CD

Veröffentlicht am 07.12.2000 | von Michael Boldhaus

Star Wars: Episode I – The Phantom Menace (Ultimate Edition)

Star Wars: Episode I – The Phantom Menace (Ultimate Edition) Michael Boldhaus
Bewertung

Special-Übersicht

Da ist sie also, die sogenannte „Ultimative Edition“ des John-Williams-Scores zu The Phantom-Menace auf zwei CDs mit rund zwei Stunden Spieldauer. Trotz des eher an Halloween-Horror erinnernden Cover-Motivs dürfte diese Ausgabe für viele Freunde der Musik von John Williams ein besonderer Leckerbissen sein. Es hat an anderen Stellen bereits Debatten, über die Art und Weise gegeben, wie das neue Album produziert worden ist. Ob man hier nicht von den ursprünglichen Studio-Einspielungen, sondern von einem bereits für die endgültige Filmschnitt-Fassung bearbeiteten Master ausgegangen ist, kann ich nicht eindeutig beurteilen. Im übrigen dürfte die jetzt vorliegende Fassung die einzige offizielle Veröffentlichung des – zumindest weitgehend – vollständigen Scores sein und wohl auch für längere Zeit bleiben.

John Williams konzipiert die CD-Veröffentlichungen seiner Filmmusiken in der Regel als „Höralben“, welche die Musik in Teilen in (mit behutsamer Hand) veränderter Gestalt präsentieren. Im Interesse eines optimalen akustischen Eindrucks einer vom (Film-)Bild gelösten Filmmusik kann es durchaus zweckmäßig sein, die Reihenfolge der Stücke zu ändern, Teile des Materials zu größeren Musik-Komplexen zu vereinen, aber auch einen schönen (szenisch bedingt knappen) musikalischen Gedanken auszukomponieren. Die Resultate überzeugen bei Williams in der Regel, da er auch die Konzert-Versionen in filmnahen Orchester-Arrangements belässt – man denke hier nur an den gelungenen so genannten „Star Wars Main Title“, der mit seinen mehr als fünf Minuten Spieldauer wohl das am häufigsten gespielte Konzert-Stück aus der Star-Wars-Trilogie geworden ist.

Stellt man alte und neue Edition von The Phantom Menace einander gegenüber, so muss man sagen, dass auch der Solo-CD-Schnitt nicht übel geraten ist, aber die neue verlängerte Fassung insgesamt doch ein Stück mehr überzeugt. Es wird nicht allein bislang unveröffentlichtes reizvolles Musikmaterial geboten, auch die bereits bekannten Themen und Motive erklingen in vielfältigeren Variationen. Da die Musik in der neuen Zusammenstellung dazu auch noch sehr gut fließt, gerät das Album zu einem überaus ansprechenden Hörerlebnis.

Das vor etwa einem Jahr zur Erstveröffentlichung Geschriebene kann ich auch heute überwiegend so stehen lassen. Vielleicht ist die These von „den neuen klanglichen Welten“ doch ein wenig zu hoch gegriffen, ein sehr gelungener Score mit neuen Akzenten ist The Phantom Menace für mich aber nach wie vor. Das der Musik schon damals Attestierte wird durch das zusätzliche Musik-Material noch unterstrichen: Die Komposition erweist sich als vielschichtiger und damit ein gutes Stück reicher; das jetzt noch ausgeprägter Filigrane, die vielfältigeren und breiteren Chorpassagen und auch die schönen Lyrismen verleihen der Langversion eindeutig zusätzliche Reize. Aber auch einige kleine bombastische Perlen sind erstmalig vertreten: z.B. die Fanfare zum „Pod Race“ und das kurze „Hail to the Winner“. Origineller als in der Star-Wars-Trilogie wirken hier auch die bislang unbekannten recht raffiniert gestalteten „folkloristischen Stücke“. Einen großen Anteil an der guten Wirkung auf den Hörer hat die geschickte Instrumentierung, die dank einer sehr guten Aufnahmetechnik bis ins Detail durchhörbar ist.

Zu den Schwachpunkten der neuen Ausgabe zählt das zwar aufwändig bebilderte, aber leider keine Texte zur Musik enthaltende Booklet. Die Art der Präsentation – als sogenanntes „Digipack“ – vermag mich ebenfalls nicht voll zu überzeugen. Die Box ist eine recht empfindliche, dreigeteilte zusammenklappbare Pappkonstruktion, wobei das Booklet mit dem ersten Teil fest verklebt ist. Dies gestattet nur ein recht unkomfortables Handling – um Beschädigung zu vermeiden ist beim Transportieren Vorsicht geboten. Beim Bonus-Track mit einer Dialogfassung von „Duel of the Fates“ handelt es sich außerdem um ein Kuriosum von zweifelhaftem Wert.

Wer die alte Einzel-CD-Version schon hat, sollte, bevor er sich davon trennt, mit der neuen Ausgabe eingehend vergleichen. Die auf der Einzel-CD zum Höralbum zusammengefassten längeren Stücke sind auf ihre Art ebenfalls nicht übel geraten und „The Flag Parade“ ist hier sogar in einer um etwa eine Minute verlängerten Konzertversion vertreten. Etwas schade bleibt, dass man der Lang-Fassung nicht einige der Konzertversionen als Alternativ-Tracks beigegeben hat – Platz genug wäre gewesen.

Fazit: Zwei (Versionen) von The Phantom Menace nicht auf einen Streich, sondern um rund ein Jahr versetzt. Die jetzt veröffentlichte neue Edition auf zwei CDs, unterstreicht die dem Score bereits in der Einzel-CD-Ausgabe gemachten Attribute. Trotz kleinerer Schwachpunkte verbleibt eine eindeutige Empfehlung für eine sicherlich sehr gute John-Williams-Filmmusik – trotz des leider hohen Kauf-Preises.

Titel: Star Wars: Episode I – The Phantom Menace (Ultimate Edition)
Erschienen: 2000

Laufzeit: CD 1: 57:29 Minuten / CD 2: 67:06 Minuten

Medium: CD
Label: Sony
Kennung: S2K 89460

Komponist(en):

Schlagworte:


CD Star Wars: Episode I

Veröffentlicht am 19.08.1999 | von Michael Boldhaus

Star Wars: Episode I – The Phantom Menace

Star Wars: Episode I – The Phantom Menace Michael Boldhaus
Bewertung

(Erst-Rezension vom August 1999)

Die Ausgangsposition des neuen Star-Wars-Films Die tödliche Bedrohung ist ein origineller Anachronismus. Die Filmhelden sind seit dem Erscheinen des ersten Star-Wars-Films im Jahr 1977 kräftig verjüngt, z. B. Darth Vader als Boy Annakin oder noch gar nicht existent wie Luke Skywalker. Die Helden des Scores hingegen, John Williams und das Londoner Sinfonieorchester, sind um 22 Jahre älter geworden, was zur Folge hat, dass bei den Aufnahmen vom Team der Ersteinspielung nur noch rund ein Dutzend Spieler dabei waren.

Besagter Anachronismus hat die Aufgabe an den Komponisten, für die Filmhandlung eine adäquate Musik zu schreiben, zweifellos nicht gerade erleichtert, war aber zugleich auch eine interessante Herausforderung; so, als hätte Richard Wagner im Nachhinein noch eine Reihe von Opern als Einleitung für seine berühmte Ringtetralogie komponieren müssen. Um es vorweg zunehmen: John Williams hat diese Aufgabe mit Bravour gelöst.

Die CD startet mit der bekannten Star-Wars-Fanfare, die in der Abspannmusik ebenfalls noch einmal kurz auftaucht, da diese Signatur-Charakter hat. Bekannte Themen wie das für „Die Macht“ und ihr böses Gegenstück „Das Imperium“ begegnen dem Hörer ebenfalls wieder. Eine zentrale Rolle in der Partitur spielt die neue Musik für Annakin Skywalker („Annakin’s Theme“), die in vielen Musikpassagen geschickt verarbeitet wird. Es ist ein kindhaft schlichtes und edles, aber auch verzweigtes Streicherthema – damit kein unmittelbarer Ohrwurm. Die tiefe Schönheit der Musik für den komplizierten Charakter des späteren Darth Vader, der hier noch ein unschuldiger, mit außergewöhnlichen Fähigkeiten ausgestatteter Knabe und Jedi-Ritter in spe ist, erschließt sich erst bei mehrmaligem Hören. Mit etwas Übung kann man im Ausklang des Themas dann aber auch den späteren Darth Vader des berühmten düsteren „Imperial March“ schon dezent vorausahnen. Eine Art positives Gegenstück hierzu gibt es in „The Flag Parade“, dem Vorspiel zu einem großen Rennen á la Ben Hur. Das Thema für Jar-Jar Binks, klingt wie eine kindlich-spielerische Version des bekannten Jabba-Motivs aus den Jedi-Rittern, wohl nur eine zufällige Ähnlichkeit. Bemerkenswert ist der gegenüber der Trilogie erheblich bedeutungsvollere Einsatz von Chören. „Passage through Planet Core“ bringt mit seinen sanften Frauenstimmen einen Hauch von Close Encounters herüber, „Duel of The Fates“ ist ein kraftvolles, an Orffs Carmina Burana erinnerndes Stück für großen gemischten Chor und Orchester: In der Star-Wars-Trilogie hat es kein Gegenstück. Dramatisch und packend auch das Requiem in „Qui-Gon´s Funeral“. Dieser Track ist ein schönes Beispiel für die Eleganz von John Williams motivischer Feinarbeit: Wie hier wichtige Themen – Annakin, die Macht, das Imperium, Joda – Revue passieren, ist faszinierend anzuhören. Dass auch die Orchestrierung exzellent ist, sei hier nur der Vollständigkeit halber angemerkt. Neuartig ist auch, dass weitab von den Jubelfinali der Trilogie mit Annakins Thema erstmals sehr ruhige und dunkle Ausklingen der Musik eines Star-Wars-Films: Hier ein musikalischer Hinweis auf die noch in weiter Ferne liegende düstere Zukunft.

Insgesamt ist die Musik von John Williams, trotz genug Action, deutlich weniger martialisch, ja filigraner angelegt und damit auch ein bisschen weniger bombastisch, als die bekannten Musiken der Trilogie, ohne aber deswegen an Kraft einzubüßen. Darin liegt wohl auch die Enttäuschung mancher Fans begründet, denen die Musik der Star-Wars-Trilogie beim Anhören des neuen Scores wohl doch etwas zu stark im Gedächtnis verhaftet war: Den Hörer aber, der bereit ist, sich auf Veränderungen einzulassen, erwarten vielversprechend klingende fruchtbare Musiklandschaften ferner Welten.

Die 74 Minuten Spieldauer der CD entsprechen der Laufzeit der früheren Doppel-LP-Alben, sind also sicherlich ein sehr repräsentativer Querschnitt aus den insgesamt für den Film komponierten rund zwei Stunden Musik. Das sowohl Orchesterspiel und Dirigat vorzüglich sind, ist beim Einsatz derartiger Spitzenkräfte nicht überraschend. Der sehr positive Gesamteindruck wird durch die transparente Aufnahmetechnik noch unterstrichen.

Fazit: Musikalisch gilt für den Star-Wars-Score zur Episode I: Die dunkle Bedrohung, das Motto des 1977er Films Eine neue Hoffnung im übertragenen Sinn, diese heißt nun: John Williams.

Titel: Star Wars: Episode I – The Phantom Menace
Erschienen: 1999

Laufzeit: 71:38 Minuten

Medium: CD
Label: Sony
Kennung: SK 61806

Komponist(en):

Schlagworte:


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