John Wayne als Flüchtlingsretter in Warners Der gelbe Strom (1955) in CinemaScope
Blood Alley ∗ Der gelbe Strom zählt zu den relativ wenigen Abenteuer-Filmen, die John Wayne mal nicht als Westernheld präsentieren. Hier verkörpert der Duke vielmehr Tom Wilder, einen Kapitän der amerikanischen Handelsmarine. Wayne fungierte aber zugleich mit seiner frisch gegründeten Firma Batjac als Produzent des Films und teilte sich die Regiearbeit mit William A. Wellman.
Die amerikanische Arzttochter Cathy Grainger (Lauren Bacall) sorgt dabei schon ein klein wenig in Manier von African Queen dafür, dass die Einwohner eines chinesischen Dorfes, welches die Unterdrückung durch die Roten abschütteln will, Geld sammeln um Wilder, den die Rotchinesen inhaftiert haben, durch Bestechung zur Flucht zu verhelfen. Natürlich schafft die Lady es letztlich auch, ihn für ein lange geplantes, gefährliches Unternehmen zu gewinnen: Die recht spannend inszenierte Flucht durch die Wasserstraße von Formosa ins seinerzeit noch unter britischem Mandat stehende Hongkong und damit in die Freiheit! Tom Wilder wird hierfür aber keineswegs der Skipper eines Traumschiffs, sondern vielmehr eines altersschwachen Raddampfers aus dem vorherigen Jahrhundert.
Bemerkenswert ist darüber hinaus für den Filmmusikfreund noch ein kleines Juwel in Form der gekonnt auf pseudo-asiatisches Klangkolorit konzipierten Filmvertonung von Roy Web, der mit dem Vater der Tonfilmmusik, Max Steiner, eng befreundeten war. Obwohl Webb im Umfang vergleichbar produktiv war, ist er auch heutzutage immer noch erheblich weniger bekannt als Steiner, der die wesentlich prominenteren Filme betreute. Aus demselben Grund ist von seinen Kompositionen bislang leider auch nur ganz wenig zugänglich — siehe dazu „Roy Webb: The Cat People, Music for the Films of Val Lewton“.
Der gelbe Strom im Doppelpack: in HD auf Blu-ray und in SD auf DVD
Der hier vorliegende Transfer ist identisch mit der US-Warner-Archive-Collection-Blu-ray-Ausgabe aus dem Jahr 2017. Von Plaion Pictures wird der Titel als Mediabook mit BD und DVD an Bord sowie einem 24-seitigen, fest eingefügten Begleitheft mit informativem Text von Christoph N. Kellerbach geliefert.
Bild und Ton
WarnerColor, das war in den 1950er Jahren Warner Bros.’ Markenname für Eastmancolor. Die Restaurierung des kurzlebigen, bekanntermaßen wenig farbstabilen Eastmancolors ist aufgrund erheblicher, materialbedingter Probleme ein hochkomplexes technisches Unterfangen. Eastmancolor-Negative aus den 1950ern sind meist stark verblasst, wobei insbesondere die Gelbeinlagerungen durch Zersetzung verloren sind, was die gesamte Farbbalance zerstört. Farbkorrekturen erweisen sich als besonders schwierig und kostenaufwändig.
Das breite Scope-Bild in 1: 2,55 von „Blood Alley“ ist ein gutes Beispiel für die großen Restaurationsprobleme bei Neutransfers, die beim Warner-Color-Prozess infolge starker Ausbleichung der Vorlagen auftreten. Was die Restaurationstools in puncto Farbwiederherstellung erreicht haben, ist ohne klaren Bezug zur korrekten Farbgebung schwierig zu sagen. Das etwas kühle Gesamtergebnis wird vom sich spiegelnden dezenten Himmelsblau und diversen Erd- und Ockertönen dominiert. Vereinzelt stechen auch mal Waynes rotes Halstuch, eine rote Bluse der Bacall und natürlich einige rotchinesische Flaggen etwas markanter hervor. Ansonsten sind die im Bild vereinten Farben eher unscheinbar und erscheinen dezent fahl. Der typische Braunstich sorgt hier gerade bei den vielen Erdfarben in den Szenen im chinesischen Dorf wie auch den Holztönen auf dem klapprigen Raddampfer für durchaus passable, ja sogar recht stimmig erscheinende Eindrücke. Auch der Schwarzwert ist ordentlich. Eine betont vielfältige und leuchtkräftige Farbenpracht ist weder bei den Interieurs noch der Kleidung der überwiegend einfachen, armen Leute zu erwarten. Allerdings sorgt beim nie knackscharfen, sondern eher dezent weichen Bild das häufig hinzutretende recht massive Filmkorn für zusätzliche Abstriche bei der Bildqualität, indem die Grobkörnigkeit den Eindruck von Unschärfe und Detailmangel dezent verstärkt. Dafür sind Bildschäden wie Laufstreifen oder Kratzer sorgfältig entfernt worden. Hierbei darf man nicht vergessen, dass der Versuch den Aufwand des aufwändigen mit 3x 35-mm Film arbeitenden Cinerama-Prozesses bei CinemaScope auf nur einen 35-mm-Film zu beschränken nicht zu Unrecht als „Cinerama für Arme“ galt.
Der deutsche Ton (vermutlich abgenommen von einer Lichttonspur) ist passabel, aber relativ flach. Letzteres wird insbesondere deutlich, wenn man die englische Stereo-Tonspur anwählt. Diese beruht auf dem ursprünglich analogen 4-Kanal-Magnetton (drei Kanäle vorn: L-M-R sowie ein vierter, monophoner Effektkanal) und klingt im Verhältnis erheblich klarer und frischer. Das Stereopanorama der drei Frontkanäle ist ordentlich, und zusammen mit der feinen Musik, die dank des monophonen vierten Effektkanals hübsch im Raum steht, kommt hierbei durchaus einige Freude auf. Hier ist also die englische Stereo-Tonspur der deutschen qualitativ eindeutig überlegen und, gegebenenfalls zusammen mit deutschen Untertiteln, die knackigere, eindeutig bessere Wahl. Die hinter dem Hauptmenü liegende Webb-Musik ist übrigens ebenfalls stereophon und damit ein guter Probelauf direkt zum Einstieg.
Extras:
In Sachen Boni ist neben dem Begleitheft die plaiontypische umfangreiche Bildergalerie das Interessanteste.
Fazit: Sicher besitzt Der gelbe Strom kaum das Zeug zum John-Wayne-Klassiker. Dass Wayne zwischendrin immer wieder zu einem imaginären, nicht näher erläuterten „Babe“ (in der deutschen Synchronfassung „mein Schätzchen“) spricht, mutet schon etwas nervig und albern an. Aber trotz seiner dezenten Schwächen ist die sicher auch nicht allzu ernst zu nehmende Filmstory schon sehr solide inszeniert. Das Ergebnis vermag durchaus gut zu unterhalten und ist zugleich recht spannend geraten. Damit ist dieses Plaion-Mediabook zwar nicht unverzichtbar, aber es bietet in jedem Fall kurzweilige Unterhaltung.
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