Jetzt ebenfalls in HD und in perfekten Farben: Der MGM-Klassiker Die drei Musketiere (1948)
Die wohl geläufigste und meistgelesene Mantel- und Degengeschichte in der Abenteuer-Literatur, das sind „Die drei Musketiere“ im 1844 erschienenen Roman von Alexandre Dumas. Dies ist der erste und umfangreichste der insgesamt drei D’Artagnan-Romane und zugleich der bekannteste. Die Romanvorlage hat viele Verfilmungen ins Leben gerufen, die sich auch unzählige Leute angeschaut haben, die das Buch selbst nie gelesen haben. Streng genommen ist der Titel irreführend, denn zusammen mit dem immer zu Beginn eingeführten D’Artagnan sind es ja noch weitere drei, Athos, Porthos und Aramis, die zusammen letztlich die im Zentrum stehenden vier Musketiere der königlichen Garde bilden, die praktisch jeder kennt. Und das gilt ebenso für die beiden Hauptgegner des Quartetts, den berühmten und machtbesessenen Kardinal Richelieu und seine Top-Agentin, die so verführerische wie skrupellose Milady de Winter. Und wenn dann das Abenteuer in Fahrt kommt und die Ehre der Königin auf dem Spiel steht, dann gilt das „kennt praktisch jeder“ auch für den unvergesslichen Slogan dieser vier Virtuosen des Degenfechtens: „Einer für alle, alle für einen!“
Welche von den diversen Verfilmungen des Stoffs, deren erste offenbar bereits 1913 entstand, zählen denn nun zu den echt sehenswerten? Im Forum für Dumas-Liebhaber etwa kommt MGMs Gene-Kelly-Version zwar schon partiell gut weg, erhält aber ebenso vereinzelt Kotz-smileys und muss eh auch mal etwas deftige Kritik einstecken. Das gilt ähnlich für Paul W. S. Andersons Version aus dem Jahr 2011, aber auch die derzeit jüngste Version vom aus dem französischen Mutterlande stammenden Regisseur Martin Bourboulon, ein arg hip und dabei allzu oft nur schmutzig, düster und sehr brutal geratener Zweiteiler (2023), ist dort kein Hit.
Der bis hierhin gekommene Leser ahnt es wohl schon längst, dass für den Rezensenten, der übrigens auch zu den Frevlern zählt, die es bisher nicht geschafft haben, die Romanvorlage zu lesen, die MGM-Version von George Sidney absolute Priorität besitzt. Das liegt wohl auch mit daran, dass ich mit dieser Version quasi groß geworden bin. Ungeachtet inwieweit hier für Puristen von der Vorlage allzu sehr abgewichen sein mag: In meinen Augen ist Gene Kelly als humorig augenzwinkernder D’Artagnan eine Wucht und Lana Turner als Milady de Winter und auch Vincent Price als Kardinal Richelieu sind m.E. unschlagbare kongeniale Traumbesetzungen. Hinzu kommt noch die verschwenderisch prachtvolle Ausstattung, die dem Betrachter aus praktisch jedem Filmbild geradezu ins Auge sticht. Und auch die häufig quasi etwas stummfilmmäßig agierende, nämlich sich bei vielen bekannten klassischen Piecen (hier von Peter Tschaikowski) bedienende Filmmusik von Herbert Stothart bildet dazu eine das im edelsten Sinne (3-Farben-Trechnicolor) prallbunte Spektakel nett abrundende Ergänzung.
Glücklicherweise haben MGMs Musketiere im TV nie derart bescheiden ausgesehen wie ehedem etwa die Sissi-Trilogie oder Die 10 Gebote, sondern konnten immer mit einem respektablen Farblook aufwarten, der dem Zuschauer zumindest eine recht passable Ahnung von dem vermittelte, was Dreifarben-Technicolor zu bieten hat. Diese Fassung (mit deutschem Rollenvorspann) ist zum Vergleich im Netz leicht zu finden. Insofern erfolgt mit der von Plaion Pictures vorgelegten, luxuriös aufgemachten Special-Edition (wie bei Ivanhoe, der Schwarze Ritter als Digipack auch für diesen weiteren Klassiker des MGM-Abenteuer-und-Kostümkinos ein wichtiges Update.
Die drei Musketiere (1948) im aktuellen Digipack auf Blu-ray + DVD
Bild und Ton
Bei der aktuellen Ausgabe von Plaion Pictures ist dieselbe HD-Version enthalten, die Warner Archive bereits im Februar 2022 in den USA veröffentlicht hat. Bereits von DVD sieht das im klassischen Akademie-Vollformat (1 : 1,37) aufgenommene Bild selbst auf 100 Zoll Bildgröße gebeamt sehr beachtlich aus. Der Kontrast reicht zusammen mit dem soliden Schwarzwert sehr sauber abgestuft herunter bis zum satten Schwarz. Aber auch die so typischen Farbkompositionen des 3-Streifen-Technicolors, versehen mit dem unverwechselbaren Gemälde-Touch, erstrahlen hier nun erstmalig in ihrer ganzen verschwenderisch anmutenden Pracht. Wobei die perfekt ausgeleuchteten Musketiere in ihrer edlen satten Buntheit schon immer zu den Dreifarb-Technicolorfilmen zählten, die in Top-Qualität präsentiert zweifellos besonders ausgeprägte Demo-Qualität besitzen.
Die vorzügliche HD-Version von Blu-ray sieht im direkten Vergleich zur SD-Variante von DVD noch ein merkliches Quäntchen schärfer und knackiger aus. Das gerade in der HD-Version sehr dezent erkennbare Filmkorn erscheint insgesamt naturbelassen und ist damit ebenfalls tadellos. Hier bereitet das Schwelgen in den glanzvollen Bildern ganz besonders viel Spaß. Vergleichbar hochwertig sind auch die 48er Musketiere hierzulande auf Video zuvor noch nicht erhältlich gewesen. Den Mono-Ton gibt’s dazu im besonders frisch klingenden englischen Original und, qualitativ nur geringfügig dahinter liegend, ebenfalls solide und sauber auch in Deutsch. Abgesehen von einem leichten Rauschpegel klingt die auch hier wiederum sorgfältige Synchronfassung recht frisch und klar.
Extras
Was die Boni anbelangt, ist abgesehen von der üblichen ansprechenden Bildergalerie der rund 10-minütige Dokumentarfilm Looking at London eine recht nette Zugabe, da in diesem ebenfalls aus dem Jahr 1948 stammenden Zeitdokument neben Sehenswürdigkeiten der englischen Hauptstadt auch ein Blick auf die Kriegsschäden geworfen wird. Tex Averys frech-drolliger Animationsfilm What Price Fleadom (rund 7 min.), erzählt von der außergewöhnlichen Freundschaft eines Hundes und seines Flohs „Homer“, die durch das Auftauchen eines weiblichen Flohs gefährdet wird. Das ist ein netter Spaß, der ebenfalls restauriert ist und cartontypisch mit knallbuntem Technicolor aufwartet. Zusammen mit dem kurzen London-Dokumentarfilm als Vorprogramm gezeigt gestattet dies einen kleinen zeittypischen Kino-Blick zurück ins Uraufführungsjahr der Musketiere.
Und dann ist natürlich auch hier noch das 180-Seiten umfassende, schon eher buchähnliche Begleitheft, das in vergleichbar prächtiger Ausstattung wie bei Ivanhoe – Der schwarze Ritter vorliegt und wiederum von Thorsten Winter mit Text versehen worden und auch sonst gleich ausgestattet ist. Auch hier wird in erster Linie das visuell Prachtvolle betont, denn nur etwas mehr als 80 Seiten sind teilweise mit sehr klein gedrucktem Text bedruckt. Der Großteil besteht auch hier aus umfangreich zusammengetragenem Werbefotomaterial in sehr guter, teilweise herausragender Qualität. Da will ich auch gar nicht nochmals mit den bei Ivanhoe angemerkten geringfügigen Vorbehalten großartig den Leser ungewollt irritierend herumreiten. Nein, das ist neben der vorzüglichen Bildpräsentation alles in allem eine schlichtweg traumhafte Veröffentlichung: Ein Sammlerstück, das jeden Cent wert ist.
Fazit: Damit zählt auch die ebenfalls besonders liebevoll und mustergültig produzierte Musketiere-Edition von Plaion zu den ganz besonders edel für den Heimkinomarkt produzierten Klassikern des Abenteuer- und Erzählkinos. Dieses echte Sammlerstück darf in einer auch klassisch orientierten Heimkinokollektion ganz gewiss nicht fehlen.
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