Farscape (Season 3)

Geschrieben von:
Peter Kramer
Veröffentlicht am:
11. April 2006
Abgelegt unter:
DVD

Farscape, Season 3

In Folge 170 von Raumschiff Enterprise – Die nächste Generation • Star Trek – The Next Generation entwickelt sich das Raumschiff „Enterprise“ vorübergehend zu einer intelligenten Lebensform, die sich sogar fortpflanzt. Die in Australien produzierte Science-Fiction-Serie Farscape geht weiter: Auf einem lebenden biomechanischen Raumschiff namens „Moya“ reist eine bunt zusammengewürfelte Crew, die von der herrschenden Staatsmacht, den „Peacekeepern“, gejagt wird.

Der Mensch John Crichton ist zwar die Hauptfigur der Serie, aber er ist der einzige Mensch unter vielen Außerirdischen verschiedenster Rassen. Auch dies ist ein Punkt, der Farscape von fast allen anderen SciFi-Serien unterscheidet. Crichton, ein Erdenbürger unserer Zeit, wurde durch einen ’Betriebsunfall’ mit einem Wurmloch in diese sehr weit entfernte und sehr fremde Gegend des Weltraums katapultiert, und ein Handlungsstrang (natürlich nicht der einzige), der sich durch die Serie zieht, ist sein Wunsch, nach Hause zurückzukehren – also E.T. mal umgekehrt.

Eine weitere Besonderheit der Serie besteht darin, dass viele Außerirdische durch Puppen aus der „Muppets“-Schmiede von Jim Henson verkörpert werden. Schließlich ist dessen Sohn und Nachfolger Brian einer der Macher der Serie. Als Beispiel sei der exzentrische und egoistische „Rygel XVI.“ genannt – einst Herrscher über ein 600-Milliarden-Volk, aber seit 130 Jahren von seinem Thron vertrieben und jetzt einer der Flüchtlinge auf „Moya“.

Neben diesen Alleinstellungsmerkmalen zeichnet sich Farscape durch ein breites Spektrum an fein gezeichneten und liebens- (oder hassens-)werten Charakteren aus, durch einen spritzigen und durchaus selbstironischen Humor, durch sorgfältige Produktion bis ins Detail und natürlich durch hervorragende Spezialeffekte auf dem aktuellen Stand der (Fernseh-)Technik. Auch eine gewisse Düsternis in der Bildgestaltung ist festzustellen: Im Inneren von Raumschiffen und Gebäuden gibt es nur selten volles Licht, und auf der hellen Oberfläche von Planeten spielen nur wenige Episoden.

Fans der Serie werden sich gerade über diese DVD-Box der 3. Staffel freuen, denn SAT.1 setzte Farscape nach der 2. Staffel ab, so dass die hier präsentierten Folgen in Deutschland bisher nur im Bezahlfernsehen zu sehen waren. Insgesamt gibt es nur vier der geplanten fünf Staffeln, wonach die Produktion überraschenderweise eingestellt wurde. Der Cliffhanger der 4. Staffel wurde dann in einer von Brian Henson selbst produzierten Miniserie, Farscape: The Peacekeeper Wars, aufgelöst und die Serie zu einem befriedigenden Ende geführt.

Noch eine kleine Warnung an Neueinsteiger: Es ist nicht leicht, in diese Serie ’einzusteigen’ – schon gar nicht mit der 3. Staffel, also mittendrin. Die Folgen sind nicht jeweils selbstständige Einheiten wie in vielen anderen Serien (z.B. in Raumschiff Enterprise • Star Trek), sondern bauen stark auf den vorhergehenden Episoden auf. Gerade am Anfang der 3. Staffel gerät man sofort mitten in die Handlung des Cliffhangers der 2. Staffel. Wechselnde, teils experimentelle Erzählstrukturen (z.B. mehrfache und ruckartige Rückblenden in Folge 3.13) und Filmtechniken (z.B. Vermischung von Realfilm und Cartoon in Folge 3.16) verlangen dem Zuschauer einiges mehr an Aufmerksamkeit ab als durchschnittliche 08/15-Serien. Auch dass die Charaktere andauernd mit Fachbegriffen und Wörtern aus erfundenen Sprachen um sich werfen (so macht man Fluchen jugendfrei!), erleichtert dem Neuling nicht gerade den Einstieg, verleiht der Geschichte aber Atmosphäre und Authentizität. Man braucht also einige Folgen, um so richtig in die Geschichte reinzukommen – aber es lohnt sich!

Das erste, was einem an der DVD-Edition auffällt, ist die wirklich edle Aufmachung: In einer sehr schön gestalteten Box mit Beschriftung in Prägedruck findet man eine dazu passende Mappe aus sehr festem Karton, die man zu beiden Seiten aufklappen kann, um die 8 DVDs zu sehen. Dazu gibt es ein sehr informatives 36-seitiges Booklet (alles natürlich im Design aufeinander abgestimmt) mit einer Darsteller-Liste, einem Episoden-Überblick (jeweils eine Doppelseite pro DVD = 3 Folgen), einem kleinen Farscape-Lexikon über Lebensformen, die wichtigsten Charaktere und die Raumschiffe sowie schließlich mit Kurzbiographien der beiden Hauptdarsteller Claudia Black (Aeryn Sun) und Ben Browder (John Crichton).

An Bonusmaterial wurde bei der DVD-Produktion auch nicht gespart. Es gibt eine Zusammenstellung von 26 geschnittenen Szenen (auf DVD 8), die allerdings nicht einzeln abspielbar sind. Auch ein Vorspringen zur jeweils nächsten Szene ist leider nicht möglich.

Von den sechs Interviews (ebenfalls auf DVD 8) möchte ich zwei hervorheben: Autor David Kemper führt mit vielen anderen Beteiligten das längste Interview und bespricht dabei die Besonderheiten jeder einzelnen Folge. Für Filmmusikfreunde besonders interessant ist das Interview mit dem Komponisten Guy Gross, der über die neue Titelmusik der 3. Staffel spricht (die Version der 1. und 2. Staffel ist wohl die, die man im DVD-Hauptmenü hört).

Schließlich gibt es noch sechs Audiokommentare zu einzelnen Folgen, die naturgemäß nicht auf der 8. DVD zu finden, sondern über die anderen DVDs verteilt sind. Leider werden diese Audiokommentare im Booklet nicht einzeln ausgewiesen, so dass man sie selbst suchen muss. Deshalb hier die Zusammenstellung:

3.04 – Claudia Black (Aeryn Sun)
3.06 – Guy Gross (Musik)
3.08 – Tony Tilse (Regie)/Ben Browder (John Crichton)/Angus Robertson (Sound Editor)
3.10 – Peter Andrikidis (Regie)/Lani Tupu (Bialar Crais)
3.17 – 1. Rowan Woods (Regie)/Justin Monjo (Produktion), 2. Claudia Black (Aeryn Sun)

Auch hier dürften die Leser von Cinemusic.de sich besonders für den Kommentar des Komponisten Guy Gross zur 6. Folge dieser Staffel interessieren, in der unsere Helden einen wahren Horrortrip durchleben – entsprechend ist die Musik. Die Musik von Farscape wird gewöhnlich (hauptsächlich aus Budget-Gründen) auf Synthesizern eingespielt, hat aber einen sehr naturalistisch-orchestralen Klang und folgt der traditionellen symphonischen Filmmusik, meist ohne typisch elektronische Klänge. Für diese Horrorfolge gibt es eine an traditionelle Horrorfilmmusik (z.B. Alien) angelehnte, eher atonale und unharmonische Musik, für die der Komponist z.B. mit Violine, Trompete und Euphonium Klänge (oder Geräusche) eingespielt hat – Instrumente, die er nicht beherrscht. Und das funktioniert sehr gut.

Das saubere und scharfe Bild und der gute Ton mit einigen Raumeffekten tun ihr übriges zum positiven Gesamteindruck. Freunde von Science-fiction-Serien werden wohl an dieser Box nicht vorbeigehen.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Programms zu Ostern 2006.

Regisseur*in:
Diverse

Erschienen:
2005
Gesamtspielzeit:
(8 DVDs) ca. 1074 Minuten
Vertrieb:
Koch Media
Zusatzinformationen:
USA (Australien) 2000

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