CD

Veröffentlicht am 02.05.2001 | von Michael Boldhaus

The World, the Flesh and the Devil (tickertape)

Zwei aktuelle Veröffentlichungen klassischer Hollywood-Filmmusiken aus dem Hause „Ceraton music“ (www.ceraton.com) in Hamburg.

The World, the Flesh and the Devil

Die schon beachtliche Reihe ordentlich editierter CDs (bislang insgesamt sieben CDs; siehe hierzu auch Plymouth Adventure sowie Madame Bovary) mit Filmmusiken von Miklós Rózsa hat Zuwachs erhalten: Soeben ist die vollständige Musik zur 1958er – after the Bomb – Endzeitstory The World, the Flesh and the Devil • Die Welt, das Fleisch und der Teufel erschienen. Den (wohl wenig ergiebigen) Film, der sich thematisch ein wenig an den berühmten Roman „Das letzte Ufer“ anlehnt, haben weder ich noch einer meiner Bekannten und Freunde bislang zu Gesicht bekommen.

Von der Musik kannte ich bislang nur ein rund vierminütiges Fragment, das auf dem 1985er Varèse-Album „The Music of Miklós Rózsa“ vorliegt – neu eingespielt vom dem Utah Symphony Orchestra unter Elmer Bernstein. In diesem Werk, das den dunkleren Tonschöpfungen seiner Film-Noir-Musiken verwandt ist, ist ein teilweise routinierter Umgang mit dem Musik-Material deutlich spürbar. So finden sich für verschiedene Situationen der Filmhandlung (z. B. Spannungsmomente wie Verfolgungsjagd usw.) musikalisch sehr ähnlich ausgeführte Lösungen auch in anderen Rózsa-Scores. Hierzu muss allerdings gesagt werden, dass sich derartige Baukasten-Schemata in der Musik sämtlicher Film-Komponisten aufzeigen lassen. Hier zeigt sich eine (zumindest in Teilen) standardisierte Arbeitsweise, der sich ein (üblicherweise) unter starkem Zeitdruck arbeitender Filmkomponist (damals wie heute) selten entziehen kann. Insgesamt zeigt die jetzt erstmals vollständig vorliegende Rózsa-Komposition zu The World, the Flesh and the Devil einmal mehr, dass der Komponist auch in Vertonungen von klar zur B-Kategorie zählenden Filmen solide handwerkliche Standards nicht unterschritten hat.

Recht originell und ungewöhnlich sind die sanften an Gershwin erinnernden Jazz-Einsprengsel in Track 7. Ob hier eventuell von fremder Hand etwas Unterstützung erfolgte, kann ich nicht sagen. In jedem Fall klingt das Resultat gekonnt und ist auch eine Rarität im Œuvre von Miklós Rózsa.

Bei der vorliegenden Musik handelt es sich zwar nicht um einen Titel, den sich ein Rósza-Einsteiger unmittelbar zulegen muss. Der Fortgeschrittene jedoch, der Rózsas Filmmusik besonders schätzt und tiefer einsteigen möchte, erhält hier wertvolle und interessante Einblicke in die Komponisten-Werkstatt und damit in die – auch abseits der Großproduktionen – sorgfältige Arbeitsweise. Insofern ist die auch klanglich in vorzüglichem Stereo-Sound daherkommende CD eine willkommene Bereicherung für diejenigen, die ihren Rózsa möglichst vollständig haben möchten. Einziger (kleiner) Schwachpunkt der Edition ist das (tickertape-üblich) etwas schlicht geratene Booklet.

Titel: The World, the Flesh and the Devil (tickertape)
Erschienen: 2001

Laufzeit: 53 Minuten

Medium: CD
Label: tickertape
Kennung: tt 3018

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 02.05.2001 | von Michael Boldhaus

Captain Blood

Captain Blood Michael Boldhaus
Bewertung

Captain Blood (1935) war Warners erster großer Ausflug in das Swashbuckler-Genre in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. (übrigens: Der Film begründete die Karriere von Errol Flynn bei Warner.) Von Korngolds erster Mantel-und-Degen-Filmmusik hat das Team John W. Morgan und William T. Stromberg auf einem seiner beiden Debüt-Alben für das Marco-Polo-Label bereits 1995 eine rund 20-minütige gut zusammengestellte Auswahl vorgelegt. Anfänglich war ich bei Ankündigung der Veröffentlichung der alten Original-Lichtton-Master in Sachen Qualität doch sehr skeptisch, außerdem hielt ich die CD für weitgehend entbehrlich, da mir über das Material der neu eingespielten Suite hinaus keine interessante Musik in Erinnerung war.

In beiden Punkten bin ich angenehm überrascht worden. Die immerhin gut 76 Jahre alten Aufnahmen haben die Zeitläufe überraschend gut überstanden. Natürlich bleibt das Alter trotz (erfolgreicher) Restaurationsbemühungen hörbar, aber die Musik klingt – abgesehen von einigen kürzeren Passagen – recht frisch und weitgehend sauber. In Teilen ist der Klang in Anbetracht des Alters sogar von überraschender Durchsichtigkeit und auch Dynamik. Erich Korngold stand bei der Komposition zu Captain Blood unter extremem Zeitdruck, so dass neben eigens komponierter Musik auch Teile aus dem klassischen Repertoire adaptiert werden mussten. Diese Arbeiten hat wohl weitgehend der versierte Orchestrator Hugo Friedhofer  ausgeführt, der z. B. für das finale Duell einen Ausschnitt aus Franz Liszts Tondichtung „Mazeppa“ einarbeitete.

Obwohl also verschiedene „Fremdkörper“ enthalten sind, erweist sich die Captain-Blood-Komposition – auch in der jetzt (wohl annähernd) vollständigen Fassung – als raffiniert ausgeführte Mantel-und-Degen-Film-Musik ohne größere Durchhänger. Sie ist im korngoldschen Filmmusik-Œuvre in jedem Fall eine sehr reizvoll klingende Fingerübung für die berühmtere Komposition zu The Sea Hawk • Der Herr der sieben Meere aus dem Jahr 1940. In beiden Filmen sind die Szenen mit den Galeerensklaven musikalisch auch sehr ähnlich gelöst. In einigen Szenen des Captain Blood arbeitete der Komponist dazu besonders ausgeprägt mit dem Mittel der akustischen Verdoppelung des Gezeigten durch so genanntes „Mickey Mousing“. Hier zeigt sich deutlich die Nähe zu seinem berühmten, ebenfalls aus Wien stammenden Kollegen Max Steiner.

Besonders bemerkenswert ist, mit welchem Elan Erich W. Korngold beim Dirigieren zur Sache ging. Insbesondere die Action-Szenen werden mit geradezu atemberaubenden Tempi vom gut disponierten Warner-Orchester gemeistert. Dazu erweisen sich die schon hier besonders strahlend erklingenden (typischen) Korngold-Fanfaren von der gleichen edlen Sorte wie die in The Sea Hawk. Derartiges wurde eindeutig ein klingendes Vorbild für John Williams in seinen StarWars-Musiken.

Unterm Strich bleibt damit für die – auch als ansprechende Picture-Disc gestaltete – CD eine eindeutige Empfehlung. Einzig das Booklet hinterlässt (s. o.) einen etwas blassen Eindruck.

Die inzwischen auf dem Markt erschienene offizielle Version von The World, the Flesh and the Devil auf FSM ist nicht allein klanglich ein Stückchen besser, sondern sticht die tickertape-Fassung besonders durch das sorgfältig editierte Booklet aus.

Titel: Captain Blood
Erschienen: 2001

Laufzeit: 63:56 Minuten

Medium: CD
Label: Tsunami
Kennung: TSU 0141

Komponist(en):

Schlagworte:


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