Abraham Lincoln – Vampirjäger

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
2. August 2013
Abgelegt unter:
3D

Film

(2.5/6)

Bild

(5/6)

Ton

(5.5/6)

Extras

(4/6)

Die völlig andere Biografie zum 16. Präsidenten der USA: Abraham Lincoln – Vampirjäger

Kommentar zu Film und Filmbuch

„Mash-Up“ bedeutet Bekanntes zu Neuartigem zu vermischen. Was in der Popmusik seit Mitte der 90er Jahre geläufig ist, hat in den letzten Jahren auch in einer besonders exzentrischen Form die Literatur erreicht. Der Vorreiter ist der Amerikaner Seth Grahame-Smith indem er den Jane-Austen-Klassiker „Stolz und Vorurteil“ zur Zombie-Horror-Story „Stolz und Vorurteil und Zombies“ umfunktionierte und damit sogar einen Hit landen konnte.

Inzwischen hat Grahame-Smith nun seine Variante einer Biografie für den 16. US-Präsidenten vorgelegt. „Abraham Lincoln – Vampirjäger“ heißt das gelinde gesagt unkonventionelle, ja letztlich völlig schräge Resultat eines Genre-Mix’, der seine Hauptfigur und den historischen Hintergrund fantasyhaft neuinterpretiert. Und dafür gilt ähnlich wie zur zum Horror-Bestseller umgeschriebenen Jane-Austen-Vorlage: Hier werden sich klar die Geister scheiden. Entweder man mag sich auf derartigen Humbug augenzwinkernd einlassen, oder man wendet sich direkt ab.

Im Vorfeld des angekündigten Spielberg-Epos’ Lincoln bin ich durch den Trailer auf den Film wie auch das Buch aufmerksam geworden. Dabei stellte sich insbesondere beim Lesen des fast 500 Seiten umfassenden Romans schnell heraus, wie fantasievoll und geschickt die natürlich völlig absurde Story konstruiert worden ist. Anhand eines neu entdeckten, geheimen Tagebuchs Abraham Lincolns (der übrigens niemals Tagebuch führte) wird aufgerollt, wie die Invasion der Vampire 1587 begann und ihre Blütezeit in Nordamerika anschließend 250 Jahre lang, von 1607 bis 1865, gedauert haben soll. Die Hauptpopulation der Vampire konzentrierte sich in der Sklaven haltenden Pflanzeraristokratie der Südstaaten. Dabei dienten die Negersklaven zwar – ähnlich wie in Daybreakers – als Blutreservoir, aber auf Dauer sollten sämtliche Lebenden von den Untoten unterworfen werden. Aber Vampire sind denn letztlich offenbar doch auch nur Menschen und damit nicht sämtlich einer Meinung. Unter ihnen gab es daher eine Union der Untoten, die ihr Dasein unter den Lebenden eher verdeckt und in friedlicher Koexistenz fristen wollte. Henry Sturges (im Film verkörpert von Dominic Cooper), einer ihrer Vertreter wird zum Trainer und Freund Lincolns, dessen Mutter zuvor einer Vampir-Attacke zum Opfer fiel. Henry bildet ihn im Kampf gegen die wahren Bösen der Untoten aus und unterstützt ihn über die Jahre im Kampf gegen die die Freiheit der Menschen bedrohenden Blutsauger.

Grahame-Smith hat die in weiten Teilen eher im Dunkel der Geschichte liegende Kindheit und frühe Jugend Lincolns unter Berücksichtigung der wichtigsten weitgehend zuverlässigen biografischen Informationen fantasievoll und behutsam zugleich gestaltet. In der entscheidenden Phase von Lincolns Aufstieg vom Parlamentarier zum Präsidenten und dem folgenden US-Bürgerkrieg hat er außerdem nicht allein viele historische Fakten geschickt eingearbeitet, etwa die Schlacht um Washington bei Fort Stevens am 11. und 12. Juli 1864: Dieses wenig geläufige Ereignis ist dennoch nicht unbedeutend, war es doch ein recht groß angelegter bewusster Störversuch der Südstaaten im Wahljahr (!), um den kriegsmüden Norden zu erschüttern. Durch die Anwesenheit Lincolns, der sogar ins Visier konföderierter Scharfschützen geriet, wurde das Gefecht zum bisher einzigen Fall in der US-Geschichte, dass ein amtierender Präsident im Krieg unter direktem Beschuss stand.

Der Autor „belegt“ sein aberwitziges Geschichtskonstrukt noch anhand drolliger Interpretationen verschiedener historischer Fotografien – z. B. eine Begegnung mit dem eher unfähigen General George McClellan in Sharpsburg –, wobei auch der historisch verbürgte virtuose Umgang mit der Axt eine gewichtige Rolle spielt: „Man beachte die Axt, die am Stuhl des Präsidenten lehnt. Er hatte sie mitgebracht, für den Fall, dass sich sein Verdacht bezüglich McClellans als begründet erwies“, lässt dazu die Bildunterschrift verlauten.

Natürlich wussten von den Vampiren nur einzelne eingeweihte Zirkel und Lincoln führte entsprechend ein Doppelleben. Wie Grahame-Smith unter anderem zu berichten weiß, kursierte in besagten Kreisen über Jefferson Davis (Präsident der Konföderation) folgender Joke: Er trage nur deswegen (wie auf den meisten historischen Fotografien) hohe Kragen, damit man die Vampirbisse nicht erkenne. Dies alles und mehr ist flüssig lesbar, unterhaltsam wie spannend verpackt: nicht weniger, aber auch nicht mehr. Will sagen, dass man diesen allein zum Schmunzeln tauglichen, politisch natürlich völlig unkorrekten, für manch einen wohl auch geschmacklosen, reinen Gag nun nicht etwa tiefgründig als metaphorisch aufgeladen betrachten, analysieren und überinterpretieren sollte.

Der Film bildet hierzu die eindeutig banalere Light-Version. Grahame-Smith, der auch das Drehbuch verfasste, hat hierfür nicht nur (zwangsläufig) stark verknappt, sondern alles geht im Film geradezu rasend schnell vonstatten: Insbesondere Lincolns Entwicklung vom Anwalt zum Parlamentarier und schließlich sein Werdegang zum US-Präsidenten werden im Schweinsgalopp zelebriert. Der Autor hat sich zudem gegenüber der recht überzeugenden Romanhandlung (zu) große Freiheiten erlaubt. Das Ergebnis ist eine in den recht rasanten Actionszenen auf zeitgemäße Martial Arts getrimmte und damit klar auf ein sehr junges Zielpublikum zugeschnittene Popcornunterhaltung. Regisseur Timur Bekmambetow (*1961), bekannt für temporeiche Actionkost wie Wächter der Nacht (2004), Wächter des Tages (2006) oder Darkest Hour (2011) hat auch hier recht kurzweilige, dabei in Teilen, etwa bei der Metropole New Orleans, auch gut bebilderte Unterhaltung vorgelegt. Alles in allem ist die Filmversion passabel unterhaltsam, freilich ohne dass bemerkenswerte schauspielerische Leistungen im Gedächtnis verbleiben. Neben den zu großen Abweichungen von der Romanhandlung nimmt der Film beim – wie im Buch – weitgehend im Sinne von Bram Stoker verwendeten Vampirmythos leider einige eklatante Unstimmigkeiten in Kauf. Dazu zählen Spiegelbilder liefernde Vampire ebenso wie eine dank CGI zwar zweifellos furiose, allerdings sämtliche Regeln der Logik und der Physik komplett missachtende und somit letztlich nur völlig abstrus wirkende Verfolgungsjagd zwischen Lincoln (Benjamin Walker) und einem Vampir inmitten einer Pferdestampede. Überhaupt vermag die effektheischende Aneinanderreihung von Actionszenen die Oberflächlichkeit im insgesamt zu kurzatmigen Filmplot nur bedingt zu kaschieren.

Der Film findet seinen Höhepunkt in einer das tatsächliche Geschehen weitgehend ignorierenden Schilderung der berühmtesten Schlacht des „American Civil War“, der Schlacht von Gettysburg 1863 – siehe hierzu auch unser US-Bürgerkriegs-Special. Die Handlung kulminiert in einer zumindest visuell recht eindrucksvoll geratenen Attacke der Vampire auf einen Munitionszug, der zur Abwehr der die Konföderierten massenweise unterstützenden Vampire Silber-Projektile zur kämpfenden Truppe bringen soll. Dabei werden immerhin die Register der CGI-Trickkiste recht geschickt gezogen, um den von Vampiren massiv attackierten Zug eindrucksvoll über eine bereits lichterloh brennende Brücke rasen zu lassen.

Bei einem Budget von rund 69 Mio $ befand sich der Streifen ab dem 22. Juni 2012 weltweit über 13 Wochen im Kinoeinsatz. Dabei wurden rund 116,5 Mio $ und damit bereits ein ordentlicher Gewinn von 47,5 Mio $ eingespielt. Hinzu kommt nun noch das, was Abraham Lincoln: Vampire Hunter im TV-Einsatz sowie auf dem Homevideo-Markt (BD & DVD) erwirtschaftet. Tim Burton fungierte als Coproduzent und sein Name dürfte am bisherigen respektablen Ergebnis als Werbeträger seinen Anteil haben.

Der Film auf BD in 3D und 2D

Das Bild verfügt über soliden Kontrast und Schwarzwert, es zeigt aber sowohl in 2D wie auch in 3D häufiger leichte Unschärfen. Natürliche Farben gibt’s hier (wohl von den Machern gewollt) eigentlich nie zu sehen. Meist erscheinen die Farben gedämpft und unterkühlt. Oftmals dominieren Blau- und Ockertöne. Gerade bei Letztgenanntem ähnelt der Bildeindruck verschiedentlich historischen monochrom eingefärbten Fotografien. Für einen nicht in 3D aufgenommenen, sondern erst nachträglich in die dritte Dimension konvertierten Film ist der Raumeindruck fast durchweg sehr gelungen. Mitunter sind allerdings leichte Doppelkonturen erkennbar.

Besonders überzeugend ist die Audiopräsentation. Insbesondere die 7.1-DTS-HD-Master-Audio-Tonspur der englischen Originalfassung erweist sich als äußerst kraftvoll und damit Vampir-bissig. Aber auch die „nur“ konventionelle deutsche 5.1-DTS-Tonspur liegt nur knapp dahinter, enttäuscht also ebenfalls nicht.

Hinzu kommt eine passable Bonikollektion (enthalten auf der 2D-BD) von der insbesondere der Audiokommentar von Grahame-Smith und das Making-of „Die Entstehung von Abraham Lincoln Vampirjäger“ erwähnenswert sind.

Die 3D-BD-Version ist im 3er-Disc-Set (3D-BD + 2D-BD + DVD) inklusive Digital Copy im Angebot, die 2D-BD-Einzeldisc-Ausgabe wird anstatt in der üblichen blauen in einer (blut-)roten Amaray-Box untergebracht angeboten.

Fazit: Die vorgeblich „geheime“ Wahrheit über den 16. Präsidenten der USA ist gewiss nichts Seriöses, sondern Edel-Trash, aber vom Feinsten, was bedeutet, dass man daran durchaus seinen Spaß haben kann. Der Film von Regisseur Timur Bekmambetow bildet zur unterm Strich raffiniert ausgefeilten Buchvorlage die zwar unterhaltsame, freilich sehr martial-arts-lastige Lightversion. Auf den Film neugierig Gewordene sollten daher auf das Buch nicht verzichten.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema Blu-ray-Disc versus DVD.

Erschienen:
2013
Vertrieb:
20th-Century-Fox-Home-Entertainmant
Kennung:
Blu-ray 3D (3er-Blu-ray-Disc-Set (3D-BD + 2D-BD + DVD)

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