Blu-ray

Veröffentlicht am 09.12.2019 | von Michael Boldhaus

Feuertaufe

Feuertaufe Michael Boldhaus
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Between Heaven and Hell * Feuertaufe von Richard Fleischer

Francis Irby Gwaltney (1921–1981), aus Arkansas stammend, nahm im 2. Weltkrieg als Soldat der 112. Kavallerie (ein Regiment der texanischen Nationalgarde) an der Rückeroberung der Philippinen (1944/45) teil. Auf der texanischen Homebase der 112. Kavallerie lernte er den Schriftsteller Norman Mailer kennen, mit dem ihn infolge eine nicht immer ungetrübte lebenslange Freundschaft verband. Beide wurden im Anschluss auf unterschiedliche Kriegsschauplätze beordert, haben also ihre Kriegserfahrungen an unterschiedlichen Orten gemacht. Gwaltneys im Jahr 1955 entstandenes, hierzulande wenig geläufiges Buch „The Day the Century Ended“ diente Richard Fleischers Film Between Heaven and Hell * Feuertaufe als Vorlage. Zu Norman Mailers weltberühmt gewordener literarischer Reflexion über seine Kriegserfahrungen an der Pazifik-Front in seinem ersten erfolgreichen Roman „Die Nackten und die Toten“, veröffentlicht 1948, gibt es klare Parallelen. Raoul Walsh verfilmte The Naked and the Dead * Die Nackten und die Toten übrigens 1958 für RKO. Interessanterweise verwenden beide Romane erstmalig den heutzutage völlig anders, nämlich in der Welt der Social-Media verorteten, aus dem US-Englisch stammenden Begriff „shit-storm“: für eine absolut brenzlige Gefechtssituation.

Im Zentrum der Handlung steht der aus der Upper-Class des betont rassistischen und standesbewussten US-Südens stammende Sergeant Sam Gifford, gespielt vom jungen Robert Wagner, der, wie in einer Rückblende deutlich wird, gegenüber einfachen Arbeitern auf seinen Baumwollfeldern rüde und rücksichtslos agiert hatte. Durch die erlebte Kameradschaft an der Front ist er charakterlich geläutert worden, was hier allerdings doch etwas zu simplifiziert und dick aufgetragen erscheint und daher nur teilweise zu überzeugen vermag. Immerhin wird die nervenzerreißende Anspannung der Soldaten in Grenzsituationen schon recht eindringlich herausgearbeitet. Das „Island Hopping“ im Pazifikkrieg ist hier allerdings viel zu statisch inszeniert. Dass die Amerikaner sich wenig initiativ verhalten und sich zudem vor japanischen Gegenoperationen allzusehr in Acht nehmen müssen, passt kaum zum am Filmanfang zu lesenden Hinweis „Auf einer Pazifikinsel 1945“. Und auch bei den Schauplätzen hapert es mitunter ein wenig. Gedreht wurde im Malibu Creek State Park in Kalifornien und auf der hawaiischen Garten-Insel Kauaʻi.

Besonders interessante Parallelen zeigen sich zu Robert Aldrichs in Teilen ähnlich gelagertem, wesentlich zynischerem Kriegsthriller Attack * Ardennen 1944. Wenn auch nicht derart drastisch, wird auch in Feuertaufe das Verhältnis zwischen den Dienstgraden bereits deutlich kritischer betrachtet als zuvor und in zum Teil tödlich endenden Konflikten gezeigt. Sam Gifford hat nämlich vor Beginn der eigentlichen Filmhandlung einen unfähigen Leutnant zusammengeschlagen, dessen völlig dilettantisches Vorgehen bei einem Spähunternehmen unnötige Verluste unter seinen Kameraden zur Folge hatte. Dafür hat er nun die Wahl: entweder vor’s Kriegsgericht gestellt zu werden oder sich bei einem hochgefährlichen Spezialauftrag an vorderster Front zu bewähren. Hierbei bekommt er es mit dem psychopathisch wirkenden Captain Grimes (Broderick Crawford) zu tun, der darauf besteht „Waco“  genannt zu werden. Waco zählt zu denjenigen, mit welchen man insbesondere im Krieg besser nicht in näheren Kontakt kommt. Besonders auffällig ist bei ihm, dass er sich mit zwei Mannschaftsdienstgraden umgibt, die schon wie eine außergewöhnliche persönliche Leibgarde auftreten, so dass man hier geradezu einen homoerotischen Subtext vermuten kann.

Richard Fleischers Feuertaufe startete in den US-Kinos nur sechs Tage vor Attack, nämlich am 11. Oktober 1956. Auch wenn Aldrichs Film letztlich insgesamt noch deutlich überzeugender geraten ist, so besitzt auch Feuertaufe ein paar Meriten durch seine im Vergleich zu manch hurrapatriotischer Dutzendware deutlich weniger heroische Inszenierung in der Schilderung des Alltags von US-Soldaten im Pazifikkrieg. Alles in allem zählt Feuertaufe damit zu den Vertretern des Genres US-Kriegsfilm, die in zunehmendem Maße beginnen, Frontrealismus und damit auch die Grausamkeiten und Absurditäten von Krieg abzubilden. Die Masse der Kriegsfilme gehört übrigens ausstattungsmäßig zur preiswerteren B- oder gar C-Kategorie, was jedoch nicht zwangsläufig mit der Qualität korreliert – man denke dabei nur an das herausragende deutsche Pendant, Bernhard Wickis Die Brücke (1959).

Während sich bei Aldrichs Attack die normalerweise derartige Drehs bereitwillig unterstützende US-Army, da vom Drehbuch stark irritiert, verweigerte, was man dem Film trotz geschickten Improvisierens mit den begrenzten militärischen Ressourcen schon etwas anmerkt, vermag man besagte Unterstützung bei Fleischers Feuertaufe ebenso eindeutig zu erkennen.

Besonders bemerkenswert ist die Filmmusik von Hugo Friedhofer, welche dank ihres markanten Flairs zu den eindeutigen Pluspunkten des Films gehört. Zu den Pluspunkten gehört ebenfalls die gelungene CinemaScope-Fotografie des Kameramannes Leo Tover.

Regisseur Richard Fleischer war in verschiedensten Genres zuhause, z.B. 20.000 Meilen unter dem Meer (1954), Bandido (1956), Die Wikinger (1959), Die phantastische Reise (1967), Doktor Dolittle (1967), Der Frauenmörder von Boston (1968) oder auch Tora! Tora! Tora! (1969). Wobei sich neben den vorstehend genannten durchweg sehr beachtlichen Produktion insbesondere unter seinen späteren Arbeiten auch einige Ausreißer finden, etwa Mandingo (1975) und Amityville 3 (1983) oder auch der umstrittene Conan, der Barbar (1984).

Feuertaufe in HD auf BD

Die Blu-ray-Veröffentlichung von explosive media ist als Einzel-BD in schwarzer Amaray-Box erhältlich, versehen mit einem ansprechenden Filmplakatmotiv als Cover.

Bild und Ton

Das HD-Bild im korrekten Scope-Format (1: 2,35) sieht meist gut bis sehr gut aus. In der Regel sind Schärfe, Kontrast und auch der Schwarzwert gut. Die Farbwiedergabe ist ebenfalls ordentlich, allerdings ist da schon noch Luft nach oben. Insbesondere in den ersten Filmrollen deuten neben dem zu orange tendierenden (vermutlich blutroten) Rollentitel das fahle Pflanzengrün oder auch das allzu blasse Himmelsblau auf dezentes Fading. Außerdem sind hin und wieder kurzzeitig leichtere Bildschäden (helle Punkte, kleinere Laufstreifen) erkennbar

Bemerkenswerterweise ist neben der englischen Originaltonfassung auch die deutsche Synchronfassung mehrkanalig und kommt mit relativ sattem Stereo-Sound, versehen mit einigen Surroundeffekten daher, ohne dass sich dazu im Menü oder auf dem Cover Hinweise finden. Davon profitiert nicht zuletzt die beachtliche Friedhofer-Musik.

Extras

Als Boni gibt es eine die gewohnte Bildergalerie, versehen mit Standfotos und weiteren Werbematerialien sowie einen US-Kinotrailer in ordentlicher SD-Qualität.

Fazit: Between Heaven and Hell * Feuertaufe ist zwar kaum mehr als passable B-Kategorieware. Der Film ragt allerdings dank einiger für die Zeit der Entstehung noch nicht selbstverständlicher Aspekte in der Inszenierung immerhin ein Stückchen aus der Masse derartiger (nicht nur) Hollywoodproduktionen nach dem 2. Weltkrieg heraus.

Hier geht’s zum Gewinnspiel.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema „Blu-ray-Disc versus DVD“.

Titel: Feuertaufe (Between Heaven and Hell)
Erschienen: 9/2019

Zusatzinformationen: USA 1956

Medium: Blu-ray
Verleih: explosive media (Vertrieb: Koch Media)
Kennung: BD

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