Special

Veröffentlicht am 25.04.2010 | von Michael Boldhaus

Koch Media: Film Noir Collection, Vol. 1 – 5

„Film noir“: diese vom französischen Filmkritiker Nino Frank 1946 ins Leben gerufene Bezeichnung steht für zwiespältige Helden und ebenso negative Heldinnen am Rande der Gesellschaft. Fast durchweg wird im Dickicht des Asphaltdschungels der amerikanischen Großstädte in düsteren und pessimistischen Szenarien agiert. Die Grenzen zwischen Gut und Böse sind erheblich fließender als gewohnt und vieles ist hier nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint: Gangsternaturen, zu Unrecht Verfolgte, Unschuldige und scheinbar rechtschaffende Bürger wie auch schurkische Polizisten geben sich ein Stelldichein. Die Filme wirken urbaner und moderner als die Krimis klassischer Prägung und ihre Geschichten erscheinen zumindest teilweise, obwohl ebenfalls stilisiert, realistischer als die typische Hollywood-Krimiunterhaltung jener Zeit. Die desillusionierenden Erfahrungen der Depressionsära und des 2. Weltkrieges schafften die Voraussetzungen für den Film noir. Zunehmende Teile des Publikums wollten fortan nicht mehr nur reine Zerstreuung und damit Traumfabrik vorgesetzt bekommen, es wollte vielmehr auch seine Schrecken und Ängste auf der Kinoleinwand wiedererkennen.

Die mit den im Kalten Krieg auflebenden Aktivitäten des „House Committee on Un-American Activities“ (HUAC) einhergehenden Repressionen überschatteten das öffentliche Leben. Das paranoide Gesellschaftsklima beeinflusste und förderte den Film noir weiterhin zumindest indirekt. Es ist wohl kein Zufall, dass der Endpunkt der Noir-Ära (s. u.) ziemlich genau da liegt, wo die Verhältnisse begannen sich langsam zu normalisieren.

Seine Vorläufer hat der Film noir nicht zuletzt in den harten US-Gangsterdramen der ausgehenden 20er und 30er Jahre, wie Scarface • Narbengesicht (1932) und auch solche mit sozialkritischen Tönen wie I Am a Fugitive from a Chain Gang • Jagd auf James A. (1932). Ihre Blütezeit hatten die auch als „Schwarze Serie“ bezeichneten Krimis in den 1940ern bis in die zweite Hälfte der 1950er. Zwei Klassiker markieren die Eckpunkte: The Maltese Falcon • Die Spur des Falken (1941) und Touch of Evil • Im Zeichen des Bösen (1958). Diese beiden Filme präsentieren zugleich einige der besonders markanten männlichen Schauspieler: Humphrey Bogart, Peter Lorre und Orson Welles. Des Weiteren wären bei den Herren in jedem Fall Charlton Heston, Robert Mitchum, Richard Widmark, Ray Milland und Charles Laughton sowie bei den Damen insbesondere Barbara Stanwyck, Joan Crawford, Lauren Bacall und Rita Hayworth zu nennen. Bislang ist das Interesse am Film noir nicht erloschen. Bis heute erscheinen in freilich loser Folge Filme, die stilistische wie thematische Elemente dieser Stilrichtung aufgreifen und zitieren, z. B. The Good German (2006).

Die meisten der klassischen Vertreter des Film Noir sind budgetmäßig eher bescheiden und auch deshalb in Schwarz-Weiß gedreht. Wobei die Regisseure hierbei allerdings nicht einfach nur aus der Not eine Tugend gemacht haben. Farbfotografie ist anders, aber nicht einfach besser. Gerade der Schwarz-Weiß-Film ermöglicht in seiner speziellen Ästhetik in ganz besonderem Maße die so charakteristischen, auf den deutschen Stummfilmexpressionismus verweisenden, ausgeprägten Licht- und Schattenwirkungen des „Film noir“. Aber nicht allein der europäische Stummfilm hat hier unauslöschbare Spuren hinterlassen. So vielen dieser an sich so typisch amerikanisch anmutenden Filme haben aus dem Alten Europa stammende Emigranten (insbesondere aus Österreich und Deutschland) ihren Stempel aufgedrückt, wie der Schauspieler Peter Lorre oder die Regisseure Fritz Lang, Otto Preminger, Billy Wilder und William Dieterle.

Auf insgesamt fünf Titel hat Koch-Medias Film-Noir-Collection es derzeit gebracht. Hier sind zwar nicht die ganz berühmten Streifen vertreten, aber durchweg willkommene Ergänzungen der persönlichen Noir-Kollektion zu finden.


DVD

Veröffentlicht am 25.04.2010 | von Michael Boldhaus

Die blaue Dahlie

The Blue Dahlia • Die blaue Dahlie (1946) mit Alan Ladd und Veronika Lake entstand übrigens nach dem einzigen Original-Drehbuch von Raymond Chandler, dem Erfinder des berühmten Privatdetektivs „Philip Marlowe“ aus The Big Sleep • Tote schlafen fest (1946). Der Film reflektiert bitter über die Folgen des zweiten Weltkriegs für die US-Gesellschaft. Es geht um einen von den Fronterlebnissen und einer Verwundung gezeichneten Kriegsheimkehrer, der erkennen muss, dass seine Ehe zerstört ist. Als seine Frau ermordet wird, gerät er unter Generalverdacht, er flieht und versucht, seine Unschuld zu beweisen. Der die Hauptrolle verkörpernde Alan Ladd fällt hier — wie auch in seinem späterhin wohl bekanntesten Film, dem Western Shane • Mein großer Freund Shane (1953) — durch seinen so typischen, emotionslosen Gesichtsausdruck auf.

Titel: Die blaue Dahlie
Erschienen: 2008

Zusatzinformationen: USA, 1946

Medium: DVD
Verleih: Koch MediaDVD
Kennung: DVM000464D

Regisseur(e):

Schlagworte:


DVD

Veröffentlicht am 25.04.2010 | von Michael Boldhaus

Spiel mit dem Tode

The Big Clock • Spiel mit dem Tode (1948) entstand nach einem Roman von Kenneath Fearing, der in seinem Filmplot die zentrale Idee aus Regisseur Sam Fullers 1944er Roman „The Dark Page“ aufgreift. Das oft bemühte Krimi-Motiv vom unschuldig Verfolgten wird hier raffiniert und ironisch zugleich auf die Spitze getrieben. Ein von Ray Milland dargestellter Starreporter erhält den Auftrag, den Unbekannten aufzuspüren, der mit dem weiblichen Mordopfer zuletzt gesehen wurde. Das Delikate: Er selbst ist der besagte Mr. X. Damit setzt sich ein raffinierter Plot in Bewegung, der unentrinnbar wie die stetig voranschreitende Zeit, angezeigt von der riesigen Uhr des Verlagshauses, auf seinen dramatischen Höhepunkt zustrebt. Neben Thrillerelementen ist aber auch eine Portion Komödie vertreten und außerdem verfügt dieser elegante Krimi über einen Schuss an Gesellschafts- und Mediensatire. Bereits der in der Rolle des ekligen Zeitungsmoguls so schmierig wie rücksichtslos agierende Charles Laughton begeistert und macht diesen Film unbedingt sehenswert. Die sehr überzeugende Mixtur aus Spannung und Humor macht Spiel mit dem Tode insgesamt zu einem Höhepunkt der Koch-Media-Noir-Collection.

Titel: Spiel mit dem Tode
Erschienen: 2008

Zusatzinformationen: USA, 1948

Medium: DVD
Verleih: Koch MediaDVD
Kennung: DVM000464D

Regisseur(e):

Schlagworte:


DVD

Veröffentlicht am 25.04.2010 | von Michael Boldhaus

Schwarzer Engel

In Black Angel • Schwarzer Engel (1946) der hierzulande auch unter dem alternativen Titel Vergessene Stunde aufgeführt wurde, versucht die Frau eines zum Tode Verurteilten, den angeblichen Mord ihres Gatten aufzuklären, der mit dem Mordopfer eine Affäre hatte. Dieser relativ unbekannte Film, bei dem die tragenden Rollen entsprechend von wenig geläufigen Darstellern (June Vincent und Dan Duryea) verkörpert werden, ist eine Neuentdeckung wert. Er zeichnet sich nicht nur durch seine interessanten Bildkompositionen aus, er überrascht insbesondere mit ungewöhnlicher Perspektive auf seine Zentralfigur. Hier ist es nämlich der wahre Mörder, der im Gegensatz zu den übrigen eher äußerst zwielichtigen Akteuren bis zum überraschenden Schluss klar der Sympathieträger bleibt. In Nebenrollen glänzen Gangsterfilm-Ikone Broderick Crawford und der immer so markant, mysteriös erscheinende Peter Lorre, Urgestein des Film noir, als Nachtclubbesitzer.

Titel: Schwarzer Engel
Erschienen: 2008

Zusatzinformationen: USA, 1946

Medium: DVD
Verleih: Koch MediaDVD
Kennung: DVM000464D

Regisseur(e):

Schlagworte:


DVD

Veröffentlicht am 25.04.2010 | von Michael Boldhaus

Desert Fury – Liebe gewinnt

Desert Fury (1947) ist bei uns nicht im Kino, sondern erst Mitte der Achtziger im TV unter dem Titel Desert Fury — Liebe gewinnt aufgetaucht. Der in strahlendem Technicolor aufgenommene Streifen ist ein etwas verworrenes Melodram vor prachtvoller Wüstenkulisse (die Außenaufnahmen entstanden in Nordarizona), bei dem die Protagonisten von in der Vergangenheit begangener Schuld belastet und getrieben sind. Desert Fury ist sicher der im Verhältnis bescheidenste Beitrag dieses Film-Noir-Quintetts. Auch wenn dieser Film kein völlig typischer Vertreter der „Schwarzen Serie“, sondern eher im Grenzbereich anzusiedeln ist, weist er einige interessante Teilaspekte auf. Neben dem allerersten Leinwandauftritt von Burt Lancaster, für den der Film noir wie auch für Richard Widmark das Sprungbrett bildete, ist die musikalische Begleitung von Miklós Rózsa bemerkenswert. Die Musik des berühmten Ungarn betont gekonnt das im Bild häufiger eher unterschwellig düstere und schicksalhafte der Handlung und macht dies damit dem Zuschauer besonders deutlich. Diese Feststellung bezieht sich allerdings nur auf die englischsprachige Originalfassung. In der für das Fernsehen produzierten Synchronfassung lag offenbar — wie häufig bei Filmen vor etwa 1950 der Fall — kein originales Musik-Geräuschmasterband mehr vor. Besonders auffällig wird dies bei der Musik: Rózsas Originalkomposition ist nur noch in den dialogfreien Teilen zu hören. Sobald gesprochen wird, wird diese, mehr oder weniger schlecht, aus- und irgendwelche Archivmusik eingeblendet. Zwar hat man im vorliegenden Fall versucht fehlenden Rózsa mit Rózsa zu kompensieren. Das beigeflickte Resultat mit überwiegend aus Spellbound • Ich kämpfe um Dich (1945) und teilweise aus Quo Vadis (1951) entlehntem Material ist allerdings einfach nur grottig geraten. Hier kann man nur empfehlen, sich den Film im Original anzuschauen. Das Wermutströpfchen: Auf hilfreiche deutsche Untertitel kann man dabei leider nicht zurückgreifen.

Titel: Desert Fury – Liebe gewinnt
Erschienen: 2008

Zusatzinformationen: USA, 1947

Medium: DVD
Verleih: Koch MediaDVD
Kennung: DVM000464D

Regisseur(e):

Schlagworte:


DVD

Veröffentlicht am 25.04.2010 | von Michael Boldhaus

Der schwarze Spiegel

The Dark Mirror • Der schwarze Spiegel (1946) von Regisseur Robert Siodmak lebt von der im Hollywood jener Jahre immensen Begeisterung für die Freud’sche Psychoanalyse. Alles in allem ist Der schwarze Spiegel nicht nur die Stunde des Psychiaters, sondern zugleich ein gelungenes Kammerspiel, das in der heimischen Noir-Kollektion unbedingt sein Plätzchen erhalten sollte. Der Seelenklempner bewaffnet mit Rorschach-Test und anderen psychodiagnostischen Verfahren erweist sich hier originellerweise als der wahre Detektiv. Zwar wirkt die Geschichte um zwei eineiige Zwillinge (Olivia de Havilland in einer Doppelrolle), von denen die eine eine psychopathische Mörderin ist, nicht erst heutzutage als abenteuerlich konstruiert, versehen mit geradezu haarsträubenden „wissenschaftlichen“ Begründungen. Der Film bleibt aber neben der in einer Doppelrolle als guter und überraschenderweise auch als böser Zwilling überzeugend agierenden Olivia de Havilland gerade durch die visuell so sorgfältig wie geschickt erfolgte tricktechnische Umsetzung sehr ansehenswert. Bei der selbst heutzutage immer noch verblüffend echt wirkenden Dopplung de Havillands war übrigens der deutsche Trickspezialist Eugen Schüfftan (Metropolis) maßgeblich beteiligt. Die hierzu mitgelieferte deutsche Erstsynchronisation der Kinoauswertung erfreut zusätzlich durch die vollständig und damit sortenrein (s. o.) enthaltene Filmmusik von Dimitri Tiomkin.

Koch-Medias Film-Noir-Collection in der Praxis:

Präsentiert werden die Titel der Reihe als wie ein Buch anmutende Slim-Digi-Packs. Erfreulicherweise sind diese nicht nur mechanisch recht solide, sie sehen außerdem noch schick aus. Sämtliche Filme werden in mitunter leicht schwankender, aber zumindest sehr ordentlicher Bildqualität präsentiert. Hier reichen die zu vergebenden Noten von „Befriedigend+“ bis knapp an ein „Sehr Gut“ heran. Das bedeutet ein von Schäden des abgetasteten Materials und Rauschen weitgehend freies Bild, das außerdem mit respektabler Schärfe, Detailzeichnung sowie solidem Kontrast aufwartet. Desert Fury überzeugt darüber hinaus mit seinen satten Technicolorfarben. Zum Ton gibt es sowohl Positives wie Negatives zu berichten. In Anbetracht des beträchtlichen Alters der Produktionen sind alle Tonspuren in zumindest akzeptabler Qualität vorhanden. Mitunter ist allerdings zu sehr mit Rauschfiltern gearbeitet worden. Daraus resultiert eine Beschneidung des Frequenzumfanges, die nicht nur den Sprechstimmen das Charisma raubt, was letztendlich die Atmosphäre der gesamten Tonmischung klar beeinträchtigt. Die deutschsprachigen Synchronfassungen klingen meist merklich frischer als das jeweilige englische Original.

An Boni gibt es in der Regel einen Original- oder Wiederaufführung-Trailer sowie eine Bildergalerie mit seltenem Werbematerial. Besonders ansprechend und damit erwähnenswert ist das bei jeder Edition als fest verankerter Teil des „Buches“ enthaltene 10 bis 12 Seiten umfassende Begleitheft, dank der kompetenten, informativen Texte von Thomas Willmann. Diese schlagen sich beim Punkt „Ausstattung“ der ansonsten natürlich zwangsläufig nicht zu üppig mit Boni versehenen DVD-Editionen positiv zu Buche.

Titel: Der schwarze Spiegel
Erschienen: 2008

Zusatzinformationen: USA, 1946

Medium: DVD
Verleih: Koch MediaDVD
Kennung: DVM000464D

Regisseur(e):

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