Aviator, Nachtrag I

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
22. Februar 2005
Abgelegt unter:
Sampler

Aviator, Nachtrag I: Source-Cues auf CD

Bei der Produktion der gesamten Tonspur (Soundtrack) für Aviator ist Erfindungsreichtum mit akribischer Sorgfalt gekoppelt worden, um eine möglichst überzeugende, realistische Atmosphäre zu erreichen. Dabei wurden nicht allein Geräuscheffekte, wie das Dröhnen der Motoren der inzwischen nur noch eine Legende bildenden gigantischen „Hercules“, möglichst echt nachempfunden. Eben soviel Wert ist auf eher unscheinbare Details wie z. B. den korrekten Klang von Blitzlichtern gelegt worden. Und entsprechend gewissenhaft ist der musikalische Zeitbezug in den unverzichtbaren Source-Cues herausgearbeitet worden.

Martin Scorsese hat zusammen mit Randall Poster den (musikalischen Teil des) Soundtrack(s) produziert. Eine knappe Stunde davon kann der Interessierte auf dem Sony-CD-Album erstehen und sich so die Zeit der Filmhandlung atmosphärisch ins Gedächtnis rufen. Das betreffende Sony-Album besitzt im Vergleich mit der Universal-Score-CD ein sehr ähnliches, ebenfalls auf dem Filmplakatmotiv basierendes Cover. Auf der Versiegelung befindet sich dafür ein silberner Aufkleber, welcher den entscheidenden Unterschied zur (mit blauem Aufkleber versehenen) Score-CD verdeutlicht: „The Soundtrack with the Original Songs“.

Es finden sich klanglich aufpolierte Originalaufnahmen aus der Zeit der Filmhandlung (1927-1946), so von den Königen des Swings und des Big-Band-Sounds, von Benny Goodman „Moonglow“, von Glenn Miller „Moonlight Serenade“, von Artie Shaw & his Orchestra „Nightmare“ oder interpretiert von Harry James & his Orchestra „Back Beat Boogie“. Lead Belly interpretiert „Howard Hughes“, einen der extravaganten Hauptfigur des Films gewidmeten Song aus dem Jahr 1940. Unter den neueingespielten Genre-Klassikern sind von Vince Giordano and his Nighthawks Orchestra drei Titel vertreten: „Shake that Thing“, „Yellow Dog Blues“ und „Stardust“. Rufus Wainwright interpretiert den Gershwin-Song „I’ll build a stairway to Paradise“. Hierbei handelt es sich um ein Stück Hollywood-Glamour, das unzähligen Freunden der MGM-Musicals besonders geläufig sein dürfte. Das der CD beiliegende, beidseitig bedruckte Faltblatt gibt übrigens eingehende Infos zu den insgesamt 18 auf dem Album vertretenen Stücken.

Zweifellos spricht diese CD in erster Linie diejenigen an, die ein Souvenir zum Film wollen, beispielsweise, um sich die glanzvollen Interieurs wie den legendären „Spielplatz der Stars“, den verschwenderisch prächtigen Hollywood-Nachtclub „The Coconut Grove“ erneut vor Augen zu führen — wo Hughes während etwa zwei Jahrzehnten ein und aus ging.

Im Film erweist sich das Scorsese-typische eigenwillige Vertonungskonzept schon als funktional. Dabei sind mitunter mit interessantem Effekt auch die von Shores Originalkomposition eingesetzten (meist eher kurzen Teile) mit der Source-Musik überlagert. Dem Filmmusikfreund kommt die im vorliegenden Falle recht generöse Veröffentlichungspolitik besonders entgegen. Erfreulicherweise werden beide Seiten derselben Medaille (Source-Music und auskomponierte Filmmusik) durch einen separaten Tonträger großzügig ausgeleuchtet, anstatt, wie meist üblich, einen zusammengestückelten Mix auf einem einzelnen Sampler unterzubringen. Nach dem Erscheinen der DVD kann sich also der mit beiden Musik-CDs ausgerüstete Film-(Musik-)Freund eingehend auf Spurensuche begeben und bei Bedarf auch experimentieren.

Komponist*in:
Diverse

Erschienen:
2005
Sampler:
Sony
Kennung:
Col 519467 2

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