CD

Veröffentlicht am 31.03.2001 | von Michael Boldhaus

The Film Music of William Alwyn, Vol. 2

The Film Music of William Alwyn, Vol. 2 Michael Boldhaus
Bewertung

Die nicht allein filmmusikalischen Verdienste des britischen Komponisten William Alwyn (1905-1985) sind auf Cinemusic.de erstmalig im Juni 2000 (siehe „Klassische Britische Filmmusik I“) gewürdigt worden. Das Chandos-Label hat nun der seinerzeit vorgestellten Filmmusik-Kompilation eine Volume 2 folgen lassen. Die neue, mit rund 78 Minuten nahezu randvolle CD setzt weniger auf das Dramatische – wie noch Volume 1 -, sondern fokussiert stärker auf das leichter Zugängliche im filmmusikalischen Œuvre Alwyns, was aber keineswegs für kompositorisches Mittelmaß steht.

Geboten werden Musik-Auszüge aus insgesamt zehn Filmmusiken, wobei aus dreien nur recht kurze Einzelstücke vertreten sind. Dies sind neben der dramatisch-düsteren, effektvollen Titelmusik zu A Night to Remember • Die letzte Nacht der Titanic (1958) zwei speziell für die betreffenden Filme (vergleichbar mit Citizen Kane) komponierte glanzvolle und ausdrucksstarke Opernarien: „Take my Life“ aus Take my Life • Das rettende Lied (1947) sowie „Libera me“ aus Svengali (1954).

Von den sieben verbleibenden (längeren) filmmusikalischen Suiten bildet die humorvolle zum Swashbuckler The Crimson Pirate • Der rote Korsar (1952) den schwungvollen Auftakt der CD. Der prächtige Piratenfilm von Robert Siodmak nimmt innerhalb des Genres eine Sonderstellung ein. Ungewöhnlich ist, dass der Handlung einige fantasyhafte Elemente hinzugemixt sind. Zusätzlich nimmt sich der sehr humorvolle Film in vielem kräftig selbst auf die Schippe. William Alwyns übermütige, vor melodischen Einfällen und Witz geradezu sprühende Musik – auch das bekannte Shanty „What Shall We Do With the Drunken Sailor“ ist raffiniert eingearbeitet – ist in Form einer knapp 8-minütigen Suite vertreten, die einige Lust auf mehr macht.

Zwei Beispiele für Alwyns Vertonungen von Kriegs-Dokumentarstreifen finden sich ebenfalls. Zum einen in der pastoralen Stimmung von Green Circle • Grüngürtel (1941), einer reizvoll auskomponierten kleinen sinfonischen Dichtung zu einem Kurzfilm, der die Londoner Bevölkerung dazu animieren sollte, sich die Grüngürtel der Stadt nutzbar zu machen, um die schwierige Versorgungslage mit frischem Gemüse zu verbessern. Zum anderen in der Musik zur War-Documentary Desert Victory (1943), die den britischen Sieg über Rommels Afrika-Korps schildert. Die 5-sätzige Suite bietet ein recht breites Stimmungs-Panorama: Elgar-like heroisch-pathetische Marschklänge mit Fanfaren aber auch eine Tarantella für großes Orchester.

The Card • Die Unwiderstehliche (1952) ist die charmant-witzige Vertonung einer sehr britischen Alec-Guinness-Komödie. Eine wichtige Rolle in der humorvoll-spritzigen und sehr melodischen Musik übernimmt eine Klarinette, deren Klänge dem Protagonisten der Handlung zugeordnet sind. Zu The Winslow Boy • Der Fall Winslow (1948), einem Gerichtsdrama mit Happy-End, schuf der Komponist eine atmosphärisch dichte und würdevolle Musik mit triumphalem Finale.

Alwyns dritte und letzte Vertonungsarbeit für Disney ist In Search of the Castaway • Die Abenteuer des Käpitän Grant (1962), eine Abenteuerunterhaltung für die ganze Familie. Bei den vertretenen zwei Stücken handelt es sich um speziell für den Film komponierte Source-Musik; es erklingen ein melodiös-schwungvoller Walzer sowie eine lebhafte, pfiffig mit exotischem Klangkolorit versehene Rumba.

Den Abschluss der CD bilden rund 12 Minuten aus der Musik zu State Secret • Staatsgeheimnis (1950). Die Musik zu diesem Politthriller umspannt walzermäßige, zirkushafte und martialisch-dramatische Klänge.

Das vorliegende Volume 2 von William Alwyns Filmmusiken des Chandos-Labels liegt in den zwischenzeitlich sehr bewährten Händen der BBC-Philharmonic unter Rumon Gamba, und der rührige Philip Lane hat sich um die Rekonstruktion der überwiegend verschollenen Partituren sehr verdient gemacht. Den beiden Opernarien verleiht die Sopranistin Susan Bullock mit ihrer markanten und geschmeidigen Stimme überzeugenden Ausdruck; in „Libera me“ aus Svengali (1954) wird sie vom Kammerchor „Canzonetta“ gelungen unterstützt. Es gibt nichts Klang- oder auch Spieltechnisches zu bemängeln. Ein sehr schönes und dazu gut fließendes, überwiegend melodieorientiertes Höralbum, das musikalisch vergleichbar ist mit der kürzlich erschienenen cpo-CD „Benjamin Frankel: Music for the Movies“ und das einen vergleichbar hohen Repertoirewert besitzt.

Hier gibt es eine Übersicht der bisher besprochenen Chandos-Movies-CDs.

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Titel: The Film Music of William Alwyn, Vol. 2
Erschienen: 2002

Zusatzinformationen: BBC Philharmonic, Ltg.: Rumon Gamba
Laufzeit: 77:29 Minuten

Medium: CD
Label: CHANDOS MOVIES
Kennung: CHAN 9959

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