geschichte des zu Beginn ermordeten Schweden „Ole“ raffiniert rekonstruiert, dessen Darsteller, der 33-jährige Burt Lancaster durch dieses Leinwanddebut prompt zum Star avancierte. Bemerkenswert ist das bis zum Schluss eine entscheidende Rolle spielende Element der Täuschung: Nichts ist so, wie es zuerst scheint! Ein weiteres tragendes Element ist die markante, nur sehr gezielt, d. h. sparsam eingesetzte Filmmusik von Miklós Rózsa.

Zu Bild und Ton passt auch hier das oben bereits zu „Die pechschwarze Serie“ Geschriebene. Insbesondere die nicht durchweg völlig konsistente Bildqualität lässt in Teilen auch mal etwas zu wünschen übrig. Aber über weitere Strecken bekommt man auch hier gutes bis sehr gutes, also knackiges wie kontrastreiches Noir-Schwarzweiß geboten.

Als Boni gibt’s einen alten Kinotrailer in SD und auch noch eine recht interessante Rundfunkadaption von 1949 mit Burt Lancaster, Shelley Winters und William Conrad. Hinzu kommen die Koch-Media-typische Bildergalerie mit seltenem Werbematerial und, eingeklebt im Mediabook, ein 16-seitiges Begleitheft, versehen mit einer informativen Einführung von Thomas Willmann.

Wer sich eingehender mit der jeweiligen Filmmusik befassen möchte, der sollte in jedem Fall die Originaltonspur als Referenz hinzuziehen. Bei den zum Teil in den 70er und 80er Jahren von Fernsehanstalten zumeist für Erstaufführungen angefertigten Synchronfassungen standen nämlich in der Regel keine Music-and-Effect-Tracks zur Verfügung. Das bedeutet, dass abgesehen von Main- und Endtitle in der Regel nur irgendwelche Archivmusik zum Einsatz gekommen ist. Allerdings, selbst wenn die Originalmusik verwendet werden konnte, stimmt deren Einsatz im Film leider längst nicht immer 100-prozentig mit dem englischen Original überein, da einzelne Passagen mitunter trotzdem mit fremder Archivmusik unterlegt sein können – siehe dazu auch die entsprechende Anmerkung beim Red-River-Musik-CD-Album.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema Blu-ray-Disc versus DVD.

Erschienen:
2014|2014
Vertrieb:
Koch Media 3er-BD-Set|Koch Media 3er-BD-Set
Zusatzinformationen:
USA 1944–1948|USA 1944–1948

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