Distant Drums

Distant Drums
Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
23. Dezember 2004
Abgelegt unter:
Sampler

Score

(4/6)

Distant Drums, (Steiner-Kompilation)

Ebenfalls in erster Linie für den spezialisierten Freund von Max Steiners Filmmusik bestimmt ist die frühe, bereits 1999 produzierte SAE-Doppel-CD-Kompilation, die Klingendes aus fünf Filmen zusammenträgt, die der Wiener Maestro in den Jahren 1946 bis 1951 vertonte.

Cloak and Dagger • Im Geheimdienst (1946) wartet mit einem zugleich düsteren wie auch heroischen Marschthema auf. Im heutzutage selbst in den USA weitgehend vergessenen, hierzulande offenbar bislang nicht gezeigten My Girl Tisa (1948) geht es um Ungarn, die in New York für sich und ihre Familien dauerhafte Bleibe suchen. Der Film beleuchtet das Emigrantendasein im Sinne einer romantisch-gefühlvollen Komödie und Max Steiner lieferte dazu (neben Source-Cues) eine, mit nur rund 13 Minuten, überraschend kurze Filmmusik – My Girl Tisa (wie auch Battle Cry) ist ein gutes Beispiel dafür, wie klischeehaft oft zu lesende Allgemeinplätze über das Golden Age sind, die gerade Steiner als einen Komponisten bezeichnen, der seine Filme generell „from Wall to Wall“ mit Musik unterlegt habe. Darüber hinaus ist My Girl Tisa im hier vertretenen Quartett Steiner’scher Scores dem Stoff entsprechend einer, der besonders viel lyrischen (Steiner-)Charme besitzt und auch sehr ansprechend das ungarische Klangidiom beschwört, indem er nicht nur, aber auch auf das charakteristische Cimbalom zurückgreift.

South of St. Louis • Konterbande (1949) ist ein selten gezeigter Film, zu dem Joe Hembus’ Western-Lexikon immerhin vermerkt: „… ein saftiger Western“; einer, dessen Plot im und kurz nach dem US-Bürgerkrieg spielt. Der eher auf dem Level „Routine mit Niveau“ rangierende Score zeigt interessant auf, wie geschickt der Maestro sich selbst mitunter (sogar in Serie) beliehen hat. Dies betrifft nicht allein den Track „Fight with Cottrell“, der aus The Oklahoma Kid (1938) entlehnt ist und noch in verschiedenen anderen Steiner-Scores Verwendung fand. Ebenso betrifft es die auf Traditionals wie „Dixie“, „Bonnie Blue Flag“ und Kavallerie-Signalen basierenden Civil-War-Standards, die sich in entsprechenden Steiner-Westernmusiken und ebenso im berühmten Gone with the Wind in zum Teil sehr ähnlicher Form immer wieder finden. Wie der Maestro hier das eigene Œuvre als Steinbruch benutzte und Versatzstücke daraus nach standardisierten Baukastenprinzipien handwerklich stets solide, aber mitunter schon recht schematisiert wieder in neues Material einfügte, ist aus heutiger Sicht sicherlich anfechtbar. Diese Verfahrensweise erklärt sich aber aus den enormen Zwängen unter denen Steiner in jenen besonders hektischen Jahren stand. Neben etwa 6 bis 10 Filmvertonungen pro Jahr war er als Leiter des Warner Music Departments mit einer Fülle weiterer Verpflichtungen belastet. Das gewaltige Arbeitspensum gestattete es schon aus zeitlichen Gründen nicht, sich jedem Filmprojekt mit der gleichen Intensität zu widmen. Allerdings besaß Steiner schon ein Gespür für die Filme, deren Vertonungen er besondere Zuwendung nicht versagte, z. B. The Treasure of the Sierra Madre (1948), Johnny Belinda (1948) und The Adventures of Don Juan (1949), The Fountainhead (1949).

Distant Drums • Die Teufelsbrigade (1951) ist trotz zum Teil optischer Qualitäten (gedreht wurde in den Sümpfen Floridas) ein eher enttäuschend flaches und arg geschichtsklitterndes Epos über die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Seminolen-Indianern um 1840 geworden. Steiners Musik greift zwar hier auch auf seine gewohnten, an archaisierenden Rhythmen orientierten typischen Indianer-Standards zurück, die er allerdings in stärker variierter und damit verstärkt individueller Form für diesen „Ost-Western“ einsetzte.

Die Tonquellen sind hier ausnahmslos Azetat-Discs, die zwar zwangsläufig nicht derart frisch wie die Magnettonaufzeichnungen von Battle Cry klingen, aber Dank sorgfältiger Aufbereitung ein im Rahmen des Machbaren rundum befriedigendes Tonerlebnis garantieren. Ein mit sehr informativem Text und exzellentem Bildmaterial (Plakatmotive und Filmbilder) versehenes Begleitheft macht dieses SAE-Album darüber hinaus vollends zur runden Sache.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Programms zum Jahresausklang 2004.

Komponist*in:
Steiner, Max

Erschienen:
1999
Gesamtspielzeit:
2 CDs: 102:54 Minuten
Sampler:
SAE-CRS
Kennung:
001

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