Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
4. September 2014
Abgelegt unter:
Blu-Ray

Film

(5/6)

Bild

(5/6)

Ton

(4/6)

Extras

(4/6)

Das Outbreak der 70iger Jahre: Robert Wises Andromeda

Der so spannende wie intelligente Roman des damals noch Medizinstudenten Michael Crichton aus dem Jahr 1969, Andromeda (im engl. Original: „The Andromeda Strain“) wurde ein Überraschungserfolg. Das Buch liest sich wie ein seriöser Tatsachenbericht zu einer fiktiven Katastrophe, welche die USA im Februar 1971 in eine bedrohliche fünftägige biologische Krise stürzte.

Ein in unmittelbarer Nähe einer Kleinstadt in New Mexico abgestürzter Militärsatellit hat einen tödlichen außerirdischen Mikroorganismus eingeschleppt. Bis auf zwei Menschen, einen notorischen alten Säufer und ein fortwährend schreiendes Kleinkind, sind alle Bewohner umgekommen. Die beiden Überlebenden wurden in das geheime, unterirdische, ultramoderne Untersuchungslabor „Steppenbrand“ verbracht, wo eine Gruppe hochspezialisierter Wissenschaftler fieberhaft nach einer Lösung des Problems sucht. Die Zeit sitzt ihnen unerbittlich im Nacken. Erwägt doch die US-Regierung bereits, das infizierte Gebiet durch den Abwurf einer Atombombe zu „reinigen“.

Zwar zielte der im Umfeld der US-Mondlandung platzierte Stoff bewusst auf die Bedenken mancher Zeitgenossen ab, Weltraummissionen könnten etwas Gefährliches mit zur Erde bringen, aber auch völlig unabhängig davon ist das Szenario um eine erste große Weltkrise des Raumzeitalters eine sehr spannende Lektüre. Der so überzeugende wissenschaftliche Touch wird übrigens durch eine im Anhang befindliche, umfangreiche (raffiniert erdachte, natürlich wiederum rein fiktive) „Bibliografie“ noch gekonnt unterstrichen.

Der renommierte Regisseur Robert Wise – Vorposten in Wildwest (1950), Der Tag an dem die Erde stillstand (1951), West Side Story (1960), Kanonenboot am Jangtsekiang (1966), Star Trek: Der Film (1979) – hat aus Crichtons Vorlage einen vergleichbar brillanten Kino-Thriller gemacht, der dicht am Buch bleibt und nicht zuletzt durch seinen packenden, quasi-dokumentarischen Anstrich eher als Science-Fact erscheint. Die nüchtern erzählte Handlung konzentriert sich auf die Arbeit der Wissenschaftler im Steppenbrand-Komplex. Obwohl der Film auf reißerische Effekte, wie in heutigen Blockbustern an der Tagesordnung, komplett verzichtet, hat er von seiner ursprünglich großen Spannung auch heutzutage kaum etwas verloren. Dabei ist die Verfilmung in einzelnen Aspekten natürlich zwangsläufig in die Jahre gekommen, unübersehbar etwa bei der seinerzeit ultramodern erscheinenden Kommunikations- und Computertechnik.

Dass der Film immer noch problemlos vorzeigbar ist, dafür stehen auch die ehedem zur Topkategorie zählenden, immer noch sehr funktionalen Spezialeffekte von Douglas Trumbull (2001– Odyssee im Weltraum), zum Teil zusammen mit dem britischen Spezialisten für Matte Paintings, Albert Whitlock, realisiert:  Etwa wenn die gesamte Struktur des sich über fünf Stockwerke in die Tiefe grabenden Steppenbrand-Komplexes derart raffiniert gezeigt wird, dass man dabei fast schon an frühe 3D-Computergrafik denken mag, was damals aber noch Zukunftsmusik war. Ebenso brillant wird in aufwändig getricksten (Elektronen-)Mikroskopaufnahmen gezeigt, wie der hexagonal strukturierte außerirdische Organismus sich sowohl vermehrt als auch verändert (mutiert). Zusammen mit dem sachlich-kühlen Produktionsdesign, aber ebenso der experimentellen, elektronische und akustische Sounds raffiniert ineinander verwebenden Musikuntermalung des Jazzmusikers Gil Mellé – einem Vorläufer der Sounddesigns unserer Tage, etwa zu Gravity – bleibt Andromeda weiterhin äußerst bemerkenswert.

Andromeda erstmalig in HD auf BD

Die Bildqualität ist überwiegend solide, jedoch nicht völlig konsistent. Abgesehen von einzelnen sehr soften Szenen und verschiedentlich deutlich sichtbarem Griesel in Teilbereichen sowie kleineren Fehlern in der transferierten Vorlage präsentiert sich Andromeda in meist guter Schärfe und Detailzeichnung, gutem Kontrast sowie Schwarzwert und stimmig zum Produktionsdesign in eher kühlen Farben. Den Ton gibt’s dazu in frischem, klarem Mono.

Die nur in SD-Qualität vorhandene, sehr ordentliche Boni-Kollektion ist bis auf die recht ansprechende „Bildergalerie“ von der 2003er-US-DVD-Ausgabe übernommen. Im Zentrum des sehr informativen Materials stehen das rund halbstündige Making-of und ein 12 Minuten umfassendes Porträt Michael Crichtons, der ja noch weitere bemerkenswerte Science-Fiction-Szenarien verfasste, die ebenfalls ihren Weg auf die Kinoleinwand fanden: etwa Westworld (1973), Coma (1978) und außerdem Jurassic Parc (1993) .

Fazit: Andromeda ist selbst heute, fast 45 Jahre nach seinem Kinostart, immer noch ein absolut sehenswerter, ja besonders erscheinender Klassiker der realistischen Science-Fiction geblieben. Alles in allem bekommt der Interessierte den im schicken Steelbook erhältlichen Film jetzt erstmalig in HD auf Blu-ray, in zwar nicht perfekter, jedoch gegenüber der alten DVD-Veröffentlichung deutlich verbesserten Qualität.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema Blu-ray-Disc versus DVD.

Regisseur*in:
Wise, Robert

Erschienen:
2014
Zusatzinformationen:
Koch Media

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