CD

Veröffentlicht am 03.10.2003 | von Michael Boldhaus

Ivanhoe

Ivanhoe Michael Boldhaus
Bewertung

Komponieren im Kettenhemd: Miklós Rózsa vertont Ivanhoe und Die Ritter der Tafelrunde

Bereits im Jahr 1949 begannen die Vorarbeiten für Ivanhoe • Ivanhoe – Der schwarze Ritter (1952) nach dem Roman von Walter Scott; ein Film, der geradezu zum Paradebeispiel für das (im weitesten Sinne) mittelalterliche Ritter-Leinwandspektakel geworden ist. Um eine überzeugende Atmosphäre zu erhalten, wurde das Film-Epos in MGMs britischem Studio-Komplex, in Boreham Wood bei London produziert. Es wurde dabei nicht gekleckert: Unter der Regie des versierten Routiniers Richard Thorpe agierte nicht nur Metros damalige Starriege, auch die Sets, Kostüme und Waffen sind aufwändig rekonstruiert und sorgfältig gestaltet. So kamen echte Kettenhemden (anstatt der üblicherweise verwendeten billigen Feinstrick-Ware) und ebenso dutzende der seinerzeit gefürchteten Lang-Bogen zum Einsatz.

Die sorgfältigen Recherchen zur historischen Authentizität bereichern den Film ganz besonders. Höhepunkt ist die faszinierend in Szene gesetzte, rund eine viertel Stunde dauernde „Schlacht um Torquilstone Castle“. Hierfür war eine detailgetreue Rekonstruktion einer Festung im Stil des 12. Jahrhunderts erforderlich, was knapp zwei Jahre erforderte. Ebenso überzeugend gelungen sind die Kostüme mit entsprechend der Zeit besonders prächtigem Aussehen (edle Muster und Verzierungen) sowie kräftigen, aber nur vereinzelt leuchtenden Farben, welche der Bekleidung der herrschenden Klasse vorbehalten sind. Die Kleidungsstücke des einfachen Volkes und des Bürgertums hingegen sind entweder in Erdtönen (Ocker-, Brauntönen u.s.w.) oder in eher gedeckten Farben gehalten. All dies sowie die überzeugenden Innendekors, die prachtvollen Turniere und Schwertkämpfe hat der britische Kameramann Freddie Young hervorragend eingefangen. Young machte Ivanhoe so zu einem Prunkstück der langsam zu Ende gehenden 3-Streifen-Technicolor-Ära.

Ivanhoe überzeugt aber auch durch eine durchdachte und weitgehend stimmig inszenierte Story. Vergleichbar mit dem Vorgehen beim 1959er Ben-Hur (nach der Romanvorlage von Lew Wallace) ist auch für die Ivanhoe-Verfilmung die arg weitschweifige Handlung des Scott-Romans geschickt entschlackt, auf das Wesentliche konzentriert und damit flüssiger und besser gemacht worden.

Für MGM und damit auch für Miklós Rózsa hatte die „Historische Serie“ spätestens nach Madame Bovary (1949) mit Quo Vadis (1951) begonnen. Im Gegensatz zur sehr bruchstückhaften Quellensituation bei der Musik der Antike konnte Rózsa mittelalterliche englische und französische Musik ausgiebig studieren und begann damit bereits Anfang des Jahres 1951. Er hat die in den Archiven gesammelten Musikbeispiele in Teilen als Basis für die Themen seiner Ivanhoe-Partitur genutzt. So griff er für die Eröffnung mit einführendem Off-Erzähler auf eine von Richard Löwenherz stammende Ballade zurück und beim Liebesthema von Ivanhoe (Robert Taylor) und Lady Rowena (Joan Fontaine) handelt es sich um eine freie Adaption eines alten nordfranzösischen Liedes. Sowohl die Musik der – miteinander um die Vorherrschaft rivalisierenden – Normannen als auch die der Sachsen wird in den entsprechenden Themen raffiniert gespiegelt: Das normannische Thema, das auch für Ivanhoes Gegenspieler Brian de Bois-Guilbert (George Sanders) steht, entstammt der Liedersammlung des Troubadours Guiraut de Bornrth. Und auch das Thema für die in der Filmhandlung bedeutenden Juden – hier eindringlich repräsentiert durch die schöne Rebecca von York (Elizabeth Taylor) – setzte der Komponist aus verschiedenen Fragmenten mittelalterlicher jüdischer Themen zusammen.

Die Musik zu Ivanhoe ist damit eines der vorzüglichsten Beispiele für Miklós Rózsas berühmte „Musikarchäologie“, das Bemühen ein überzeugendes klangliches Umfeld für einen historischen Filmstoff zu schaffen, geworden. Der Komponist tat dabei des Guten nie zuviel – siehe hierzu auch die Anmerkungen im Gladiator-Special. Die spätromantische Basis, den üppigen Orchesterklang verließ Rózsa eben nie wirklich und vermied es, durch eine zu starke Annäherung an die historisch möglichst korrekte Tonsprache der jeweiligen Ära, den Zuschauer zu irritieren. Vielmehr ergänzte er sein eh schon sehr markantes magyarisches Klangidiom durch Integration von Musikschemata längst vergangener Epochen und erweiterte so die Ausdrucksmöglichkeiten der Spätromantik ohne sie im Kern anzutasten. Dieser Kunstgriff verleiht seiner Musik zusätzliche Kraft und durch eine pompöse Instrumentierung entsprechenden Glanz. Das stark besetzte Blech sticht mit martialisch-heroischer Klanggestik besonders hervor und das klangliche Resultat wird in der Wirkung noch durch die ebenfalls verstärkte Schlagzeug-Batterie äußerst effektvoll gesteigert.

Brilliante Beispiele hierfür sind die Rózsa-typischen archaischen und zugleich festlichen Fanfaren für Turniere oder sonstige Anlässe und ebenso die ausgefeilten Untermalungen der Schlacht-Tableus. Wie Rózsa schrieb, bereitete ihm das Auskomponieren dieser Teile einige Mühe – dazu eine, die meist nicht honoriert wird. Die Resultate können sich in jedem Fall hören lassen: sowohl mit als auch ohne Film! Eine ungemein atemberaubende und mitreißende Musik, die in kontrapunktischer wie polytonaler Behandlung von Themen und Rhythmik die Handschrift eines großen (Film-)Komponisten verrät.

Ivanhoe erlebte seine Premiere am 12. Juni 1952 in London und wurde anschließend an den Kinokassen weltweit ein überwältigender Erfolg. Sowohl Kameramann Freddie Young als auch Miklós Rósza wurden für Ihre Leistungen für den Oscar nominiert. Und damals wie heute rief der Einzelerfolg eine Serie von ähnlich gelagerten Filmen ins Leben. Columbia nahm den heute weitgehend vergessenen The Black Knight • Unter schwarzem Visier (1954) in Angriff, 20th Century Fox produzierte Prince Valiant • Prinz Eisenherz (1954), Warner King Richard and the Crusaders • Der Talisman (1954), Universal The Black Shield of Falworth • Der eiserne Ritter von Falworth (1954) sowie Allied Artist The Dark Avenger • Der schwarze Prinz (1955).

(Im Letztgenannten wird gar eine Kopie der Schlacht um Torquilstone Castle geboten, die allerdings trotz CinemaScope deutlich weniger eindringlich wirkt. Ivanhoe ist bis heute das Beste geblieben, was die Kinoleinwand zum Thema Ritterromantik in verschwenderischer Ausstattung zu bieten hat.)

Titel: Ivanhoe
Erschienen: 2002

Laufzeit: 59:04 Minuten

Medium: CD
Label: Rhino
Kennung: RHM 2 7772

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 03.10.2003 | von Michael Boldhaus

Knights of the Round Table (+ The King’s Thief)

Knights of the Round Table (+ The King’s Thief) Michael Boldhaus
Bewertung

Selbstredend, dass MGM nicht geneigt war, der Konkurrenz das Feld allein zu überlassen. So wurde der bewährte Richard Thorpe eilig nochmals ins Rennen geschickt und King Arthur and the Round Table vorbereitet. Umgetitelt in Knights of the Round Table • Die Ritter der Tafelrunde kam der Film 1953 als MGMs erste Produktion im anamorphotischen Breitwandverfahren CinemaScope und entsprechend mit 4-Kanal-Magnet-Stereoton ausgestattet in die Kinos.

Im Vergleich mit Ivanhoe vermögen Die Ritter der Tafelrunde jedoch merklich weniger zu überzeugen. Sie sind insgesamt ein doch mit spürbar heißer Nadel gestrickter Kintopp, der über eine Reihe von Schauwerten nicht hinausgelangt. Die vielschichtige Arthus-Legende ist auf Comic-Niveau zusammengestutzt, dabei puritanisch vom Inzestuösen gereinigt und außerdem ein gutes Stück entmystifiziert: Merlin ist hier kein Zauberer. Die rund 116 Film-Minuten präsentieren sich als naive, dabei aber keineswegs billig gemachte Hollywood-Unterhaltung. Dank der überzogen knalligen Buntheit der Kostüme ist der Streifen zwar hübsch anzuschauen, sticht aber von den sorgfältigen (historisch wesentlich korrekteren), eher dezenten und trotzdem detailfreudigen Farbkompositionen in Ivanhoe deutlich ab. Und ähnlich unbekümmert gibt sich die schlicht-banale, auf Action getrimmte Story, wobei die Schlachtszenen noch am interessantesten sind. (Die Aktion mit den Brandpfeilen in der Schlacht gegen die Pikten – römische Bezeichnung für ein frühgeschichtliches, kriegerisches Volk im schottischen Hochland – wirkt gar ein wenig wie ein Vorbild für Gladiator.)

Als Schauspieler wurde erneut Robert Taylor (Lancelot) verpflichtet. Mel Ferrer verkörpert König Arthus und Ava Gardner seine Frau Queen Guinevere. Die Rolle des Schurken Modred übernahm der Waliser Stanley Baker, der rund 10 Jahre später als Co-Produzent das „Welsh-Epic“ Zulu in Szene setzte.

Richard Thorpe (1896-1991) gehörte zu den Regisseuren, bei dem die Produzenten vor unliebsamen Überraschungen, wie Überschreitung von Zeitplanung und Budget, relativ sicher waren. Er war sogar derart effizient und schnell, dass er den Spitznamen „One Take“ erhielt. In der Regel setzte er pro Jahr zwei bis drei Filme in Szene. Und Thorpe enttäuschte die Studio-Bosse auch dieses Mal nicht. Die Dreharbeiten starteten (wieder in England) in der 2. Juni-Woche 1953 und die Galapremiere konnte trotzdem noch im selben Jahr, am 22. Dezember in Hollywoods Egyptian Theatre stattfinden. Und am 7. Januar des Folgejahres wurde der Film in der New Yorker Radio Music Hall auf gigantischer Scope-Bildwand gezeigt.

Im Gegensatz zu Ivanhoe, wo Miklós Rózsa bereits frühzeitig (Anfang 1951) in das Projekt integriert war, stieß er dieses Mal erst Anfang Oktober 1953 (!) hinzu. Um den für Weihnachten angekündigten Premierentermin von Fox’ Prince Valiant noch unterbieten zu können, blieben ihm für die Komposition der rund 80-minütigen Musik – inklusive der Einspielung – gerade mal 6 Wochen! Darüber war Rózsa alles andere als begeistert und musste eindringlich zum Mitmachen überredet werden. Auf den musikhistorischen Studien zu Ivanhoe fußend – über die Musik aus der Arthus-Zeit (6. Jahrhundert) ist kaum etwas bekannt – gewährte er sich dieses Mal größere Freiheiten. So griff er für die religiösen Momente der Story auf Klangfärbungen aus der Musik des Mittelalters und der Gregorianik zurück.

Wer nun aber bei der Musik zu Knights of the Round Table einen musikalischen Ivanhoe-Nachzieher erwartet, wird nicht allein angenehm überrascht, sondern dürfte vielmehr vergleichbar begeistert sein. Es ist geradezu erstaunlich, wie inspiriert und sorgfältig der Maestro zu Werke ging. Auch hier entdeckt der Hörer eine Reihe prägnanter Themen, die in einen vergleichbar prachtvollen musikalischen Fluss integriert sind. Allein ein Thema und zusätzlich noch ein fanfarenartiges Motiv charakterisieren Ritter Lancelot. Zwei breit melodische Liebes-Themen prägen den Score und außerdem gibt es ein edles Thema für Parsifal, ein ebenso markantes Schurkenmotiv (für Modred) und auch mystisch-geheimnisvoll Klingendes (mit Chor-Vokalise) für die Vision des heiligen Grales – wobei hier sowohl ein wenig Quo Vadis anklingt als auch Ben-Hur vorweggenommen wird. Und dass auch hier die breit auskomponierten Action-Passagen in der gewissenhaften und geschickten Machart denen in Ivanhoe nicht nachstehen, ist für Rózsa wohl fast schon selbstverständlich. Im Gegensatz zu den beiden deutlich unterschiedlich wertvollen Filmen hat der Komponist für Die Ritter der Tafelrunde, trotz der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit, eine gleichwertige Musikuntermalung geliefert: eine geradezu grandiose Leistung.

Die Aufnahmesitzungen begannen bereits, bevor die Komposition vollständig abgeschlossen war. John Green, Chef des MGM Music Departments, sprang ein und Miklós Rózsa hörte Probe via Telefon …

Kurioserweise entstand etwa zur gleichen Zeit in England nochmals eine vollständige Einspielung der Filmmusik unter Muir Mathieson, um die sich eine Reihe zum Teil widersprüchlicher Informationen und Vermutungen ranken. Diese diente schließlich zur Vertonung der parallel zur CinemaScope-Version separat aufgenommenen Fassung im klassischen Normal-Format für noch nicht umgerüstete Kinos. Teile der Mathieson-Einspielung erschienen auf dem Varèse-Label zuerst 1980 auf einer LP und später auch als CD. (Den doppelten Dreh eines und desselben Films in zwei Bildformaten, war eine Extravaganz, die sich Hollywood nur in der Anfangsphase von CinemaScope erlaubte.)

Im Umfeld von Die Ritter der Tafelrunde produzierte MGM The King’s Thief • Des Königs Dieb (1955), einen kleinen unterhaltsamen Swashbuckler der B-Kategorie, für den Rózsa ebenfalls eine sehr hübsche, wenn auch etwas weniger groß geratene Musik geschrieben hat – siehe hierzu auch die Infos zur tickertape-CD von 1999.

Die Filmmusiken auf CD

Eine Suite aus der Originaleinspielung zu Ivanhoe erschien bereits in den 50er Jahren auf dem hauseigenen MGM-Label (in Mono) auf LP zusammen mit Suiten aus Madame Bovary und Plymouth Adventure. Charles Gerhardt legte 1975 als erster einen Ausschnitt der Musik in Stereo vor: die rund fünfminütige, gut aus Material der Partitur zusammengestellte Premieren-Ouvertüre auf „Spellbound – The Classic Film Scores of Miklós Rózsa“.

Das 2002 auch hierzulande veröffentlichte Doppel-CD-Album „Miklós Rózsa at MGM“ enthält sowohl Musik der Original-Einspielungen zu Ivanhoe (rund 20 Minuten) als auch zu Knights of the Round Table (rund 12 Minuten).

Titel: Knights of the Round Table (+ The King’s Thief) (Die Ritter der Tafelrunde)
Erschienen: 2003

Laufzeit: CD 1: 70:32 Min.<br>CD 2: 78:24 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 6 No. 7

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 03.10.2003 | von Michael Boldhaus

Ivanhoe

Ivanhoe Michael Boldhaus
Bewertung

Im Jahr 1994 hat Brouce Broughton mit der Sinfonia of London für das Label Intrada eine sowohl interpretatorisch wie klanglich sehr gute, umfassende Neueinspielung des Scores zu Ivanhoe vorgelegt. Das Jahr 2002 brachte auf dem Rhino-Label erstmals eine (fast) komplette Ausgabe des Originals. Beide Alben haben ihre Meriten. Wer auf Vollständigkeit entscheidenden Wert legt und auch wer grundsätzlich die Original-Einspielung besitzen möchte, kommt an der sehr sorgfältig editierten Rhino-CD nicht vorbei. Diese wartet mit sehr ordentlichem klarem Mono-Sound auf – die ursprünglichen Stereo-Magneton-Filmmaster existieren nicht mehr. (Ein Fehler befindet sich im Tracklisting auf der Rückseite der CD-Box, das einen Track zuwenig nennt. Die Auflistung auf der vorletzten Seite des sehr informativen Booklets hingegen ist mit ihren 27 Track-Titeln korrekt.)

Die Intrada-Version kommt mit sehr sattem und transparentem Stereo-Klang daher. Infolge anderer Abmischung klingt die Neueinspielung schon merklich anders ausbalanciert und nuanciert als das Original. Bruce Broughton dirigiert dynamisch, geht aber mit etwas langsameren (jedoch keinesfalls zerdehnenden) Tempi zu Werke, so dass auf den ersten Blick nicht auffällt, dass die Intrada-CD trotz rund drei Minuten längerer Spielzeit etwa fünf Minuten weniger Musik-Material enthält. Es handelt sich hierbei im Wesentlichen um das Material folgender Stücke der Rhino-Edition: „Isaac of York“, „Bois Guilbert’s Passion“ sowie den „Epilogue“.

Auf der Rhino-CD fehlen gegenüber der Filmfassung mindestens zwei weitere Fanfaren – eine beim Ashby-Tournier und eine beim Gottesgericht. Darüber hinaus sollen sich im MGM-Archiv noch einige weitere – wohl alternative – Fanfaren befinden, die ebenfalls nicht den Weg auf das Album gefunden haben. Die Intrada-Version ist gegenüber der Rhino-Fassung noch etwas fanfarenärmer geraten: Broughton spielte nur zwei der Tournier-Fanfaren ein, dafür enthält allein seine Einspielung eine Passage der den finalen Zweikampf beim Gottesgericht begleitenden archaischen Paukenschläge.

(Dies sei hier aber mehr der Vollständigkeit halber angemerkt: Ich will keinesfalls wegen ein paar fehlender kurzer Fanfaren oder auch etwas fehlendem – keineswegs entscheidenden – Musikmaterial den Wert der beiden Editionen relativieren oder gar überhaupt in Zweifel ziehen!)

Die Broughton-Neueinspielung hat, obwohl etwas weniger vollständig, besonders klangliche Vorzüge. Wer für eine interpretatorisch tadellose Stereo-Neuaufnahme des Scores in einer „substanziell“ vollständigen Fassung offen ist, der geht hier keineswegs fehl. Und auch wer vielleicht nur eine der beiden Ivanhoe-Editionen haben möchte und dabei eben möglichst optimale Klangtechnik wünscht, ist mit dem Intrada-Album gut beraten. Das Booklet ist ebenfalls recht informativ gehalten, aber insgesamt etwas sparsamer ausgestattet.

Eine nicht allein editorische Glanzleistung ist das FSM-Doppel-CD-Album mit den vollständigen Musiken zu Knights of the Round Table und The King’s Thief. Die CD-1 präsentiert den vollständigen Score der Filmversion von Knights of the Round Table und CD-2 im rund 22-minütigen Anhang (zu The King’s Thief) alternative Versionen einiger Cues sowie von Rózsa komponierte Source-Music. Besonders erwähnenswert ist hierbei der gerade bei den Rittern außergewöhnlich gute Zustand der immerhin rund 50 Jahre alten Stereo-Tonmaster, die sogar durchgehend geradezu fantastisch klingen: Es darf schon als ein echter Glücksfall bezeichnet werden, dass sich das Original dieser brillanten Filmmusik in derart hervorragender Qualität erhalten hat.

Zusammen mit der ebenfalls sehr hörenswerten Musik zu The King’s Thief erhält der Käufer insgesamt rund 150 Minuten guten bis hervorragenden Rózsa und das (mit 24,95 $) zu einem fairen Preis. Das Booklet ist (wie üblich) recht üppig bebildert, wobei allerdings das Bildmaterial zu Knights of the Round Table so unscharf und grobkörnig aussieht, als sei es von mittelmäßiger VHS-Kassette kopiert worden. Zu den verschwommenen Hintergründen der oben genannten Muir-Mathieson-Einspielung finden sich allerdings keinerlei klärende Informationen: eine verpasste Chance. Im Übrigen liefert der Booklet-Text (wie gewohnt) willkommene detaillierte Infos zu den einzelnen Musikstücken und auch zur Produktion der Filme. Die ticker-tape-Ausgabe von The King’s Thief bleibt dabei in der Aufzählung bisheriger (auch auszugsweiser) Veröffentlichungen ungenannt. Das ist schon dubios – immerhin handelt es sich dabei um eine hierzulande immerhin legale, wenn auch (da nicht offiziell lizensiert) nicht sauber legitimierte Veröffentlichung.

Nicht zuletzt wegen des Spektakels um das damals neuartige CinemaScope war auch Knights of the Round Table an den Kinokassen so erfolgreich, dass Richard Thorpe nochmals einen Film realisieren sollte, in dem ritterliche Tugenden eine gewichtige Rolle spielen; und auch Robert Taylor war in der Titelrolle ein weiteres Mal mit von der Partie. Mit Quentin Durward • Liebe, Tod und Teufel (1955) setzten Thorpe und Taylor zugleich den Schlusspunkt einer Trilogie über Aufstieg (Knights of the Round Table), Blüte (Ivanhoe) und Niedergang (Quentin Durward) des Rittertums. Bronislaw Kapers schöne Musik zum Letztgenannten wäre ein weiterer Kandidat für eine entsprechend liebevolle FSM-Veröffentlichung. Alles in allem kann der Freund von nicht allein der Musik Miklós Rózsas mit der Bilanz des Jahres 2002 und auch der des laufenden mehr als nur zufrieden sein.

Dank an Reinhard Kröner, der sich nicht allein die Mühe machte, beide Ivanhoe-Einspielungen detailliert miteinander zu vergleichen, sondern auch einige wertvolle Anregungen beigesteuert hat.

Titel: Ivanhoe
Erschienen: 1994

Laufzeit: 61:51 Minuten

Medium: CD
Label: Intrada
Kennung: MAF 7055D

Komponist(en):

Schlagworte:


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