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Veröffentlicht am 24.12.2013 | von Michael Boldhaus

Ist das Leben nicht schön?

Ist das Leben nicht schön? Michael Boldhaus
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Ist das Leben nicht schön? Frank Capras knuffiges Weihnachtsmärchen jetzt in High Definition

Die Filme des US-amerikanischen Filmregisseurs Frank Capra (1897–1991) sind durch ihren optimistischen Blick und ein idealistisches Menschenbild gekennzeichnet. Dass der Name des Regisseurs praktisch immer oberhalb des Filmtitels erschien, wurde zu einem Markenzeichen. Seine Spezialität war die spritzige, mitunter mit tragikomischen Untertönen versehene Komödie, in welcher der pfiffige kleine Mann von der Straße zum Zuge kommt. Mit Instinkt und gesundem Menschenverstand erkennt er die Missstände im Kleinen wie Großen und wendet schließlich alles zum Besseren. Besonders markant und überzeugend wirkt als Protagonist der Schauspieler James Stewart (1908–1997), der Capra letztlich seinen Durchbruch verdankte. Für Stewart wiederum wurde die Darstellung von als Identifikationsfiguren für Otto-Normal-Kinogänger tauglichen Charakteren zum Markenzeichen.

It’s a Wonderful Life Ist das Leben nicht schön? ist der erste zivile Film, den Capra nach seinem Militärdienst, wo er für bemerkenswerte Kriegsdokumentationen der Reihe Why we Fight verantwortlich war, in Angriff nahm. Sowohl der Regisseur als auch sein Hauptdarsteller Stewart bezeichneten diesen als ihren Lieblingsfilm. Der „kleine Mann“ ist dieses Mal George Bailey (James Stewart), der große Pläne hat und immer wieder versucht aus dem etwas verschlafenen Städtchen Bedford Falls auszubrechen. Aber das Schicksal ist dagegen. Aus Rücksicht auf Dritte tritt George immer wieder zurück. Er bleibt vor Ort, gründet eine Familie und wird durch sein soziales Engagement einer der beliebtesten Bürger des Städtchens. Der immer hilfsbereite George wird durch die fortwährenden Umtriebe des gierigen wie skrupellosen Bankiers Henry F. Potter (Lionel Barrymore) am Weihnachtsabend an den Rand des Selbstmordes gedrängt, was himmlische Mächte auf den Plan ruft. Der etwas tolpatschige Engel Clarence (Henry Travers), der sich noch seine Flügel verdienen muss, wird ausgesandt, und ihm gelingt es schließlich, George davor zu bewahren, sein Leben fortzuwerfen. Die rettende Idee ist: Clarence führt George und damit auch dem Zuschauer vor, was wäre, wenn es George nie gegeben hätte, welche dramatischen Konsequenzen dies für viele Menschen seines Umfelds haben würde.

Ursprünglich sollte der Film erst im Januar 1947 an den Start gehen. Dann wurde die Postproduktion jedoch beschleunigt und It’s a Wonderful Life erblickte bereits am 20. Dezember 1946, zuerst wenig beachtet, das Licht der Kinoprojektoren. Auch die Karriere als zunehmend beliebter werdender Weihnachtsfilm begann erst sehr viel später. Seit den 1970ern tauchte der Film zunehmend im US-Fernsehen auf und seit den 80ern hat sich Capras Film nach und nach auch bei uns den Rang einer im Umfeld des alljährlichen Festes der Liebe kaum mehr verzichtbaren Familienunterhaltung erobert.

Sicher wird in diesem Weihnachtsfilm nach der Kurzgeschichte „The Greatest Gift“ von Philip Van Doren Stern Familie, Freundschaft und soziales Umfeld sehr idealisierend betrachtet. So manches im Drehbuch ist klischeehaft und zweifellos sehr sentimental. Diese Feststellungen verweigern vielleicht das Attribut Meisterwerk. Der Film ist jedoch gerade wegen seiner charmanten Gefühlsbetontheit sowie der insgesamt sehr überzeugenden Darstellerriege ein ungemein warmherziges und zugleich nostalgisches Feel-Good-Movie. Eines, bei dem es am Schluss nochmals besonders warm ums Herz wird, wenn es heißt: „Immer wenn ein Glöckchen ertönt, erhält ein Engel gerade seine Flügel“.

Filmmusik: Dimitri Tiomkin

Westernspezialist Dimitri Tiomkin (1894–1979) schrieb zu Capras Film eine typische, leuchtkräftige, mit Weihnachts-Traditionals und sonstigen Americana durchsetzte Filmmusik. Es war seine sechste und letzte Zusammenarbeit mit dem Regisseur. Unglücklicherweise zählt Tiomkins Komposition zu denen, die seinerzeit aus dem fertigen Film zu einem Großteil wieder entfernt und durch Archivmusik ersetzt worden ist, etwa von Roy Webb und Leigh Harline. Im Juli 1988 hat David Newman den kompletten anhand von Archivmaterialien (z.B. der vollständig erhaltenen Dirigier-Partitur) sorgfältig rekonstruierten Score von rund 39 Minuten Spieldauer mit dem Royal Philharmonic Orchestra für das Telarc-Label (CD-88801) superb eingespielt. Dieses zusammen mit Suiten aus A Christmas Carol (1951, Komponist: Richard Addinsell) and Miracle on 34th Street (1947, Komponist: Cyril Mockridge) als „Sundance Institute Filmmusic Series, Vol. 1“ veröffentlichte (Weihnachtsfilmmusik-)Album blieb unglücklicherweise nicht nur das einzige seiner Art, sondern es ist zudem leider seit vielen Jahren vergriffen.

Ist das Leben nicht schön? auf Blu-ray

Alle Jahre wieder ist Capras Weihnachtsfilm bisher nur in einigermaßen passabler, aber nie wirklich überzeugender Qualität zu sehen gewesen. Diese Feststellung gilt sowohl für die Fernsehausstrahlungen als auch für die kaum bessere 2002er DVD-Edition. Im Vergleich dazu ist die jetzt auch bei uns erhältliche, neu abgetastete HD-Version von BD unübersehbar aufgewertet. Insbesondere das schwarz-weiße Original sieht nun sehr gut aus. Auch wenn infolge leicht schwankenden Schärfeeindrucks nicht völlig perfekt, so vermag das Bild durch saubere Kontraste und Grauwertabstufungen sowie überwiegend gute bis sehr gute Schärfe und Detailfreude zu überzeugen.

Der immer etwas kratzige deutsche Mono-Ton, erstellt 1961 von der ARD, ist ebenfalls spürbar verbessert worden. Natürlich darf man hier keine großen Wunder und schon gar nicht Surround-Stereo erwarten, aber das Ergebnis klingt im Vergleich zu früher merklich frischer.

Als Extras gibt es neben der ­– in entsprechend bescheidener SD-Qualität bereits auf der früheren DVD-Ausgabe des Capra-Films vertretenen – rund 20-minütigen Charley-Chase-Stummfilm-Comedy Ist das Leben nicht schrecklich? (1925), in der Oliver Hardy sein Debüt gab, noch eine nachträglich colorierte Fassung von Ist das Leben nicht schön?, an der sich die Geister scheiden werden.

Zwar muss hierzu fairerweise angemerkt werden, dass diese Colorierung eindeutig das Beste ist, was ich zu diesem Thema bislang gesehen habe. Das Bild ist überwiegend knackig und die hinzugefügten Farben sind hier erstmalig sauber (ohne die sonst üblichen Farbsäume oder -ränder) mit dem jeweiligen Objekt verbunden. Natürlich und damit überzeugend wirkt das Resultat allerdings trotzdem ganz und gar nicht. Abgesehen davon, dass die hinzugefügten Farben generell blässlich und daher stumpf wirken, erscheinen insbesondere die Fleischtöne (Gesichter etc.) völlig künstlich. Das gibt dem sich spätestens in den Nachtszenen unübersehbar als mit „Farbflecken“ versehenes Schwarz-Weiß-Bild und damit als Schwindel entlarvenden Ergebnis m. E. so ziemlich den Rest. Unterm Strich fühlt man sich hier letztlich in die Zeiten versetzt als die Bilder laufen lernten und Farbe im Kino noch durch „ausmalen“ der Filmbilder von Hand erzeugt wurde. Mit einem echten Farbfilm hat so ein Kompromiss nun wirklich nicht viel gemein. Ein derartiger, die ursprüngliche Bild-Dramaturgie doch zwangsläufig stark entstellender „Kunstgriff“ ist etwas, was man besser grundsätzlich unterlassen sollte.

Fazit: Erfreulicherweise ist die Blu-ray-Version von Frank Capras charmantem Weihnachtsmärchen eine erhebliche Verbesserung gegenüber der all die Jahre unverändert gezeigten Fernsehfassung sowie der ähnlich unbefriedigenden DVD-Version. Damit ist dieses warmherzige Weihnachtsfilm-Märchen jetzt bildtechnisch würdig in der neuen HD-Heimkino-Dimension angelangt. Die als Bonus mit im Paket enthaltene colorierte Version ist zwar technisch deutlich besser als das, was es dazu in der Regel zu sehen gibt. Das Resultat bleibt aber ob seiner unübersehbaren Künstlichkeit und somit Unstimmigkeit eine zweifelhafte Verschlimmbesserung. So etwas kann dem auf seine Art doch perfekten und hochwertigen schwarzweißen Original keinesfalls gerecht werden.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema Blu-ray-Disc versus DVD.

Titel: Ist das Leben nicht schön?
Erschienen: 2011

Zusatzinformationen: USA 1946

Medium: Blu-ray
Verleih: STUDIO CANAL
Kennung: Blu-ray-Disc


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