Jesus

Geschrieben von:
Cinemusic.de - Team
Veröffentlicht am:
1. September 2000
Abgelegt unter:
CD

Score

(3.5/6)

Zu der großen Anzahl mehr oder weniger „werkgetreuer“ Bibelverfilmungen gesellte sich 1999 der US-Fernsehzweiteiler Jesus hinzu (in Deutschland im Ersten ausgestrahlt), mit Jeremy Sisto in der Titelrolle sowie Armin Müller-Stahl als Joseph und Jacqueline Bisset als Maria. Regie führte der vor allem vom Fernsehen her bekannte Roger Young (Magnum P.I.), der zuvor schon Joseph, Moses und Salomon inszeniert hatte.

Angel Records hat in Zusammenarbeit mit Sparrow Records zu diesem Mehrteiler gleich zwei CDs herausgebracht, nämlich eine mit dem Original Score von Patrick Williams (blaues Cover, siehe links) und eine „Music From And Inspired By“-Pop-Platte (rotes Cover). Im Rahmen dieser Rezension soll jedoch nur erstere behandelt werden.

Patrick Williams wurde 1939 geboren (ist also 7 Jahre jünger als sein Nachnamensvetter John). Im Gegensatz zu letzterem besteht ein großer Teil seines Werkes aus Kompositionen für das Fernsehen, darunter Die Straßen von San Francisco und etliche Columbo-Folgen. Auch für die oben erwähnte Bibel-Verfilmung Solomon hatte er bereits die Musik geliefert. Daneben komponierte und arrangierte Patrick Williams aber auch zahlreiche nicht-filmische Werke. Unter anderem wurde er bisher mit 3 Emmys und 2 Grammys ausgezeichnet sowie nicht weniger als 19 bzw. 10 weitere Male dafür nominiert. Auch eine Pulitzer-Preis- sowie eine Oscar-Nominierung konnte er schon für sich verbuchen, letztere 1979 für Breaking Away (wenn auch „nur“ in der Kategorie „Best Adaption or Song Score“ und nicht für den besten „Original Score“).

Williams benutzte für Jesus überwiegend ein reales Orchester (vor allem Streicher, Blechbläser und Schlaginstrumente), das er selbst dirigierte. Zwar griff er an einigen Stellen auch zu elektronischen Mitteln (vor allem in dem Stück „Satan“, der Versuchungsszene in der Wüste), doch fügen sich diese meist gut in den Gesamtklang ein und dienen nur zur Erzeugung besonderer Effekte und nicht als bloßer Ersatz für herkömmliche Instrumente. In „Temple, the early days“ setzt Williams, um die weihevolle Stimmung des Ortes zu betonen, neben hymnenartigen Bläsern auch noch eine textlose Solo-Sopranstimme ein.

Bereits ganz am Anfang der CD taucht zum ersten Mal das Hauptthema auf. Zunächst wird es, relativ ruhig, von einer Solotrompete mit Streicherbegleitung vorgetragen, ist aber im Verlauf des Scores auch in verschiedenen anderen Instrumentierungen zu hören, von der melancholischen Soloflöte bis zum kraftvollen Orchester. Insgesamt setzt Williams jedoch mehr auf die Erzeugung von Stimmungen durch bestimmte Klangfarben und Stilmittel als auf eine gründliche Durcharbeitung des Themenmaterials. Das Jesus-Motiv, mit zweimal vier Tönen zudem relativ kurz, bleibt auch nach mehrmaligem Hören der CD als einziges in Erinnerung. Das heißt allerdings nicht, dass der Score zu Jesus langweilig wäre, obwohl ich selbst mehrere Hördurchgänge gebraucht habe, um dieses Werk schätzen zu lernen. Williams’ Musik ist bei aller Stimmungsmalerei keineswegs unmelodiös, sondern schön anzuhören und durchaus abwechslungsreich – nur bleiben die einzelnen Teile eben nicht so leicht im Gedächtnis haften.

Der Score umfasst sowohl ruhig-melancholische Passagen („Joseph Dies“, „The last supper“, „Gethsemane“) als auch dramatische („Zealots“, „Walking on water“ sowie natürlich die Leidensgeschichte). Zu Beginn von „Zealots“ scheint mir übrigens das „Dies Irae“ – Motiv etwas durchzuschimmern, und in „The Crucifixion“ wird, wenn auch nur kurz, ein Thema angespielt (beginnend mit einer aufsteigenden Oktave), wie es – fast identisch – auch schon Miklós Rózsa für die Kreuzwegszenen in Ben Hur verwendet hat. Inwieweit das Zufall ist oder nicht, weiß wohl nur Patrick Williams selber …

Zusätzlich zu Williams’ Score enthält die vorliegende CD das Vokalstück „Pie Jesus“ aus dem Requiem von Andrew Lloyd Webber, gesungen von Sarah Brightman und dem Winchester Cathedral Choir unter der Leitung von Lorin Maazel. Das ruhige, etwas süßliche, aber durchaus anhörbare Stück fällt allerdings etwas aus dem Rahmen der übrigen CD heraus.

Nähere Informationen zu den beiden CDs sind übrigens auf https://www.jesussoundtrack.com zu finden; die URL der offiziellen Homepage des Komponisten lautet https://www.patrickwilliams.net.

Fazit: Patrick Williams’ Score hat sicherlich keine großen Ohrwurmqualitäten, enthält aber trotzdem eine Anzahl sehr schöner Stellen. Eine Bewertung mit 3 ½ Punkten erscheint mir daher angemessen.

Komponist*in:
Williams, Patrick

Erschienen:
2000
Gesamtspielzeit:
50:17 Minuten
Sampler:
Angel
Kennung:
7243 5 56984 2 1

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