Dina – Meine Geschichte

Dina - Meine Geschichte
Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
18. Februar 2005
Abgelegt unter:
CD

Score

(4/6)

Merklich anders gelagert ist Marco Beltramis Komposition zu Dina — meine Geschichte. Ole Bornedals Film-Epos ist im Norwegen des 19. Jahrhunderts angesiedelt: Vor pittoresk gewaltiger Naturkulisse wird die tragische Lebensgeschichte von Dina, einer als Kind traumatisierten Frau, in Szene gesetzt. Dina verursachte als Kind den Unfalltod ihrer Mutter. Ihr Leben wird von Visionen und Obsessionen bestimmt; sie lebt teilweise in einer imaginären Parallelwelt, wo ihr Tote als Geister begegnen.

Auch hierzu hat der Komponist zur Klangcollage tendierende Teile geschaffen, denen wiederum folkloristische Teile, kammermusikalische klassizistische Einsprengsel, aber auch breitere romantisch-sinfonische Passagen gegenüberstehen. In Letzteren kommt Dinas Liebe zur Musik und besonders zum Cellospiel sehr sinnlich zum Ausdruck. In den aufblühenden Elegien der Streicher ist durchaus Nähe zum typisch nordischen, rhapsodischen Tonfall und zugleich zur Tallis-Fantasie von Ralph Vaughan Williams spürbar. Die einzelnen Klangebenen stehen einander gegenüber, aber durchdringen sich in Teilen auch. Hierbei zeigt sich nicht nur merkliche konzeptionelle Verwandtschaft zu James Newton Howards Snow falling on Cedars, auch die Wirkung als reines Höralbum ist durchaus vergleichbar. Ebenso wird die Musik zu Dina — meine Geschichte durch die Folklore und besonders durch die überaus klangschönen romantischen Passagen zusammengehalten, in denen oftmals das Cello eine entscheidende Rolle spielt.

Interessante Akzente setzt darüber hinaus die 27-jährige frankokanadische Sängerin Jorane. Die Sängerin, Cellistin und Songschreiberin liefert Pop-Songs und entsprechende Arrangements, die eigenwillig, geheimnisvoll und deutlich abseits vom Mainstream angesiedelt sind. Für die Geschichte um Dina ist Jorane zweifellos eine überaus logische und auch stimmige Wahl gewesen, wie der Hörer schon anhand ihrer beiden in die Filmmusik integrierten Stücke erfahren kann. Die ungewöhnlichen Kombinationen von Singstimme und dem expressiven, der menschlichen Stimme besonders nahestehenden Klangraum des Solo-Cellos besitzen einigen Reiz. Darüber hinaus soll offenbar die Sängerin, und damit auch ihre beiden CD-Alben, durch drei zusätzlich angehängte Titel noch ein wenig promotet werden. Dadurch verbleibt ein Score-Anteil von rund 47 Minuten.

Beide hier vorgestellten Beltrami-Alben klingen übrigens vorzüglich. Sowohl Hollywood Symphony bei Flight of the Phoenix als auch Gürzenich-Orchester Kölner Philharmoniker (Cello: Maria Kliegel), bei Dina — meine Geschichte, spielen in Top-Form und sind auch aufnahmetechnisch vorzüglich eingefangen worden.

Ob man sich nun beide Beltrami-Alben — ob direkt oder auch nacheinander — oder doch nur eines gönnt, ist letztlich eine Frage von Budget und persönlichem Geschmack: Reize besitzen sie beide. Unterm Strich belegen beide Beltrami-CDs das Talent ihres Schöpfers, eines besonders vielversprechenden Komponisten der jüngeren Generation. Wer besonderen Wert auf interessante Klangkombinationen legt und dabei für eine Musik offen ist, die mehr interessant denn im üblichen Sinne schön ist, der liegt bei der Musik zum Flug des sagenhaften Vogels sicher nicht falsch. Wer stärker thematisch orientierte Klänge liebt, der sollte zumindest zuerst zu der in weiten Teilen klangsinnlichen und daher besonders betörenden Dina — meine Geschichte greifen. Letztere tendiert in der Bewertung zu viereinhalb Sternen.

Originaltitel:
I am Dina

Komponist*in:
Beltrami, Marco

Erschienen:
2004
Gesamtspielzeit:
60:22 Minuten
Sampler:
Universal Decca
Kennung:
017 509-2

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