Die geheimnisvolle Minusch

Geschrieben von:
Marko Ikonić
Veröffentlicht am:
8. August 2002
Abgelegt unter:
CD

Score

(2.5/6)

Der holländische Kinderfilm Minoes • Die geheimnisvolle Minusch basiert auf einem Buch von Annie M.G. Schmidt (1911-1995). Es geht um den glücklosen Jungreporter Tibbe, der erst mit der Unterstützung einer Art von Katzen-„Nachrichtendienst“ – ganz recht: Stubentiger als geheime Informanten! – an schwer zugängliche Insider-Infos gelangt und von da an mit seinen Stories große journalistische Erfolge feiert. Die Organisation des Ganzen obliegt einer Katze in Menschengestalt, der jungen Miss Minoes. Als Tibbe über einen angesehenen Wohltäter der Stadt Ungeheuerliches enthüllt, schlägt das öffentliche Wohlwollen in ungläubige Ablehnung um. Minoes und ihre vierbeinigen Freunde treten zu seiner Ehrenrettung an … Deutscher Starttermin dieser originellen Kinounterhaltung für die ganze Familie (Regie: Vincent Bal) war der 8. August.

Minusch ist die erste Filmarbeit des belgischen Komponisten Peter Vermeersch (•1959), der sich in den vergangenen Jahren vor allem mit seinen Musiken für Tanz-Performances, Theateraufführungen und einigen (Kult-)Band-Gründungen (X-Legged Sally, Flat Earth Society) einen Namen gemacht hat. Der Pressetext zur Minoes-CD gibt Aufschluss über das Konzept hinter der Musik: „Keine Pop-Melodien, die nach dem Kinobesuch jedes Kind nachgrölen kann, sondern jazzige Themen, mit denen man sich die Abenteuer von Minusch bildlich vorstellen kann, auch ohne den Film gesehen zu haben. […] Kurze filmische Stücke, die Geschichten erzählen und Emotionen erwecken.“

Derartige Arbeitserleichterungen für den Rezensenten ließe man sich öfter gefallen. An Stelle einer zusammenhängenden Komposition hat sich Vermeersch also für kurze, auf Effekt ausgerichtete Score-Schnipselchen entschieden. Das Ergebnis, das auf der CD von Vermeersch’s eigenem Label „Zonk!“ begutachtet werden kann, sind 41 (!) musikalische Eintagsfliegen mit einer Durchschnittsdauer von knapp 1 Minute. Mehrfach treten Cues unter 20 Sekunden auf, alle Rekorde bricht jedoch Track 14 mit einer Länge von sagenhaften 4 Sekunden. Kiddies haben eine geringe Aufmerksamkeitsspanne, das ist bekannt, aber hier wird ihr Durchhaltevermögen eindeutig unterschätzt!

Im Filmkontext dürften diese lebhaften Jazz-Minaturen gut funktionieren. Als Höralbum sind sie „nur“ eine immer noch recht nett anhörbare Angelegenheit. Bei aller Bruchstückhaftigkeit handelt es sich zweifellos um durchaus pfiffig arrangierte Einzelstücke. Peter Vermeersch bringt (s)eine 18-köpfige Konzertband (die bereits genannte Flat Earth Society) plus Streichquartett so abwechslungsreich zum Klingen, wie es so mancher derzeit in Hollywood tätige Großverdiener wohl nicht vermöchte. Miss Minoes wird mit einem wie auf Samtpfoten behutsam voranschleichenden Motiv, meist auf dem Vibraphon (das Vermeersch, neben Klarinette und Saxophon, hier selbst spielt) zu hören, treffend charakterisiert. Einen kleinen Filmmusik-Insidergag hat sich der Komponist in Track 29, „Ellemeet en de katten“, erlaubt, wo für eine Konfrontation zwischen Bösewicht und Katzen geschickt Ennio Morricones Spiel mir das Lied vom Tod parodiert wird.

Wer sich von der übertriebenen Kürze der einzelnen Stücke nicht abschrecken lässt, bekommt mit Peter Vermeersch’s Die geheimnisvolle Minusch keinesfalls den Zonk, und auch die sprichwörtliche Katze im Sack trifft es nicht wirklich. In Summe ist es eine nicht witzlos gemachte jazzige Musik, der allerdings die (konzeptuell verankerten) Track-Sprünge im Stakkato-Rhythmus kaum Spielraum zur Entfaltung bieten – drum reicht es hier nicht ganz für eine „kleine Empfehlung“.

Originaltitel:
Minoes

Komponist*in:
Vermeersch, Peter

Erschienen:
2002
Gesamtspielzeit:
35:48 Minuten
Sampler:
Zonk
Kennung:
004

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