Captain Blood

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
1. Mai 2001
Abgelegt unter:
CD

Score

(5/6)

Captain Blood (1935) war Warners erster großer Ausflug in das Swashbuckler-Genre in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. (übrigens: Der Film begründete die Karriere von Errol Flynn bei Warner.) Von Korngolds erster Mantel-und-Degen-Filmmusik hat das Team John W. Morgan und William T. Stromberg auf einem seiner beiden Debüt-Alben für das Marco-Polo-Label bereits 1995 eine rund 20-minütige gut zusammengestellte Auswahl vorgelegt. Anfänglich war ich bei Ankündigung der Veröffentlichung der alten Original-Lichtton-Master in Sachen Qualität doch sehr skeptisch, außerdem hielt ich die CD für weitgehend entbehrlich, da mir über das Material der neu eingespielten Suite hinaus keine interessante Musik in Erinnerung war.

In beiden Punkten bin ich angenehm überrascht worden. Die immerhin gut 76 Jahre alten Aufnahmen haben die Zeitläufe überraschend gut überstanden. Natürlich bleibt das Alter trotz (erfolgreicher) Restaurationsbemühungen hörbar, aber die Musik klingt – abgesehen von einigen kürzeren Passagen – recht frisch und weitgehend sauber. In Teilen ist der Klang in Anbetracht des Alters sogar von überraschender Durchsichtigkeit und auch Dynamik. Erich Korngold stand bei der Komposition zu Captain Blood unter extremem Zeitdruck, so dass neben eigens komponierter Musik auch Teile aus dem klassischen Repertoire adaptiert werden mussten. Diese Arbeiten hat wohl weitgehend der versierte Orchestrator Hugo Friedhofer  ausgeführt, der z. B. für das finale Duell einen Ausschnitt aus Franz Liszts Tondichtung „Mazeppa“ einarbeitete.

Obwohl also verschiedene „Fremdkörper“ enthalten sind, erweist sich die Captain-Blood-Komposition – auch in der jetzt (wohl annähernd) vollständigen Fassung – als raffiniert ausgeführte Mantel-und-Degen-Film-Musik ohne größere Durchhänger. Sie ist im korngoldschen Filmmusik-Œuvre in jedem Fall eine sehr reizvoll klingende Fingerübung für die berühmtere Komposition zu The Sea Hawk • Der Herr der sieben Meere aus dem Jahr 1940. In beiden Filmen sind die Szenen mit den Galeerensklaven musikalisch auch sehr ähnlich gelöst. In einigen Szenen des Captain Blood arbeitete der Komponist dazu besonders ausgeprägt mit dem Mittel der akustischen Verdoppelung des Gezeigten durch so genanntes „Mickey Mousing“. Hier zeigt sich deutlich die Nähe zu seinem berühmten, ebenfalls aus Wien stammenden Kollegen Max Steiner.

Besonders bemerkenswert ist, mit welchem Elan Erich W. Korngold beim Dirigieren zur Sache ging. Insbesondere die Action-Szenen werden mit geradezu atemberaubenden Tempi vom gut disponierten Warner-Orchester gemeistert. Dazu erweisen sich die schon hier besonders strahlend erklingenden (typischen) Korngold-Fanfaren von der gleichen edlen Sorte wie die in The Sea Hawk. Derartiges wurde eindeutig ein klingendes Vorbild für John Williams in seinen StarWars-Musiken.

Unterm Strich bleibt damit für die – auch als ansprechende Picture-Disc gestaltete – CD eine eindeutige Empfehlung. Einzig das Booklet hinterlässt (s. o.) einen etwas blassen Eindruck.

Die inzwischen auf dem Markt erschienene offizielle Version von The World, the Flesh and the Devil auf FSM ist nicht allein klanglich ein Stückchen besser, sondern sticht die tickertape-Fassung besonders durch das sorgfältig editierte Booklet aus.

Erschienen:
2001
Gesamtspielzeit:
63:56 Minuten
Sampler:
Tsunami
Kennung:
TSU 0141

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