Ivanhoe – Der Schwarze Ritter (1952): Jetzt endlich in HD und in perfekten Farben!
Ivanhoe – Der schwarze Ritter 1952 nach dem Roman von Sir Walter Scott von Richard Thorp für MGM realisiert, ist nicht bloß eine der besten klassischen Verfilmungen des Genres Ritterspektakel, sondern in meinen Augen ist es sogar der insgesamt überzeugendste klassische Ritterfilm überhaupt. Dafür steht neben der vorzüglichen Ausstattung ein sehr gutes Drehbuch das seinen überzeugenden Plot auch in gute Dialoge verpackt bereithält. Letztgenanntes gilt übrigens auch für die sorgfältige zeitgenössische deutsche Synchronfassung. Für eingehende Informationen zum Film und ebenso der herausragenden Filmmusik von Miklós Rózsa verweise ich auf den Artikel „Komponieren im Kettenhemd: Miklós Rózsa vertont Ivanhoe und Die Ritter der Tafelrunde“ aus dem Jahr 2003.
Mit der jetzt von Plaion Pictures vorgelegten, luxuriös aufgemachten Special-Edition als Digipack wird hierzu endlich eine entscheidende Lücke geschlossen. Ivanhoe zählt nämlich zu den mittlerweile wenigen Filmen der Goldenen Kino-Ära, die im TV noch besonders lange nur in recht unzulänglicher Bild- und dabei insbesondere unbefriedigender Farbqualität gezeigt worden sind. Im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen war er in dieser vorzüglichen HD-Neuabtastung erstmalig im August/September 2024 auf arte zu sehen. Das ist insofern bemerkenswert, da ich den Film bereits seit mehr als 30 Jahren, nämlich seit 1993, auf einer US-Laser-Disc habe, die auf den seinerzeit noch kleineren TV-Bildschirmen schon atemberaubend gut ausgesehen hat. Insbesondere die brillante Farbwiedergabe des als „New Technicolor Restoration“ beworbenen Produkts war schon damals bestechend.
Ivanhoe – Der Schwarze Ritter im aktuellen Digipack auf Blu-ray + DVD
Bild und Ton
Das oben bereits zur 1993er Laser-Disc Angemerkte passt prinzipiell auch zum besonders edel aufgemachten Digipack von Plaion Pictures, bei dem dieselbe HD-Version enthalten ist, die Warner Archive bereits im Dezember 2021 in den USA veröffentlicht hat. Bereits von DVD sieht das Bild selbst auf 100 Zoll Bildgröße gebeamt schon sehr beachtlich aus. Der Kontrast reicht zusammen mit dem soliden Schwarzwert sehr sauber abgestuft herunter bis zum satten Schwarz des titelgebenden „schwarzen“ Ritters. Aber auch die so typischen Farbkompositionen des 3-Streifen-Technicolors, versehen mit dem unverwechselbaren Gemälde-Touch, erstrahlen in voller Pracht. Wobei Ivanhoe zwar mit durchaus glutvoller Farbgebung, aber keinesfalls mit überzogener Buntheit aufwartet – siehe dazu den o.g. Artikel zum Film. Die HD-Version von Blu-ray sieht insbesondere im direkten Vergleich noch ein merkliches Tickchen schärfer, knackiger und brillanter aus. Nur in einzelnen kurzen Momenten wirkt das Bild auch mal etwas weich und leicht unscharf. Das gerade in der HD-Version dezent erkennbare Filmkorn sieht insgesamt naturbelassen und damit ebenfalls gut aus. Hier macht das Schwelgen in den Bildern ganz besonders viel Spaß. Vergleichbar hochwertig ist Ivanhoe hierzulande auf Video zuvor noch nicht erhältlich gewesen. Auch der Mono-Ton ist sowohl in Deutsch als auch im englischen Original vergleichbar solide, weitestgehend verzerrungsarm und klingt recht frisch, klar und auch relativ dynamisch.
Extras
Neben der üblichen Bildergalerie gibt’s diverse Trailer in deutlich schwankender Qualität, wobei diese beim englischen Original-Erstaufführungstrailer mit einem knappen befriedigend noch am besten ausschaut. Die dagegen zwangsläufig bei Bild und Ton unzulängliche, recht schrappelige Super-8-Filmversion, eine auf rund 19 Minuten zusammengestoppelte Kurzfassung, ist ein rein nostalgischer Rückblick auf die 1960er Jahre. Wobei das, was damals ein ziemlich teures Vergnügen darstellte, heutzutage den Allermeisten wohl bestenfalls noch für ein einmaliges An- oder auch nur kurz hineinschauen tauglich sein dürfte. Deutlich wertiger ist dabei das bild- und tontechnisch vergleichbar gut aufbereitete, drollige Tom-und-Jerry-Abenteuer (rund 8 min), das cartoontypisch denn auch mit knallbuntem Technicolor aufwartet.
Und dann ist da natürlich noch das 180-Seiten umfassend vollmundig beworbene Begleitheft, das einige Erwartungen weckt und von Thorsten Winter mit Text versehen worden ist. Bereits auf den ersten Blick erscheint es bereits durch das verwendete Glanzpapier und den guten Farbdruck hervorstechend üppig. Bei eingehenderer Durchsicht muss man allerdings schon auch feststellen, dass es nur in Teilen (etwas mehr als 80 Seiten sind teilweise mit Text ausgestattet) auch ein recht ergiebiges Lesebuch ist. Der Großteil darin besteht nämlich aus sehr umfangreichem Werbefotomaterial in sehr guter, teilweise herausragender Qualität. Auch wenn sich Teile davon auch in der Plaion-typischen Bildergalerie finden, ist deren Wert nicht zu unterschätze. Gerade beim Thema Film spielt ja das Visuelle eine besonders mitentscheidende Rolle. Das Auge lechzt gerade da in ganz besonderem Maße nach den Aussagen und die Wirkung der Texte verstärkenden Bildern. Besonders informativ sind im Text die üppig bebilderten Anmerkungen zur Entstehung des Films, aber ebenso zum historischen Hintergrund oder etwa den Burgen in Ivanhoe gehalten. Auch dem Komponisten der herausragenden Filmmusik, Miklós Rózsa, und ebenso dem Buchautor, Sir Walter Scott, sind lesenswerte Absätze gewidmet. Ausführliche biografische Infos zu den beteiligten Schauspielern runden das Ganze ansprechend ab.
Trotz ein paar geringfügiger Vorbehalte ist das gut in der Hand liegende, sehr sorgfältig produzierte Begleitheft, das schon zum auf edlem Glanzpapier gedruckten Taschenbuch tendiert, alles in allem eine sehr schöne Beilage, die für manch einen mit ausschlaggebend bei der Kaufentscheidung sein dürfte.
Fazit: Sicher ist die 1952er MGM-Version von Ivanhoe – Der schwarze Ritter nach Walter Scotts Roman in ihrer gesamten so unverwechselbar typischen Machart ein stark romantisierter und zugleich märchenhaft gehaltener Blick zurück in die sogenannte Goldene Kino-Ära. Das ist zwar nostalgisches, aber dank des guten Drehbuches, eines prima erzählten und entsprechend hochkarätig bebilderten Handlungsablaufs inklusive geschliffener Dialoge eben auch im Höchstmaß unterhaltsames, edles Erzähl- und Ausstattungskino par excellence. Darüber hinaus bereitet ein eingehenderes Studieren der noch in nativem 3-Streifen-Technicolor gehaltenen, jetzt erstmalig in HD und auch in farblich prachtvoll-leuchtenden Bildkompositionen vorliegend, besonders viel Freude. Dass man dabei immer wieder zuvor nicht erkannte neue Details ausmachen kann, ist ein Teil dessen, was derartige Filme immer wieder einmal sehenswert macht. Damit ist Ivanhoe auf Video jetzt auch hierzulande wieder in der visuellen Topklasse angekommen.
Dass derartige Filmkost vergangener Tage, welche die heutzutage im Kino allzu häufig anzutreffenden überzogenen Gewalt- und Ekelmomente schlichtweg weder kennt noch benötigt, auch von kleineren Zuschauern ab 10 oder spätestens 12 Jahren problemlos auch allein angeschaut werden kann, kommt noch hinzu. Insgesamt zählt die besonders liebevoll und mustergültig produzierte Ivanhoe-Edition von Plaion zu den ganz besonders edlen Klassikern des Abenteuer- und Erzählkinos und darf in einer auch klassisch orientierten Heimkinokollektion gewiss nicht fehlen.
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