Filmexil in Hollywood – „Etwas besseres als den Tod …“

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
1. Juni 2002
Abgelegt unter:
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Helmut G. Aspers Buch befasst sich eingehender mit der Geschichte der etwa 2000 Filmschaffenden, die nach der nationalsozialistischen Machtergreifung in den 30er Jahren (nicht allein) den deutschen Sprachraum verlassen mussten. Von ihnen gingen etwa 800 nach Hollywood, wobei ihr Leben in den meisten Fällen wenig spektakulär verlief. Der vorliegende Band streift denn auch nur die Geschichte derer, denen der große Durchbruch gelang – wie Otto Preminger, Fritz Lang oder auch Billy Wilder -, er widmet sich in erster Linie dem Schicksal derjenigen, deren Namen größtenteils nur Cineasten geläufig sind.

Asper rückt im Rahmen seiner dokumentarischen Recherche Namen wie die des Schauspielers und Regisseurs Reinhold Schünzel ins Bewusstsein. Der konnte im Exil als Regisseur leider nicht Fuß fassen, betätigte sich wieder als Schauspieler und verkörperte überwiegend Nazi-Rollen in Anti-Nazi-Filmen. Dank seiner Charakterisierungskunst sind Filme wie Hangman Also Die (1942) auch heute noch ansehbar. Da ist aber auch der Avantgarde-Maler Oskar Fischinger, der 1938 in die USA emigrierte, bei Disney anheuerte und dessen Entwürfe die experimentelle Eröffnungsepisode in Fantasia (1940) prägten, musikalisch unterlegt mit Bachs berühmter „Toccata und Fuge“. Und den Filmmusikfreunden ist das Kapitel „Filmkomponisten“ gewidmet. Hans Salter ist hier der „Master of Terror and Suspense“ und als Dokument gibt es ein Gespräch von Artur Holde mit Franz Waxman zum Thema „Gegenwart und Zukunft der Filmmusik“.

Neben biografischen Informationen gibt das recht umfassend recherchierte Werk auch Auskunft über das „social life“ in der Emigration und über die für Manchen lebensrettend gewordene Hilfsorganisation „European Film Fund“, die 1938 von Emigranten zur Unterstützung ihrer Schicksalsgenossen gegründet worden ist. Und von den Schwierigkeiten bei der antifaschistischen Filmarbeit in Hollywood wird ebenso berichtet, wie von den Problemen der Reimmigration derer, die nach dem Kriege heimkehren wollten.

Ein Verdienst des lesenswerten Buches liegt in der Bündelung der gebotenen Informationen zu Emigranten-Schicksalen, über die in der deutschsprachigen Filmliteratur überwiegend nur in Randbemerkungen etwas zu finden ist. Der Autor hat in den Jahren 1985-87 viele noch lebende Exilanten in Los Angeles interviewt und die daraus gewonnenen Informationen in sein Buch einfließen lassen. Hier trägt der Band Wichtiges zusammen und verdeutlicht die Vielfalt und die unterschiedlichen Facetten der Schicksale und Karrieren der Betroffenen. Die interessante Publikation bestätigt aber auch eindringlich, wie bedeutend der künstlerische Aderlass für Europa in jener Zeit war und in welchem Maße Hollywood davon profitierte.

Erschienen
2002
Seiten:
680
Verlag:
Schüren Verlag
Kennung:
3-89472-362-9
Zusatzinfomationen:
€ 34,80 (D)

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