The Power of One

Geschrieben von:
Dietrich Haas
Veröffentlicht am:
2. September 2000
Abgelegt unter:
CD

Score

(4/6)

The Power of One • Im Glanz der Sonne ist mal wieder eines der Beispiele, dass Hollywood mit brisanten Themen nicht immer gut umgehen kann. Ein Film über die Apartheid und für Rassenintegration muss mehr sein als Schwarz-Weiß-Kino. Regisseur John G. Avildson, der inzwischen mit Filmen wie Inferno in die tiefsten Niederungen des Videokommerzes gesunken ist, hätte weitaus mehr aus dem Thema herausholen können als plakatives Popcorn-Kino.

Ein elternloser Junge wächst zu Zeiten des zweiten Weltkrieges in einem Südafrika der Rassenunterdrückung auf. Lehrmeister in diesen harten Jahren sind ihm sein deutscher Großvater und ein alternder schwarzer Häftling, die dem Jungen Toleranz, die Liebe zu den Menschen und Wehrhaftigkeit beibringen. Die Darsteller geben sich redlich Mühe, allen voran Morgan Freeman und Armin Müller-Stahl, der Film ist sehr schön fotografiert und trotzdem bleibt nur Banalität zurück. Zudem ist der deutsche Verleihtitel Im Glanz der Sonne etwas unglücklich getroffen. Der Verantwortliche dachte wohl mehr an seinen letzten Kenia-Uraub, als an eine akzeptable Umformulierung des amerikanischen Originaltitels.

Einzig die Musik ragt über das Gesamtbild des Filmes hinaus. Hans Zimmer griff die Idee Avildsons auf, einen „Voices of Africa“-Score zu komponieren, der weniger durch die eigentliche Musik bestechen sollte, sondern in dem vielmehr Chöre und Einzelstimmen dominieren, welche afrikanisches Liedgut und Texte vortragen. Dieser Umstand macht den eigentlichen Reiz dieser Arbeit aus. Für Zimmer war dies sicherlich ein ziemlich ungewöhnliches Unterfangen, denn er zaubert gewöhnlich bombastische, zumeist elektronische Klangteppiche hervor und seine Arbeiten waren noch nie minimalistischer Natur. Geschickt vermischt Zimmer seinen Keyboard-Sound mit Flöten, Percussions und Gitarren, um so einen melodischen Background zu erzeugen, in dem der eigentliche Star dieser Filmkomposition, nämlich das Chorensemble, voll zur Entfaltung kommen kann. Hierfür holte er sich eine hervorragende Unterstützung. Lebo M. textete große Teile der Liedpassagen, ausgenommen die traditionnellen Gesänge, und er war auch als Solist beim Gesang selbst aktiv. Ohne seine Mitarbeit wären der Chor und Zimmers Musik sicher nicht zu solch einer homogenen Einheit zusammengeschmolzen. Gelungene Beispiele für dieses Zusammenspiel, welches der Musik mal einen fröhlichen oder auch wehmütig klagenden Charakter verleiht, sind „Penny Whistle Song“ oder auch „Of Death & Dying“. Letzteres Stück kann man, abgesehen von dem obligatorischen Popsong zum Film, dargeboten von Teddy Pendergrass, als kommerziellstes Stück der ganzen CD ansehen. Hier wird sehr gefühlsbetonte Musik vorgelegt.

Hans Zimmer griff ein paar Jahre später, The Power of One entstand 1992, dieses „Voices of Africa“-Musikthema wieder auf und verarbeitete es, diesmal aber straffer und weniger exotisch, in seinem Score zu Disneys The Lion King • Der König der Löwen (1994). Parallelen zwischen diesen beiden Arbeiten sind unüberhörbar.

Abschließend sei zu sagen, dass das Album jedem Zimmer-Fan, soweit er es nicht schon kennt und in seiner Sammlung hat, empfohlen werden kann. Alle anderen Filmusikliebhaber sollten mal ein Ohr riskieren, doch erschließt sich der ganze Charme dieser Musik erst bei mehrmaligem Hören.

Komponist*in:
Zimmer, Hans

Erschienen:
1999
Gesamtspielzeit:
47:15 Minuten
Sampler:
Elektra
Kennung:
9 61335-2

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