TRIP – Remix your Experience: The Music

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
28. August 2006
Abgelegt unter:
CD

TRIP — Remix your Experience: The Music

Mal etwas ganz anderes: „TRIP — Remix your Experience“! Hierbei handelt es sich um ein ungewöhnliches, komplexes, experimentelles Projekt, das verspricht Musikfilm, Multimedia- und Art-Performance in sich zu vereinen.

Entstanden unter der künstlerischen Gesamtleitung von Frank Otto und Bernt Köhler-Adams stand am Anfang eine zum Gewohnten konträre Projekt-Idee: nämlich ein Musikstück zu komponieren, das anschließend von verschiedenen Filmemachern in Filmbilder umsetzt, also „verfilmt“ wird.

Zwar ist die Grundidee, Musik zu visualisieren, nicht komplett neu, aber bislang hat man dies in erster Linie innerhalb der von den naturalistischen Gewohnheiten der Konzert- und Filmmusik geprägten Sujets und Standards getan; indem man beispielsweise „Eine Alpensinfonie“ von Richard Strauss mit entsprechenden programmatischen Motiven kombinierte (siehe dazu Klassikwanderung Nr. 8). Während derartiges das von Kino und Fernsehen Gewohnte eher klischiert unterstreicht, geht TRIP weiter, indem die im eigentlichen Sinne eher abstrakte Dimension von Musik verdeutlicht wird — das Musik oft als unmittelbar bildhaft empfunden wird, ist vielmehr „antrainiert“. Zumindest im experimentellen Charakter steht TRIP der Interpretation von Bachs „Toccata und Fuge“ im 1940er Fantasia recht nahe.

(Tony Thomas berichtet übrigens in „Music for the Movies“ welche geradezu entwaffnende Antwort der im kalifornischen Exil befindliche Arnold Schönberg bereits 1937 dem Produzenten Irving Thalberg auf die Frage gab, zu welchen Bedingungen er sich vorstellen könne für den Film zu arbeiten: „Ich komponiere eine Musik, für die sie anschließend einen passenden Film produzieren.“)

So entstand in kreativer Zusammenarbeit der beiden o. g. Projektleiter mit 12 weiteren, sehr unterschiedlichen Musikern, denen bei der Mitgestaltung große Freiräume gelassen wurden, ein partiell ebenfalls experimentelles Klangopus, eine „One-Track Symphonie“, welche Rock, Jazz und Ambient Music miteinander verschmilzt. Am Schluss der gemeinsamen Musikproduktion stand dann die Bandbezeichnung „The Element Project“. Im Anschluss begannen die Dreharbeiten zu vier Filmen, die von insgesamt 33 Regisseuren erstellt worden sind. Das Resultat ist nun ein und dieselbe Musik zu vier völlig unterschiedlichen Bilderwelten.

Wer sich darauf einlässt, der wird unter anderem auf eine Reise durch die Unterwasserwelt des Ozeans mitgenommen oder er bekommt einen dokumentarischen Bilderbogen von Hamburg bis Tahiti vorgesetzt. Außerdem erlebt der Betrachter ein interessantes Phänomen, dem die Filmemacher in den Berliner U-Bahnschächten nachspürten. Gedanken und Phantasien der Reisenden sollen sich dort nämlich verfangen und an den Wänden niederschlagen. Deren Fetzen werden in Form eines phantastischen Bilderflusses sichtbar, präsentieren sich als ein Kaleidoskop magischer Tagträume. Abschließend fordert TRIP mit „Remix your Experience“ den Zuschauer auf, durch alleiniges Anhören der Musik von der Audio-CD, eigene bildliche Assoziationen zu entwickeln.

Der Zuschauer wird durch die Begegnung mit den vielfältigen, mitunter spirituellen wie abstrakten Bildern mit den Empfindungen und Ideen konfrontiert, welche das Klangopus bei den Machern der Filme ausgelöst hat. Zur Rezeption gibt es nun grundsätzlich nicht nur eine, sondern verschiedene Möglichkeiten: Die Filme laufen zeitgleich, entweder auf vier verschiedenen Leinwänden in einem Raum oder auf je einer Leinwand in vier unterschiedlichen Räumen, die der Zuschauer durchwandert. Im Kino werden die vier Filme übrigens im Split-Screen-Verfahren präsentiert. Zusätzlich zu den vier Hauptfilmen gibt es noch acht weitere, so genannte Docutainment-Streifen als Teil der Performance zu sehen, die ursprünglich als Dokumentation des gesamten Produktionsprozesses gedacht waren. Das Publikum wird also im wahrsten Wortsinn einer vielfältigen und abwechslungsreichen Bilderflut ausgesetzt, die zweifellos genug Diskussionsstoff, auch für kontroverse Debatten liefern wird. Das gilt für die Filmmusik sicher ebenso. Wer sich später erneut mit TRIP auseinandersetzen möchte, wird dies mit Hilfe des umfangreiche Möglichkeiten bietenden DVD-Formats im Heimkinobereich im Detail tun können.

Bereits auf der Expo 2005, im japanischen Aichi, hatte TRIP Welt-Premiere und feierte am 17.08.2006 in den Hamburger Zeise-Kinos Premiere. Seitdem tourt das Event durch die gesamte Bundesrepublik. Nun ist es am Leser zu entscheiden, ob er sich vielleicht auf besagten TRIP einlassen möchte.

Weitere Infos unter: www.element-project.de

Originaltitel:
The Element Project

Komponist*in:
Diverse

Erschienen:
2005
Gesamtspielzeit:
74:21 Minuten
Sampler:
Warner Music
Kennung:
FHP 420012

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