September Dawn

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
11. Dezember 2007
Abgelegt unter:
CD

Score

(3/6)

Ein düsteres Kapitel der Mormonengeschichte, also der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, schlägt Regisseur Christopher Cain auf in seinem Film September Dawn. Der hierzulande wenig geläufige Vorfall zählt zu den tragischen Momenten der amerikanischen Geschichte, die mit dem Datum „11. September“ verknüpft sind. In einem entlegenen Hochtal namens Mountain Meadows im Südosten des Utah-Territoriums begingen Milizionäre der Mormonen zusammen mit aufgehetzten Paiute-Indianern im Jahr 1857 ein Massaker. Die Opfer waren die auf dem Weg nach Kalifornien befindlichen Mitglieder des Fancher-Baker-Siedlertrecks. Vergleichbar dem heimtückischen Massaker in der berühmten Lederstrumpf-Story „Der letzte Mohikaner“, wo nach der Übergabe von Fort William Henry abrückende britische Soldaten feige abgeschlachtet werden, ereignete sich ein Verbrechen, dem ca. 120 Wehrlose, darunter Kinder, zum Opfer fielen.

Im mit den obigen Ereignissen im Zusammenhang stehenden so genannten „unblutigen Utah-Krieg“ von 1858 wurde übrigens Brigham Young, religiöser Führer der Mormonen und Gründer von Salt Lake City, als Gouverneur des Utah-Territoriums abgesetzt. Dieser Figur widmete 20th-Century-Fox im Jahr 1940 den verklärenden Film Brigham Young • Treck nach Utah, zu dem Alfred Newman seinen schmissigen Brigham-Young-Marsch beisteuerte.

Was zu Christopher Cains Film September Dawn im Vorfeld zu lesen ist, lässt allerdings zu den wahren Umständen der tragischen Ereignisse um das „Mountain Meadows Massacre“ wenig Aufklärerisches vermuten. Die amerikanischen Kritiken sind mehr oder weniger ablehnend, häufig sogar total vernichtend. Ob der in den USA völlig gefloppte Film in Deutschland überhaupt in den Kinos gezeigt wird, ist derzeit noch offen. Zu den Ereignissen im Vorfeld und Nachhinein des „Mountain-Meadows-Massakers“ siehe die als Anhang aufgeführten Link-Verweise zum komplexen Hintergrund, eine hiesige Stellungnahme zum Film inklusive.

William Ross ist vielen Filmmusikhörern wohl weniger als Komponist (My Dog Skip), sondern stärker als Orchestrator und Arrangeur geläufig: z. B. für John Williams bei Harry Potter und die Kammer des Schreckens. Bei September Dawn hat er sich zu einem sehr zurückhaltenden musikalischen Kommentar entschieden, der durchweg von einem kleinen solistisch gehaltenen Ensemble ausgeführt wird. Soli von Cello, Violine, Gitarre und Klavier dominieren eine neben einzelnen warm-lyrischen Teilen von elegisch bis traurig anmutende Komposition. Unmittelbar spürbar dramatische und/oder martialische musikalische Reflexion auf das Massaker bleibt komplett ausgespart. Klanglich bekommt man eine gut anhörbare Mixtur aus dezenter Western-Americana sowie James Newton Howards träumerisch entrückt wirkender Musik zu The Village geboten.

Alles in allem erhält der Käufer ein durchaus passables Filmmusik-Album, das auch Unterhaltungswert besitzt. Freilich ersteht man „nur“ eine eher konservative denn ungewöhnliche oder gar innovative Vertonung.

Infos zum Hintergrund des „Mountain-Meadows-Massakers“:

https://en.wikipedia.org/wiki/Mountain_Meadows_massacre#Media_coverage_and_public_relations

https://www.mormonen-wissen.de/Das-Mountain_Meadows_Massaker.htm

Filmkritik:

https://www.welt.de/kultur/article1171174/Das_Massaker_am_11._September_1857.html

Dieser Artikel ist Teil unseres Spezialprogramms zum Jahresausklang 2007.

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Komponist*in:
Ross, William

Erschienen:
2007
Gesamtspielzeit:
45:11 Minuten
Sampler:
BSX Records
Kennung:
BSXCD 8830

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