Lesen

Veröffentlicht am 07.09.2001 | von Michael Boldhaus

Film und Musik

Die im deutschen Sprachraum immer noch sehr dünn gesäten Publikationen zum Thema Filmmusik erhalten Verstärkung aus Wien: „Film und Musik“, herausgegeben von Regina Schlagnitweit und Gottfried Schlemmer beim Synema Verlag (Gesellschaft für Film und Medien). Der Band ist der Tagungsband mit den als Manuskript vorliegenden Vorträgen des gleichnamigen Symposiums, das im österreichischen Theatermuseum Palais Lobkowitz in Wien vom 28. bis 30. April 1995 stattgefunden hat.

Im weitesten Sinne behandeln die ausgewählten Vorträge die komplexen und facettenreichen Phänomene des Zusammenspiels von Musik und Laufbild. Allerdings, die gewählte Sprache und Ausdrucksweise kann nicht populärwissenschaftlich genannt werden. Insofern ist das Buch für den filmmusikalischen Einsteiger nur mit Einschränkungen geeignet und wendet sich in den wissenschaftlich abstrakt formulierten Passagen eher an den mit der Materie schon etwas eingehender Vertrauten.

In den enthaltenen Aufsätzen spiegeln sich zahlreiche Verflechtungen wieder, die im Wechselspiel von Musik und Film Bedeutung haben. So gibt es z. B. „Anmerkungen zum klassischen Hollywood-Filmscore“, Lesenswertes zu den legendären Hollywood-Musicals in „Streng musikalisch. Eine Revue zum Singen und Tanzen“, Zeitgenössisches in „Musik und Geschichte im neuen deutschen Film“, Infos zur Wechselwirkung von Rockmusik und Film in „Rock’n Movie. Roll over Godard“, etwas zur Modernität der Filmmusiken Herrmanns in „Eine neue musikalische Form schaffen. B. Herrmann und der Hollywood-Filmscore“, aber auch Interessantes zur musikalischen Konzeption in den Filmen des berühmten Regisseurs Stanley Kubrick in „Flux Aterna. Stanley Kubrick in der musikalischen Leihanstalt“. Insgesamt bietet der Band eine vielseitig orientierte und aufschlussreiche Lektüre für Film- und Filmmusikbegeisterte, die sich vom teilweise etwas abstrakten, spezifisch musikwissenschaftlichen Ansatz der Texte nicht abschrecken lassen wollen (und sollten).

Titel: Film und Musik
Erschienen: 2001

Laufzeit: 160 Seiten

Medium: Buch
Verlag: Synema (Gesellschaft f. Film u. Medien), Wien
Kennung: ISBN 3-901644-07-5

Schlagworte: ,


Lesen

Veröffentlicht am 07.09.2001 | von Michael Boldhaus

Lexikon Film- und Fernseh-Synchronisationen

Ein ungewohntes Filmbuch ist Thomas Bräutigams „Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation“. Erstmals liegt damit eine Publikation vor zum Thema: Wer leiht welchem fremdsprachigen Schauspieler seine Stimme in welchem Film.

In den das Buch einleitenden, mit rund 30 Seiten zwar knappen, aber recht informativen Allgemeininfos gibt es neben einem historischen Abriss, Bemerkungen zum Für und Wider sowie zu Technik und Kunst des Synchronisierens. Im eigentlichen Lexikonteil finden sich stichwortartige Informationen zu etwa 2000 Filmen und Fernsehserien und im Anhang Kurzbiografien zu besonders wichtigen Vertretern des Genres.

Dass hiermit nur ein Schwerpunkte setzender Einblick vermittelt werden kann, also keinesfalls (auch nicht ansatzweise) Vollständigkeit erreicht werden kann, ist zwangsläufig und damit verzeihlich. Darunter fällt auch, dass in den als besonders wertvoll hervorzuhebenden Kurzbiografien (überwiegend sogar mit Bild) fast ausschließlich auf die stimmtechnisch besonders markante „alte Garde“ fokussiert wird. Weniger verständlich sind hingegen eine Vielzahl von Fehlern in den biografischen Daten der Synchronsprecher und insbesondere merkwürdige Lücken und Fehler selbst in den gelisteten berühmten Film-Klassikern. Hierzu einige Beispiele: Doktor Schiwago, Julie Christie (Lara) wird von Eva Pflug und nicht von Renate Küster gesprochen; dafür fehlt im 1959er Ben-Hur der Name Jürgen Goslar, der Stephen Boyd (Messalah) seine Stimme geliehen hat. Kurioserweise sind zu Hitchcocks Vertigo keinerlei Infos zur deutschen Erstaufführung enthalten, sondern ausschließlich zur Fernseh-Neufassung von 1984. Dass dazu die Besetzungslisten nur sehr unvollständig aufgeführt werden, ist ebenfalls nicht gerade eine Stärke der Publikation.

Thomas Bräutigams „Lexikon der Film- und Fernsehsynchronisation“ macht also im Augenblick einen etwas zwiespältigen Eindruck. Grundsätzlich ist das Buch aber sehr willkommen, ein Schritt in die richtige Richtung, der bei einer Neuauflage ergänzt und eingehend überarbeitet werden sollte. Trotz der Einschränkungen wartet der Titel mit einem passablen Preis-Leistungsverhältnis auf.

Titel: Lexikon Film- und Fernseh-Synchronisationen
Erschienen: 2001

Zusatzinformationen: 18,90 € (D)
Laufzeit: 500 Seiten

Medium: Buch
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Kennung: ISBN 3-89602-289-X

Schlagworte:


Nach oben ↑

Pin It on Pinterest