CD

Veröffentlicht am 21.04.2003 | von Michael Boldhaus

Studs Lonigan

Studs Lonigan Michael Boldhaus
Bewertung

Studs Lonigan • Kein Stern geht verloren (1960) ist die vierte Spielfilmkomposition aus der Werkstatt von Jerry Goldsmith. Goldsmith schulte seine Fähigkeiten in der ersten Hälfte der 50er Jahre als Komponist und Dirigent für Radioprogramme von CBS und machte sich bis zum Ende der Dekade bereits einen Namen als Komponist für eine Vielzahl von Fernsehserien, wie Twilight Zone. In diesen frühen Jahren schärfte Goldsmith seinen Sinn für Klangökonomie in Vertonungsprojekten mit zum Teil minimalen Musik-Budgets. Sein außerordentliches Talent zeigt sich in der raffiniert-virtuosen und zugleich klangsinnlich-effektvollen Nutzung der mitunter sehr kleinen Besetzungen. (Auch Bernard Herrmann begann in den 30er Jahren mit Hörspielmusiken und schrieb in den 50ern – bereits als Star-Filmkomponist – ebenfalls Musik für verschiedene Fernsehproduktionen, unter anderem auch für besagte Twilight Zone.)

In Studs Lonigan (1960) geht es um den Reifungsprozess eines Jugendlichen in den USA der „Roaring Twenties“. Die Musik belegt, dass schon damals kein filmmusikalisches Greenhorn zu Werke gegangen ist. Die Sparsamkeit im verwendeten Instrumentarium erinnert an seine Fernsehvertonungen. So gibt es hier bereits die warme typische Goldsmith-Americana und ebenso straffe, besonders markante Jazzanklänge, die mitunter ein wenig an Vergleichbares von Alex North erinnern, und stark an Kurt Weill gemahnende Teile. Ebenfalls bemerkenswert ist das in einigen Tracks ein wenig broadwayhaft Tänzerische. Letztgenanntes und insbesondere die Kurt Weills Musik der „Dreigroschenoper“ in Erinnerung rufenden Passagen sind im Goldsmithschen Œuvre eine absolute Rarität. Originell am Rande: Die Klavierpassagen bestreitet John Williams. In „Destitute Man“ zeigt der junge Goldsmith, dass er durchaus in der Lage ist, auch mit dem vollen Orchester packend dramatische Klänge zu erzeugen, und das in der zweiten Hälfte ertönende Trompetensolo lässt sogar ein wenig Chinatown (1974) vorausahnen. Als Bonus bietet die CD eine leicht differierende Version des Main Title aus dem Privatarchiv des Komponisten.

Rund 29 Minuten Musik aus Studs Lonigan erschienen bereits auf dem Tsunami-Label in Form einer rund 72-minütigen CD, gekoppelt mit Suiten aus The Flim Flam Man und Stagecoach. Im Vergleich dazu klingt die Varèse-Club-CD zwar merklich klarer und damit besser, steht aber mit gerade mal 35 Minuten Laufzeit im Preis-Leistungsverhältnis doch recht unbefriedigend da.

Titel: Studs Lonigan
Erschienen: 2002

Laufzeit: 35:16 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse
Kennung: VCL 1102 1016

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 21.04.2003 | von Michael Boldhaus

Our Man Flint/In Like Flint

Our Man Flint/In Like Flint Michael Boldhaus
Bewertung

Our Man Flint • Derek Flint schickt seine Leiche (1966) und In Like Flint • Derek Flint – hart wie Feuerstein (1967) waren die Antworten der 20th Century Fox auf den anhaltenden Erfolg der James-Bond-Welle, die mit Goldfinger (1964) einen ersten Höhepunkt erreicht hatte. James Coburn verkörpert den Superagenten Derek Flint und zieht in beiden Filmen die wichtigen Stilelemente der Filme um Geheimagent 007 genüsslich und spritzig durch den Kakao.

Dem Hörer begegnet hier sicher keine große Kinosinfonikdie zu den Filmen nicht gepasst hätte –, sondern eine stark dem Pop sowie dem Jazz und auch den Big-Band-Standards angenäherte Komposition. Was insgesamt leicht zu einer nur nett-belanglosen Angelegenheit hätte werden können, zeigt beim eingehenderen Hören deutliche Qualitäten und besitzt einigen Charme. Der Witz der beiden Agentenkomödien spiegelt sich in Jerry Goldsmiths leichtgewichtigenaber trotz unüberhörbarer 60er-Jahre-Pop-Manierismenpfiffig und liebevoll gemachten Musikuntermalungen wider. In den Song-Einlagen und manchen soften Streicherpassagen ist der Mancini-Touch unüberhörbaraber zugleich spürt man in den Spannungsmomenten auch einen Hauch von Herrmann. Es gibt nett eingestreute folkloristische Klangelemente (z. B. Balalaika, Akkordeon und Mandoline), die hübsch, oftmals sogar raffiniert mit Elektrogitarren und Thomas-Orgel, sehr solide eingearbeitetem Jazz und mitunter auch romantischen Streichersounds kombiniert werden. Hierbei swingt es des Öfteren und das sehr nett, wobei die beteiligten Jazzmusiker einen hörbar guten Job verrichteten. Insgesamt eine vergnügliche und vielseitige Hörangelegenheit.

Goldsmith arbeitet nicht nur ansprechend mit seinem Flint-Thema, er verarbeitet auch geschickt Original-Zitate, wie aus Peter Tschaikowskys Ballett „Schwanensee“ und ebenso die berühmte „Kosaken-Patrouille“. (Letztere ist kein Volkslied, sondern eine aus Lew Knippers 4. Sinfonie entlehnte volkstümliche Melodieein Stück „Sozialistischer Realismus“, das als Lied bearbeitet schnell populär wurde.) In einigen Spannungsmomenten erzeugt der Komponist mit Hilfe natürlicher Instrumente ungewöhnliche elektronisch anmutende Sounds. In vielem spürt (hört) man förmlich den Spaß, den er offenbar mit den Derek-Flint-Projekten gehabt hat und unterm Strich ist’s auch hier klar und eindeutig Goldsmith.

Our Man Flint/In Like Flint, ebenfalls bei Varèse erschienen, ist erfreulicherweise zum Normalpreis erhältlich und zusammen mit dem ordentlichen Booklet eine gute und preisgünstige Edition mit sehr gutem Klang.

Titel: Our Man Flint/In Like Flint
Erschienen: 1998

Laufzeit: 64:58 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse
Kennung: VSD-5935

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 21.04.2003 | von Michael Boldhaus

The Prize

The Prize Michael Boldhaus
Bewertung

The Prize • Der Preis (1963) ist ein Agententhriller in Hitchcock-Manier mit einer beachtlichen Filmmusik, die – auch abseits der schon rhythmisch-dynamischen, gekonnt auf eine turbulente Filmhandlung einstimmenden Vorspannmusik – Interessantes zu bieten hat. Da gibt es komödiantisch angehauchte Klänge (Mickey-Mousing inklusive), und in den soften Sweet-Music-Teilen ist eine sinfonisch angehauchte, poppig-orchestrale Unterhaltungsmusik zu hören, die an Henry Mancinis Arbeiten z. B. zu Breakfast at Tiffany’s (1961) erinnert.

Ganz besonders bemerkenswert sind in The Prize aber die hervorragend gestalteten Action- und Spannungsmusiken, in denen mit zum Teil äußerst sparsamer Besetzung packende Klänge und Effekte erzeugt werden. Es zeigt sich eine klar hör- und damit nachvollziehbare Entwicklungslinie, die über Morituri (1965) und The Sand Pebbles (1966) bis zu Planet of the Apes (1968) reicht. Trotz Eigenständigkeit ist dabei die Nähe zu Bernard Herrmann unüberhörbar. Das ungewöhnliche Hörnerglissando, als Motiv für den Killer, dürfte wohl ebenfalls von Herrmann inspiriert sein, nämlich von der Musik zu On Dangerous Ground (1951), wo eine Gruppe von sogar acht Hörnern eine bedeutsame Rolle spielt.

Die FSM-Edition von The Prize ist das besondere Sahneschnittchen des vorgestellten CD-Triples. Neben dem vollständigen Score von rund 48 Minuten erhält König Kunde noch obendrauf: sämtliche Source-Cues, die speziell für den Film eingespielt wurden. Außerdem sind noch die vier Stücke vertreten, die Goldsmith seinerzeit als eine (übrigens gelungene) knapp 9-minütige Suite für einen MGM-LP-Sampler neu einspielte. (The Prize und die ebenfalls 1963 entstandene Musik zu Lilies of the Field waren die ersten Goldsmith-Filmmusiken, die überhaupt auf Tonträger veröffentlicht worden sind.)

Auch die rein musikalisch insgesamt „nur“ netten Source-Cues sind trotzdem nicht belanglos. Es handelt sich um im Unterhaltungsmusik-Stil der Zeit (von Komponisten wie André Previn) komponierte Stücke (siehe hierzu auch The Stripper), die dem an Details Interessierten tiefere (Hör-)Blicke hinter die Kulissen ermöglichen. Und neben zum Teil adaptiertem Material gibt es auch mal originelles Recycling aus dem MGM-Archiv zu hören: hier das Hauptthema von Bronislaw Kaper und Ned Washington aus Green Dolphin Street (1947), das dieses Mal nur in der Hotelbar als Hintergrundmusik dient.

Fazit: Bei allen drei CDs handelt es sich um wertvolle Beiträge zur Dokumentation filmmusikalischer Zeitströmungen der 60er Jahre. Abseits vom Nostalgischen bieten sie hochinteressante (Hör-)Einblicke in die Entwicklung eines der ganz besonders bedeutenden Filmkomponisten des Silver Age: Jerry Goldsmith.

Bei den FSM-Editionen gilt, dass die Veröffentlichungen spielzeitmäßig fast immer sehr gut, oftmals sogar randvoll, bestückt sind. Als Gegenwert für sein Geld wird dem Kunden möglichst viel (sinnvoll kombiniertes) Musikmaterial, inklusive fast ausnahmslos erstklassig ausgestatteten, hoch-informativen Begleitheften geboten. In diesen Punkten allerdings lässt die hinter den Varèse-Club-Ausgaben stehende Geschäftspolitik bislang jedoch noch einiges zu wünschen übrig.

siehe auch Jerry Goldsmith: The Man from U.N.C.L.E. und I Spy

Titel: The Prize
Erschienen: 2002

Laufzeit: 76:21 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 5, No. 16

Komponist(en):

Schlagworte:


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