Tarantula

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
4. Oktober 2014
Abgelegt unter:
Blu-Ray

Film

(4.00/6)

Bild

(4.5/6)

Ton

(3/6)

Extras

(4.5/6)

Arachnophobie á la Jack Arnold: Tarantula

Der auf Zelluloid gebannte Schrecken besitzt bei Universal die längste Tradition. Das ist an sich wenig verwunderlich, waren doch die 1912 vom Schwaben Carl Laemmle (der ursprünglich Karl Lämmle hieß) ins Leben gerufenen Universal Studios die ersten Filmstudios in Hollywood überhaupt. Universals Horrorfilmtradition reicht bis in die noch stummen frühen 1920er zurück, wo mit Lon Chaney („Der Mann der 1000 Gesichter“), der in Der Glöckner von Notre Dame (1923) und Das Phantom der Oper (1925) die Titelfiguren verkörperte, Pionierarbeit geleistet wurde.

An die Blütezeit des Universal-Horrorkinos der 1930er – mit z. B. Frankenstein (1931), Dracula (1931), Die Mumie (1932) und Frankensteins Braut (1935) – folgte im darauffolgenden Jahrzehnt ein langsamer Niedergang, indem die erfolgreichen Monsterfiguren durch zum Teil aberwitzige Fortsetzungsfilme verschlissen wurden. Die 50er Jahre bescherten hingegen eine nochmalige Blüte, insbesondere durch die von Regisseur Jack Arnold (1916–1992) gedrehten bzw. beeinflussten Monster- und Science-Fiction-Filme. Im deutschen Fernsehen wurden diese auch unter der insbesondere heutzutage besonders stimmig erscheinenden Bezeichnung „phantastische Filme“ gezeigt. So sticht der von diesen Vertretern eines „klassischen Horrorkinos“ noch sehr gepflegt ins Bild gesetzte Schrecken doch so wohltuend vom oftmals betont sadistischen und auf rein physischen Ekel angelegten Splatter nachfolgender Jahrzehnte ab.

So mancher der älteren Leser dürfte in den 1980ern in den Dritten TV-Programmen vielleicht gerade anhand der pfiffigen Arnold-Streifen und damit eben auch mit Tarantula (1955) besonders nachhaltigen Eindruck hinterlassende Erfahrungen mit dem Universal-Horror der 1950er gemacht haben. Obwohl es sich bei diesen Streifen eindeutig um B-Produktionen handelt, wirken sie keineswegs einfach wie billiger Trash, versehen mit lachhaften Spezial-Effekten und miesen Sets.

Auch wenn einige Teilaspekte des Drehbuchs von Tarantula, etwa das Naturwissenschaftliche, reiner Blödsinn sind, besitzt dieser liebe- und fantasievoll umgesetzte Streifen beträchtliche Atmosphäre. Das zeigt sich unter anderem in den zwar einfachen, aber zum Großteil dennoch verblüffend hochwertigen Spezialeffekten, zudem diese ja noch gänzlich ohne Mithilfe einer Experten-Abteilung für Special Effects, sondern vom Produktionsteam selbst realisiert werden mussten. Wer die Arnold-Filme seinerzeit übers Fernsehen kennengelernt hat, der dürfte sich auch an die sehr aufschlussreichen Infos erinnern, die es im Anschluss an den betreffenden Film in knapp viertelstündigen Segmenten als „Jack Arnold erzählt“ zu sehen gab.

Mit Hilfe eines Wachstumsserums soll dem Welthunger Einhalt geboten werden. Doch die Experimente geraten außer Kontrolle. Eine behandelte, immerhin schon kaninchengroße Tarantel kann entkommen. Diese wird, da schließlich zu einem gigantischen Rieseninsekt gewachsen, für eine ganze Stadt zur Bedrohung. Durch gerade noch rechtzeitigen Einsatz von Napalm durch die Air Force kann das Monster zur Strecke gebracht werden – Clint Eastwood ist hierbei in einem seiner ersten (noch) Mini-Leinwandauftritte als Kampfjetpilot zu sehen.

Tarantula erstmalig in HD auf BD

Die Qualität der schwarzweißen Bilder ist zwar nicht perfekt, aber überwiegend gut bis sehr gut. Verschmutzungen und Bildschäden sind nur gelegentlich auszumachen. Insbesondere der gute Kontrastumfang im Verbund mit den vielfältigen Grauabstufungen und der gute Schwarzwert überzeugen, und dies verleiht dem Bildeindruck einige Frische. Schärfe und Auflösung erreichen dagegen nur passagenweise gute und sehr gute Werte, unterliegen im Übrigen sehr deutlichen Schwankungen. Die Körnigkeit schwankt deutlich, mitunter von Szene zu Szene, wobei das Bild verschiedentlich besonders grobkörnig erscheint. Das ist etwas, welches sich besonders deutlich in der 16:9-TV-Breitwandversion bemerkbar macht. Diese beruht nämlich auf einer rein elektronischen Ausschnittvergrößerung und nicht auf einer Neuabtastung des gewünschten Bildausschnitts. Vor Einstieg in das Haupt-Menü der Blu-ray wird man aufgefordert, sich zu entscheiden und entweder besagte Breitbildversion oder alternativ die Normalformatversion zu wählen.

Grundsätzlich funktioniert das Framing der auf 1:1,78 gematteten Breitbildfassung des im Jahr zwei nach Einführung von CinemaScope in die Kinos gekommenen Films schon recht gut. Störende Bildverluste durch den Beschnitt stechen nicht hervor. Allerdings erscheinen mir die Bildkompositionen der Version im klassischen 1:1,37-Akademieformat insgesamt doch etwas stimmiger und bei der Bildqualität hat diese die Nase zwangsläufig ein merkliches Stückchen vorn (s. o.). Den Ton gibt’s dazu in solidem Mono.

Beim Vergleich mit Jack Arnolds Der Schrecken vom Amazonas (1954) auf BD in der Universal-Monster-Collection-Box, zeigt dieser deutlich mehr an Schärfe und Detailzeichnung und merklich weniger Filmkorn. Dies bestärkt mich in der Annahme, dass es hier wohl doch noch Luft nach oben gibt, Koch-Media hier also entweder kein echtes HD-Master vorgelegen hat oder dem in HD abgetasteten Material eine nicht perfekte Kopie x-ter Generation zugrunde lag. Wie auch immer. Die vorliegende Blu-ray-Präsentation ist insgesamt schon sehr erfreulich geraten.

Besondere Mühe hat man sich mit der Boni-Kollektion gegeben, die natürlich auch wieder eine ansprechende Koch-Media-typische „Bildergalerie mit seltenem Werbematerial“ enthält. Neben den besonders nostalgischen beiden Super- wie Normalacht-Kurzfassungen, dem deutschen Titelvorspann sowie zwei Trailern bildet „Interview mit Jack Arnold“ klar den informativen wie auch nostalgischen Höhepunkt. Dieses 26-minütige Segment vereint nämlich zwei Folgen der o. g. WDR-Interviews „Jack Arnold erzählt“: Neben der ersten Episode, welche mit Infos zur Produktion von Tarantula aufwartet, berichtet der Regisseur in der Zweiten angeregt über die Arbeitsbedingungen im Hollywooder Studiosystem der 1950er und „heute“ (etwa zwei Jahrzehnte später) sowie seine Zukunftspläne. Das aus den noch geplanten Filmprojekten leider nichts mehr wurde, verrät ein kurzes Anhängsel, vermutlich zur Retrospektive im WDR anlässlich des 10. Todestages 2002 produziert, in dem erklärt wird, dass ein neues Monster (der weiße Hai) den alten, heutzutage kaum mehr angsteinflößenden, eher fast schon knuffigen Kandidaten den Rang abgelaufen hatte.

Fazit: Mit Tarantula hat Koch-Media jetzt auch einen der Jack-Arnold-Klassiker auf Blu-ray vorgelegt. Das Ergebnis ist bildtechnisch zwar nicht das Maß aller Dinge, aber insgesamt doch sehr beachtlich. Zusätzlich überzeugt die Boni-Sektion, welche besonders durch zwei Interview-Segmente mit Regisseur Arnold besticht, produziert vom WDR in den 1980ern. Diese Interviewauszüge als Zugabe sind eine besonders feine Sache, aus einer Zeit, in der es zwar bereits Homevideo von Kassette gab, die „Making-ofs“ unserer Tage jedoch noch völlig unbekannt waren.

Einzig die in den Internetshops zum Produkt abgebildete rote Amaray-Box hat es offenbar doch nicht in die finale Produktionsphase geschafft. Aber das dürften die meisten Käufer wohl leicht verschmerzen, auch, da das „nur“ blaue Amaray-Set im Pappschuber dank des abgebildeten originalen Plakatmotivs in jedem Fall positiv ins Auge sticht.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema Blu-ray-Disc versus DVD.

Regisseur*in:
Arnold, Jack

Erschienen:
2014
Zusatzinformationen:
Koch Media

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