CD

Veröffentlicht am 25.11.2003 | von Michael Boldhaus

The Story of Ruth

The Story of Ruth Michael Boldhaus
Bewertung

Henry Kosters Inszenierung von The Story of Ruth • Das Buch Ruth (1960) gehört zu den Bibel- und Sandalen-Epen, die nicht erst heute eher blass und wenig ansehnlich wirken. Dies gilt jedoch keineswegs für Franz Waxmans erstklassigen musikalischen Beitrag. Seine Komposition für die alttestamentarische Story gestaltete er arbeitstechnisch vergleichbar mit seinen Musiken zu Demitrius and the Gladiators und The Virgin Queen. Auch in The Story of Ruth steht Spätromantisch-Melodisches neben Modernistischem und ebenso modern (nicht Rózsa-typisch) wirken die archaisierenden Passagen. Auch hier zeigt sich der Komponist einmal mehr als moderner Tonsetzer und zugleich als Bindeglied zu Alex North.

Waxman setzt auf einige Blasinstrumente, die exotisches Flair für die im Nahen Osten angesiedelte Handlung erzeugen, wie die Shofar, das näselnde jüdische Widderhorn, sowie das heutzutage kaum noch bekannte Sarrusophon. Das Orchester enthält neben 3 Klavieren und 6 Hörnern eine mit 9 Spielern (stark) besetzte und mit exotischem Instrumentarium durchsetzte Schlagwerk-Sektion. Der Score wird auf der romantischen Ebene durch ein hymnisch-breites, sehr einprägsames Haupt-Thema für den titelgebenden Charakter bestimmt. Dem gegenüber stehen in erster Linie knappe Motive und exotisch anmutende, oftmals dissonante Harmonien und ebenso modernistisch-herbe Effekte und Klangkombinationen. Einigen Stellen verlieh Waxman besonderen Reiz durch den Einsatz der klangschönen Viola d’amore, einem selten verwendeten Streichinstrument des 18. Jahrhunderts, dem bereits Bernard Herrmann in On Dangerous Ground (1951) eine wichtige Rolle zugewiesen hatte. Ebenfalls erwähnenswert sind die besonders reichhaltigen Cello-Soli, welche die Musik zu The Story of Ruth in die Nähe eines Solokonzertes rücken.

Übrigens, Joseph L. Mankiewicz war von Waxmans Tonschöpfung zu The Story of Ruth sehr beeindruckt und wollte ursprünglich den Komponisten für die Vertonung von Cleopatra gewinnen. Die markant-aberwitzigen Umstände und die damit verbundenen andauernden Verzögerungen bei dieser Großproduktion führten aber schließlich dazu, dass North den Job erhielt …

Die in April und Mai 1960 erstellten Stereo-Tonmaster haben die Zeitläufe relativ gut, aber nicht ohne spürbare Alterung überstanden. Alles in allem kann der Waxman-Interessierte aber mehr als nur zufrieden sein. Abgesehen von ein paar kurzzeitigen, geringfügigen Tonhöhenschwankungen erklingt die Musik weitgehend klar und sauber, in nur leicht wattiertem Stereo-Sound.

Gegenüber der rund 58-minütigen Tsunami-CD (in ordentlichem Mono) bietet die aktuelle Varèse-Club-Ausgabe des Scores nicht nur knapp 12 Minuten mehr Musik, sondern auch eine Demo-Version des im Film nicht verwendeten „Song of Ruth“. Gegenüber dem sehr bescheidenen Begleitheft der Tsunami-Ausgabe, vermag das von Varèse zusätzlich zu punkten. Christopher Husted sorgte hier für einen informativen, wenn auch etwas sehr auf den Film fokussierenden Text. Damit ist die Varèse-Club-Edition für den Waxman-Freund praktisch unverzichtbar.

Titel: The Story of Ruth
Erschienen: 2003

Laufzeit: 74:10 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse
Kennung: VCL 0803 1024

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 25.11.2003 | von Michael Boldhaus

The Wonderful Country/The King and Four Queens

The Wonderful Country/The King and Four Queens Michael Boldhaus
Bewertung

Zwei willkommene Exkurse ins Genre des Westerns von Alex North (siehe auch Bite The Bullet). The Wonderful Country • Heiße Grenze (1959) ist in erster Linie durch die eindrucksvolle Farbfotografie erwähnenswert. Ansonsten handelt es sich bei den Abenteuern eines von Robert Mitchum verkörperten Revolverschützen im mexikanischen Grenzgebiet um einen eher durchschnittlichen Film. Mit das Beste des Films ist die Musik von North, der seine gewohnten komplex-modernistischen Klangschichtungen hier nur dezent einsetzt. Der Komponist setzt hier besonders auf die Klangfarben mexikanischer Folklore in Kombination mit eingängigen Themen. Neben einigen dramatischen Momenten präsentiert sich der Score überwiegend als eine Art betont lyrischer und leichtgewichtiger Variante von Viva Zapata (1952).

The King and Four Queens • Poker mit vier Damen (1956), auch unter dem Titel Heißer Süden gezeigt, ist ein zur Komödie tendierendes Verwirrspiel eines Ganoven, der sich bemüht, Ma Mc Dade und ihren vier Töchtern die Beute eines Bankraubes abzujagen. Sowohl für Regisseur Raoul Walsh (High Sierra, They Died with Their Boots On) als auch für den männlichen Hauptdarsteller Clark Gable zählte der Film zu den letzten Arbeiten für Hollywood.

Der eröffnende „Main Title“ ist tänzerisch und rhythmisch temperamentvoll, kommt fast wie Musik zu einem modernen Ballett oder auch an einen Galopp (aber nicht von Johann Strauss Sohn) erinnernd daher. Darauf folgen eher ruhige, besonders stark folkig anmutende Klänge. Hier bekommt der interessierte Hörer besonders melodisch-eingängige Americana-Sounds, elegant Komödiantisches und ebenso Mickey-Mousing im North-Stil geboten.

Die Tonmaster beider Filmmusiken entstammen dem Privatarchiv des Komponisten. Die Musik aus The Wonderful Country entspricht nicht allein dem Schnitt der alten United-Artists-LP, darüber hinaus erklingen erstmals vier weitere Stücke – rund 14 Minuten zusätzliche Musik. Dies alles in ordentlichem, aber nicht besonders aufregendem, vielmehr etwas blassem, die LP in Erinnerung rufendem Stereo-Klang. Erstmalig auf Tonträger zugänglich ist der Score zu The King and Four Queens. Die rund 47-CD-Minuten erklingen in klarem und recht knackigem Mono.

Musikalisch und kompositorisch werden hier 4 Sterne erreicht. North-Musik auf Tonträger bedeutet immer ein gewisses Wagnis für den Produzenten. Im Zusammenwirken mit dem informativen und ansprechend gemachten Booklet halte ich als Albumwertung 4 ½ Sterne für angebracht.

Das beigegebene Booklet wartet mit eingehenderen Infos zu den Filmen und ihren Musiken auf. Der Booklet-Text zu The Wonderful Country ist bemüht, Licht ins Dunkel der – vom LP-Schnitt überlieferten – teilweise fehlerhaften Trackbezeichnungen zu bringen.

Titel: The Wonderful Country/The King and Four Queens
Erschienen: 2003

Laufzeit: CD-1 40:31 Min. <br> CD-2 47:23 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse
Kennung: SRS 2016

Komponist(en):

Schlagworte:


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