Arielle, die Meerjungfrau (Blu-ray)

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
18. Oktober 2013
Abgelegt unter:
Blu-Ray

Film

(4.5/6)

Bild

(5.5/6)

Ton

(4.5/6)

Extras

(4.5/6)

Hans Christian Andersens wohl berühmtestes Märchen, „Die kleine Meerjungfrau“, ist in der 1990er Version des berühmten Studios mit der Maus frei von der Tragik des Originals. Doch auch wenn (wie üblich) gegenüber der Vorlage sehr frei gestaltet und mit einem Disney-typischen Happy-End versehen, ist nicht nur das recht geschickte Handlungskonstrukt erwähnenswert. Gerade dieser Animationsfilm markiert nämlich auch eine interessante „politische“ Wende. Nach Dekaden einer unübersehbaren Flaute in der animationstechnischen Detailausführung, handelt es sich um die Disney-Produktion, welche sich erstmalig wieder der alten Werte in der Machart der nach unserer Meinung wahren Disney-Meisterwerke der ausgehenden 1930er und 1940er besinnt.

Damit nun kein Missverständnis entsteht: Es geht hier nicht etwa um den Unterhaltungswert oder den Spaßfaktor, etwas, das die meist mit ansprechenden (Tier-)Charakteren bevölkerten und mit mehr oder weniger gelungenen Geschichten versehenen Disney-Produktionen auch jenseits der wahren Meisterwerke des Studios – Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937), Fantasia (1940), Pinocchio (1940), Bambi (1942) sowie Dornröschen (1959) als Schlusslicht – nie wirklich verloren haben. Mit den „alten Werten“ sind vielmehr die seinerzeit außergewöhnlich hohen Standards in der animationstechnischen Detailausführung gemeint, etwa das kostenintensive, saubere Nachzeichnen der animierten Skizzen, eine detailreiche Gestaltung auch der Hintergründe und nicht zuletzt die außerordentliche Plastizität der mit Hilfe der High-Tech-Multiplantechnik realisierten quasi dreidimensional erscheinenden Bildkompositionen.

Arielle (BD - Szene 1)Und da zeigen sich bei Arielle bemerkenswerte Ansätze einer Rückbesinnung auf das, was den Reiz der o.g. wahren Disney-Meisterwerke ausmacht. Zwar sind auch hier die Hintergründe häufig von eindeutiger Simplizität geprägt, und das Wasser wirkt ebenfalls nicht derart faszinierend echt und nass, wie in Fantasia oder Pinocchio. Bemerkenswert sind aber das punktuelle Erzeugen realistisch wirkender Unschärfe in den Unterwasserszenen und ganz besonders die ausgeprägte Raumtiefe diverser Einstellungen.

Allerdings war der positive Rückschritt für’s Erste noch nicht von durchschlagender Dauer – Aladdin (1992) oder Pocahontas (1995) sind beispielsweise wieder deutlich schwächer –, aber gerade im Hinblick auf den für diese Ära absolut herausragenden Die Schöne und das Biest (1991) ist Arielle die Meerjungfrau (1989), der entscheidende Wegbereiter.

Arielle von Blu-ray in HD

Die Präsentation in HD ist sehr ansprechend. Zwar kann das Bild von Arielle qualitativ nicht ganz mit dem der direkt aus dem Computer stammenden modernen Animationsfilme mithalten, aber die resultierenden Einschränkungen (gelegentliche dezente Unschärfen, eine leicht reduzierte Detailfreudigkeit oder das erkennbare leichte Filmkorn) liegen auf einem hohen Qualitätsniveau, d.h. es liest sich deutlich dramatischer als dass diese eher marginalen Beeinträchtigungen in der Realität überhaupt als „Mängel“ wahrgenommen werden. Klar ist: Derart prima aussehend hat man sich die kleine Meerjungfrau zuvor nicht nachhause holen können.

Arielle (BD - Szene 2)Ebensowenig lumpen lässt sich der Ton. Eine recht weiträumig aufgefächerte Surroundtonkulisse, versehen mit vielfältigen, behutsam im Klangraum platzierten, in erster Linie dezenteren Effekten, umfängt den Hörer. Diese Aussage gilt übrigens auch für die erfreulicherweise jetzt erstmalig mit im Paket befindliche 1990er deutsche Sprachfassung, die sich gegenüber der qualitativ punktuell zwar noch etwas knackigeren zweiten Synchronfassung aus dem Jahr 1998 durchaus gut behaupten kann, obwohl sie „nur“ in Dolby Digital 2.0 vorliegt.

Wer Arielle als Kind im Kino gesehen und/oder mit der ersten VHS-Videoausgabe aufgewachsen ist und sich vielleicht gar noch die deutsche Filmmusik-CD-Ausgabe zugelegt hat, der ist zweifellos durch die erste Synchronfassung in ganz besonderem Maße geprägt und verbindet damit seine Auffassung von richtig oder falsch. Was die Qualität der beiden Sprachfassungen angeht, ist die vielfach bekrittelte 1998er Synchro jedoch besser als ihr Ruf. Diese hat abseits von Beate Hasenau als Meereshexe Ursula andere Sprecher und auch Ute Lemper als Ariels Singstimme fehlt. In Teilen besitzt die sehr freie 1990er Erstfassung sicher die salopperen Sprüche, dafür wird die im Vergleich ebenfalls keineswegs lieblose 1998er Neufassung dem englischen Originaltext deutlich gerechter. Welche man letztlich bevorzugt ist in entscheidendem Maße Gewohnheits- und damit Geschmacksache. Sehr angenehm ist freilich in jedem Fall, dass der Käufer jetzt zwischen beiden deutschen Tonfassungen wählen kann. Da bleibt nur zu hoffen, dass dieses positive Beispiel auch bei zukünftigen Neueditionen der übrigen wahren Disney-Meisterwerke Schule macht.

Arielle (BD - Szene 3)Als weiterer Pluspunkt erweisen sich die sehr soliden Boni dieser Diamond-Edition. Neben einigen in HD neuproduzierten Features befinden sich erfreulicherweise auch sämtliche der klassischen DVD-Boni (teilweise in HD) mit im Sortiment. Darunter besonders bemerkenswert ist das rund dreiviertelstündige „Unerzählte Schätze: Das Making of von Arielle, die Meerjungfrau“ sowie der Audiokommentar, bei dem auch der Komponist der Filmmusik inkl. der charmanten, unmittelbar eingängigen Lieder, Alan Menken, mit von der Partie ist. Und last but not least dürfte sich so mancher darüber freuen, dass die Amaray-BD-Hülle mit einem Wendecover und darüber hinaus der hübsch geprägte Pappschuber mit einem problemlos und (besonders nach etwas Warmföhnen auch) sicher ablösbaren FSK-Sticker versehen ist.

Nicht unterschlagen werden darf an dieser Stelle freilich die gegenüber der Arielle-BD in diversen Foren vorgebrachte Kritik wg. einiger kleinerer Abweichungen der aktuellen gegenüber den vorherigen Bildfassungen. Als besonders einschneidend wird dabei der Schluss der Part-Of-Your-World-Sequenz angesehen. Und in der Tat: Wenn Arielle am Ende in die Tiefe der Kaverne zurücktaucht, ist die Schnittfolge geringfügig verändert – siehe dazu den Link im Anhang. Dieser eindeutige Fehler betrifft allerdings nicht einmal drei Sekunden und wäre mir im Übrigen ohne besagte Forenkritiken gar nicht aufgefallen. Bei den weiteren dagegen noch deutlich geringfügigeren Abweichungen handelt es sich nicht um Fehler. Es handelt sich vielmehr um minimale Änderungen, die vermutlich mit der Konvertierung der derzeit nur in den USA parallel angebotenen 3D-Version in Zusammenhang stehen.

Arielle (BD - Szene 4)Ob man insbesondere wegen des die Part-Of-Your-World-Sequenz betreffenden Fehlers nun derart „maßlos enttäuscht“ reagieren muss, um entweder vom Kauf komplett abzuraten oder darauf zu bestehen, eine korrigierte Version zum Austausch nachgereicht zu bekommen, mag jeder für sich entscheiden. Ich würde eher dazu raten, sich in Erinnerung zu rufen, in welch häufig ganz erheblich weniger perfektem Zustand vor noch gar nicht langer Zeit Filme im Fernsehen und so manche für Matineevorführungen mitunter mühsam herangeschaffte Kopie zu sehen war. Versehen mit diversen Perforations- und Bildschäden sowie Klebestellen (was fehlende Bilder bedeutet) und häufig farblichen Beeinträchtigungen, ging es vielfach einfach nicht besser. Trotz berechtigter Kritik sollte man bei derart geringfügigen Mängeln wie hier doch etwas gnädiger sein, oder?

Fazit: Wie zu erwarten, ist auch die nun ebenfalls im HD-Zeitalter angekommene Arielle, die kleine Meerjungfrau sämtlichen Vorläufer-Ausgaben qualitativ eindeutig überlegen und kommt darüber hinaus mit sehr respektabler Boni-Ausstattung ausgestattet daher. Was den an anderen Stellen zum Teil arg heftig diskutierten Mini-Fehler in der Part-Of-Your-World-Sequenz angeht (s. u.), sollte man diesen m. E. nicht überdramatisieren.

Weiterführender Link:

Szenenvergleich zum Blu-ray-Fehler

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema Blu-ray-Disc versus DVD.

Regisseur*innen:
Clements, Ron
Musker, John

Erschienen:
2013
Land:
USA 1989
Vertrieb:
Walt Disney Studios Home Entertainment, Diamond-Edition
Kennung:
BGY 0118704

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