Blu-ray

Veröffentlicht am 20.02.2020 | von Michael Boldhaus

Die fünf Geächteten

Die fünf Geächteten Michael Boldhaus
Film
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Als die Nr. 61 seiner Reihe „Edition Western-Legenden“ präsentiert Koch Media John Sturges’ Hour of the Gun ∗ Die fünf Geächteten (1967). Bereits 10 Jahre zuvor hatte sich der Regisseur mit den legendären Figuren Wyatt Earp und Doc Holliday auseinandergesetzt, in Gunfight at the O.K. Corral ∗ Zwei rechnen ab (1957, Musik: Dimitri Tiomkin). Bildet im zuletzt genannten die berühmte Schießerei am O.K. Corral (stattgefunden am 26. Oktober des Jahres 1881 in Tombstone, Arizona) den Höhe- und Schlusspunkt, so steht diese in Die fünf Geächteten ganz am Anfang des Geschehens. Daraus resultiert gewissermaßen eine Art Sequel zu Sturges’ 1957er Gunfight, indem Hour of the Gun sich auf die von dieser Schießerei ausgelösten Folgeereignisse konzentriert. Waren es 1957 noch Burt Lancaster (Wyatt Earp) und Kirk Douglas (Doc Holliday) so verkörperten 1967 James Garner und Jason Robards (Spiel mir das Lied vom Tod, Pat Garrett jagt Billy the Kid) das berühmte Duo. Dabei besitzt James Garners recht raue Verkörperung Wyatt Earps nichts vom mit dem Schauspieler eher assoziierten Komödien- und Sunnyboy-Charme, etwa in Maverick oder Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe. Im Gegenteil: Nicht nur Garner schlägt sich hier beachtlich. Jason Robards vermag als Doc Holiday eindeutig mehr zu überzeugen als der dieselbe Figur doch allzu robust verkörpende Kirk Douglas. Robards wird hier geradezu zur entscheidenden Figur im Plot.

Für sich betrachtet sind beide Filme auf ihre jeweilige Art von sehr guter Wirkung. Dabei unterscheiden Sie sich allerdings grundlegend voneinander. Während Gunfight at the O.K. Corral noch als Abgesang an den klassischen Hollywoodwestern und damit auch an die Earp-Legende funktioniert, tut dies der viel abgeklärter und kühler erscheinende Hour of the Gun vielmehr auf der Schiene des Spätwesterns. Bereits auf dem Kinoplakat stellt er seine andersartige, revisionistische Sicht heraus, indem die Frage gestellt wird: „Wyatt Earp, Held mit einem Abzeichen oder kaltblütiger Mörder?“. Der Film kommt damit der historischen Wahrheit schon ein gehöriges Stückchen näher als sein glorifizierendes 1957er Pendant, welches die Legende nicht zuletzt durch die elegante Song-Ballade von Dimitri Tiomkin zementiert. Durch die unterschwellige Anreicherung seines Plots mit Elementen eines Wirtschafts- und Politthrillers wirkt Hour hingegen erheblich moderner, etwas, das auch durch die exzellente Filmmusik von Jerry Goldsmith noch unterstrichen wird. Hour erscheint somit erheblich realistischer und glaubwürdiger. Earp, aber in ganz besonderem Maße Doc Holiday werden als tragische Figuren inszeniert. Der wenig zimperliche Earp ist getrieben von Rachegelüsten ob eines erschossenen sowie eines weiteren zum Krüppel geschossenen Bruders. Holiday ist dabei der treue, letztlich todkranke Freund, der zugleich als die mahnende Stimme seines Gewissens fungiert.

Der 1848 geb. Wyatt Earp begann seine äußerst zwielichtige Karriere im Jahr 1873. Joe Hembus bezeichnet ihn in „Der Stoff aus dem die Western sind“ als unbedeutende, unattraktive Figur, die bestenfalls die lokale Chronique Scandaleuse einiger Kuhstädte beschäftigt habe. Zum in seiner Bedeutung völlig übertrieben hochstilisierten Gunfight vom O.K.-Corral merkt er an, dieser sei nur eine üble Schießerei zwischen Kutschenräubern gewesen, bei dem Wyatt eine miese Rolle gespielt habe. Er bescheinigt ihm zudem, in der Realität niemals Sheriff gewesen zu sein, sondern ausschließlich innerhalb seiner Legende. Letztlich vermag dies alles aber der Earp-Legende nur bedingt etwas anzuhaben. So hat übrigens wiederum James Garner dieser rund zwei Jahrzehnte später nochmals eine, dieses Mal sogar drollige Pointe hinzugefügt, in Blake Edwards ironischem Sunset – Dämmerung in Hollywood (1988, Musik: Henry Mancini).

Die fünf Geächteten in HD auf BD

Die Blu-ray-Veröffentlichung von Koch Media ist im zur Reihe Westernlegenden gehörenden Media-Book erschienen. Als Cover zeigt dieses ein ansprechendes, den Nostalgiefaktor erhöhendes Filmplakatmotiv.

Bild und Ton

Das HD-Bild im korrekten Scope-Format (1: 2,35) sieht fast durchweg sehr gut aus. Gute Schärfe sowie eine sehr solide Farbwiedergabe gehen Hand in Hand mit einem sehr guten Kontrastverhältnis und ebenso soliden Schwarzwert. Nur vereinzelt wirkt das Bild kurzzeitig auch mal etwas softer.

Ebenso tadellos sind die beiden vertretenen Sprachfassungen. Sowohl die englische als auch die deutsche Tonspur sind zwar nur monoral. Sie kommen aber beide – die englische noch ein wenig voller klingend – sauber und klar, ohne nennenswerte Verzerrungen und dabei auch recht dynamisch zur Geltung.

Extras

Als Boni gibt es die übliche, ansehnliche Bildergalerie, versehen mit Standfotos und weiteren Werbematerialien sowie einen US-Kinotrailer in sehr ordentlicher SD-Qualität. Außerdem ist im Beigabenpaket noch eine ebenfalls monorale reine Musik-und-Effekt-Tonspur vertreten. Wer mag kann hier die sauber abgemischte Goldsmithmusik besonders störungsarm z.B. mit der besonders feinen 2012er Tadlow Neueinspielung vergleichen. Hinzu kommt noch das sechs Seiten umfassende Begleitheft, bei dem zwei mit einem lesenswerten, allerdings arg klein gedruckten und somit Adleraugen zum Entziffern benötigenden Text zum Film und seinem Regisseur von Fritz Göttler aufwarten.

Fazit: John Sturges’ Hour of the Gun ∗ Die fünf Geächteten (1967) ist ein Western, der, obwohl zuerst wenig beachtet und angesehen, die Zeitläufte besonders gut überstanden hat. Zusammen mit seiner hochkarätigen und kraftvollen Goldsmith-Filmmusik, ein essentiell mitentscheidender Part des Films, ist dieser für den Westernliebhaber ein echter Leckerbissen.

Hier geht’s zum Gewinnspiel.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema „Blu-ray-Disc versus DVD“.

Titel: Die fünf Geächteten (Hour of the Gun)
Erschienen: 11/2019

Zusatzinformationen: USA 1967

Medium: Blu-ray
Verleih: Koch Media
Kennung: BD

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