CD

Veröffentlicht am 10.06.2005 | von Michael Boldhaus

The Grudge

The Grudge Michael Boldhaus
Bewertung

The Grudge

The Grudge von Regisseur Takashi Shimizu bietet Horror auf Japanisch. Laut Presseinfo handelt es sich hier um das US-Remake eines Blockbusters aus dem Reich der aufgehenden Sonne, Ju-On, bei dem Sarah Michelle Gellar — aus der TV-Serie Buffy — die Hauptrolle übernahm. Zum Streifen über einen mysteriösen Fluch, der von Personen ausgeht, die im Augenblick ihres Todes in größter Wut sind, komponierte Christopher Young die Musik. Der Altmeister eines modernen Horror-Scorings (Hellraiser, A Nightmare on Elm Street, The Fly 2) hat hierfür allerdings eher tief in die altbekannte Mottenkiste gegriffen. Die von ihm — im Sinne einer erfrischend trickreichen, raffiniert modernistisch geprägten Schreibweise — in den genannten Arbeiten gesetzten Maßstäbe sucht man hier jedoch leider vergebens.

Youngs weitgehend orchestrale Komposition ist mit einigen synthetischen Sounds durchsetzt, die vorwiegend für ein unheimliches Bassfundament verantwortlich sind. Die Musik bietet keinerlei Überraschungen, bewegt sich in den völlig ausgetretenen Bahnen eines rein standardisierten Horror-Scorings. Neben einem düster-romantischen Hauptthema werden allein die üblichen bei Penderecki entliehenen Cluster-Effekte in den Streichern aufgefahren, um den Horror zu illustrieren. Durch „Mark und Bein gehende“ Klänge stehen nicht auf dem Programm, dem Schrecken wird musikalisch eher dezent, in Form unheimlicher, brodelnder Atmosphäre, Ausdruck verliehen.

Fans dürften ob der Blässe des Gebotenen eher enttäuscht werden. Insofern taugt die CD m. E. in erster Linie für Young-Komplettisten und diejenigen, die ein klingendes Souvenir zum Film wollen. Für alle anderen ist das Album eher entbehrlich. Wertungsmäßig ist es an dieser Stelle etwas schwierig dem Album gerecht zu werden. Sicherlich ist das Gebotene nicht einfach „schlecht“ gemacht, und rein handwerklich gesehen, wären hier schon drei bis dreieinhalb Sterne vertretbar. Es widerstrebt mir allerdings, das unterm Strich eher ermüdende Hörerlebnis mit einer (wenn auch nur kleinen) Empfehlung auszustatten.

Titel: The Grudge
Erschienen: 2004

Laufzeit: 42:11 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse
Kennung: VSD-6623

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 10.06.2005 | von Michael Boldhaus

Carnivàle

Carnivàle Michael Boldhaus
Bewertung

Carnivàle

Jeff Beal, der auf Cinemusic.de erst kürzlich mit seiner soliden Musik zur TV-Serie Monk einen respektablen Einstand gab, ist dieses Mal mit seinen Kompositionen zu einer weiteren, dieses Mal zu einer Mystery-TV-Serie zu hören: Carnivàle. Die offenbar mit übernatürlichen Phänomenen durchsetzte Handlung ist angesiedelt in den 1930ern in den USA, den Jahren der tiefen Depression. Nach den spärlichen Informationen aus Bildern und Mini-Text im Begleitheft zu urteilen, tragen die Mitglieder einer Schaustellertruppe den archetypischen Kampf „Gut gegen Böse“ mit dunklen Mächten aus.

Jeff Beals Score sorgt im eher ermüdenden Varèse-Einerlei der letzten Monate für eine mittlere Sensation. Seine Musik zu Carnivàle überrascht mit einigem Einfallsreichtum und einem gerüttelten Maß an klanglicher Vielseitigkeit. Folkloristisches mit recht ausgeprägtem Südstaaten-Touch — dank vielfachem Einsatz des Banjos — kontrastiert mit zum Teil düster-sakralen Chören und Minimalismen. Das Ganze ist durchsetzt mit klangbezogenen, an Thomas Newman erinnernden Teilen. Neben Gitarre, E-Gitarre, Akkordeon, Harmonium, elektronische Orgel, Synthesizer wirken auch einzelne nicht in den USA heimische Instrumente, wie das Duduk, dezent im Klanggeschehen mit. Zusammengehalten wird die geschickt aus Synthetik, Samples und akustischen Klangfarben aufgebaute Komposition durch eine Reihe ansprechender, folkloristisch geprägter thematischer Gedanken. Dabei fühlt man sich mitunter ein wenig an Danny Elfmans Big Fish erinnert. Alles funktioniert derart gut zusammen, dass über die insgesamt rund 60 Albumminuten kaum Langeweile aufkommt.

Titel: Carnivàle
Erschienen: 2004

Laufzeit: 60:07 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse
Kennung: VSD-6627

Komponist(en):

Schlagworte:


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