Dante’s Peak

Geschrieben von:
Dietrich Haas
Veröffentlicht am:
23. August 2000
Abgelegt unter:
CD

Score

(2.5/6)

Vier Jahre nachdem seine Verlobte bei einem Vulkanausbruch ums Leben kam, begibt sich der Geologe Harry Dalton, gespielt von Pierce Brosnan, in die Kleinstadt Dante’s Peak, die dem gleichnamigen Vulkan zu Füßen liegt. Alle Hinweise deuten darauf, dass jener imposante Berg kurz vor einem gewaltigen Ausbruch steht, doch davon will der Stadtrat nichts wissen – zu wichtig ist ihm das Image als idyllisches Ferienziel. Nur Bürgermeisterin Rachel (Linda Hamilton) schenkt den Warnungen Harrys Gehör, doch für eine geordnete Evakuation ist es schon zu spät …

Obwohl die Handlung zu jeder Zeit vorhersehbar ist, schafft es Regisseur Roger Donaldson (Species, Cocktail), nicht zuletzt durch die recht gelungenen Spezialeffekte, Spannung aufzubauen. Wer also auf Action in Form von digitalen Lavaströmen, krachenden Eruptionen und Explosionen etc. steht, der kommt bei diesem Film auf seine Kosten, Tiefgang in der Handlung oder schauspielerisch anspruchsvolle Passagen darf man freilich nicht erwarten.

Die Musik zu Dante’s Peak stammt aus der Feder von John Frizzell (Teaching Mrs. Tingle, Alien 4), aber auch James Newton Howard (Waterworld, Outbreak, The Sixth Sense) war bei der Entstehung dieser Filmmusik beteiligt. Absolutes Highlight des Scores ist das Hauptthema, das gleich zu Beginn gebracht wird; wie aus dem Nichts entwickelt sich das Thema, düster in seinem Charakter; zuerst hört man nur eine Harfe, dann setzen die tiefen Streicher pianissimo ein und nach einem gewaltigen Crescendo übernehmen sie das Thema. Das Komponistenduo bringt hier zusätzlich einen vokalisierenden Chor, ausschließlich im hohen Register bringt er Tiefe in den Klang und verstärkt die dunkle, unheimliche Atmosphäre zu Anfang des Filmes – doch sie hält nicht lange an. Nach ca. einer Minute kommt es sowohl auf der Leinwand als auch in der Musik zu einer Eruption – das volle Blech übernimmt nun die Führung. Nach nochmaligem, kurzen Piano setzen die Pauken mit martialisch geprägter Rhythmik ein, das Thema erklingt nun durch ein Cello, sein klagendes Solo sorgt für Gänsehaut. Danach gleitet dieses erste Stück des Scores in ein wildes Klanggewirr ab – man vermisst eine durchgehende musikalische Linie, analog zu den Szenen im Film herrscht hier ein ziemliches Durcheinander. Weitere hörenswerte Stellen in diesem Score sind zum Beispiel die Titel, für die Howard verantwortlich zeichnet; vornehmlich die ruhigeren Passagen wie Titel 4 „On the Porch“. Hier erklingt erstmals das schwebend-träumerische Sekundärthema, bei dem sich Solo-Flöte und -Klarinette, sowie Klavier aus dem Klangteppich der Streicher herauslösen. Auch Titel 6 „Helicopter Crash“ gefällt, hier erinnert die Musik deutlich an Passagen aus dem Score zu Outbreak, wie sich überhaupt der ganze Score nicht recht des Einflusses von Howard entziehen kann – was ihm aber durchaus zugute kommt. Einen musikalisch gelungenen Abschluß bietet Titel 10 „The Rescue“, ebenfalls von Howard komponiert, mit dem Thema aus Titel 4, nun aber gespielt vom vollem Orchester. Zugeschnitten auf das doch etwas kitschige Happy-End im Film ist dieser Cue zwar recht eingängig, aber nicht gerade originell – gegen Ende bringt Frizzell noch mal das düstere Hauptthema – somit entsteht eine musikalische Verbindung zum Anfang.

Die Musik zu Dante’s Peak ist nicht durchgehend gut – die atmosphärische Dichte vom Anfang erreicht sie eigentlich erst wieder am Schluss. Gerade den actionlastigen Stellen fehlt es an Dynamik, mitunter schlicht an Spannung, wer hier Musik im Stile von Hans Zimmer oder Trevor Rabin erwartet, wird wahrscheinlich etwas enttäuscht sein. Aber auch die Möglichkeit, entsprechende Stellen sinfonischer umzusetzen, wie es etwa Jerry Goldsmith (z. B. in Die Mumie) oder auch John Williams (The Lost World) praktiziert, bleibt ungenutzt.

Leider ist die Spielzeit dieser Varèse-CD mit gut 30 Minuten wieder recht kurz geraten, aber gerade wegen des gefälligen, spannenden Hauptthemas und den oben erwähnten, melodischeren Stücken doch empfehlenswert.

Ein Wort noch zur Zusammenarbeit der beiden Komponisten: Es war schwer, hierzu genauere Informationen zu bekommen; auf der CD steht lediglich: „Theme by James Newton Howard“. Dass damit nicht das herausragende Hauptthema, sondern das in Titel 6 und 10 erklingende „Liebes-Thema“ gemeint ist, ist nicht zu erkennen und hat wohl für die landläufige Meinung gesorgt, Howard habe das Main Theme geschrieben: In der Zeitschrift „Soundtrack“ (Nr. 64) stellte er dies richtig.

Erschienen:
1996
Gesamtspielzeit:
30:21 Minuten
Sampler:
Varèse
Kennung:
VSD-5793

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