Blu-ray

Veröffentlicht am 06.11.2019 | von Michael Boldhaus

Der Barbar und die Geisha

Der Barbar und die Geisha Michael Boldhaus
Film
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John Hustons Ausflug ins Land der aufgehenden Sonne: The Barbarian and the Geisha Der Barbar und die Geisha

In den 1630iger Jahren vollzog Japan die Abschottung gegenüber europäischen Einflüssen. Diese so genannte „Abschließung Japans“ wurde erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch amerikanische Kanonenbootpolitik (Commodore Parry und die „schwarzen“ Schiffe) wieder aufgehoben. Der Perry-Vertrag von 1854 ebnete den Weg für den amerikanischen Geschäftsmann Townsend Harris, der im Auftrag von Präsident Franklin Pierce im Jahre 1856 im Range eines Generalkonsuls als erster amerikanischer Diplomat japanischen Boden betrat. Mit Geduld und Geschick gelang ihm trotz der eher feindlichen Reserviertheit seiner Verhandlungspartner zwei Jahre später der Abschluss eines Handelsvertrages zwischen Japan und den USA. Das Drehbuch von Charles Grayson verarbeitet diese zumindest im Kern wahre Geschichte und fügt ihr durch die Geisha Okichi noch eine, freilich fast völlig frei erfundene, romantisierende Note hinzu.

Man tut sich dezent schwer, etwas Positives an diesem insgesamt allzu ruhigen, ja etwas sehr behäbigen Film zu finden, den der renommierte John Huston inszenierte. John Wayne in der Rolle des Diplomaten Harris ist arg gewöhnungsbedürftig und vermag letztlich kaum zu überzeugen. So dürfte dem sich als Held im Sattel empfindenden markigen Darsteller etwa die recht holprig wirkende Szene, wo er von einem eher winzigen Judoka in den Staub geworfen wird, besonders unbehaglich gewesen sein. Dass es Streit und nachhaltige Verstimmung zwischen Wayne und Huston gab, überrascht letztlich ebenso wenig wie, dass der Film seinerzeit an den Kinokassen ein großer Flop war (rund 2,5 Mio $ Einnahmen stehen Produktionskosten von 3,5 bis 4 Mio $ gegenüber) und fast nie im Fernsehen gezeigt wird.

Ein wenig zu punkten vermag der Film dann aber doch dank der sorgfältigen Arbeit des Kameramannes Charles G. Clarke, der das mit einigem Aufwand in Szene gesetzte exotische Kolorit – die Dreharbeiten erfolgten in Japan, nicht bloß im Studio – in betont malerischen Impressionen eingefangen hat. Einige Einstellungen nutzen darüber hinaus geschickt die Wirkung des breiten CinemaScope-Bildformats. Hinzu kommt auf der Habenseite in jedem Fall noch die vorzügliche Filmmusik von Hugo Friedhofer, einem der besonders vernachlässigten großen Tonsetzer des „Golden Age“.

Der Barbar und die Geisha in HD auf BD

Die Blu-ray-Veröffentlichung von explosive media ist als Einzel-BD in schwarzer Amaray-Box erhältlich. Als Cover zeigt sie ein ansprechendes Filmplakatmotiv.

Bild und Ton

Das HD-Bild im korrekten Scope-Format (1:2,35) sieht fast durchweg sehr gut aus. Gute Schärfe sowie eine sehr solide Farbwiedergabe gehen Hand in Hand mit einem sehr guten Kontrastverhältnis. Nur in einigen wenigen kürzeren Einstellungen ist der Schwarzwert merklich zu hell, und gelegentlich wirkt das Bild auch mal etwas softer. Die insgesamt sehr beachtliche Bildqualität unterstreicht und stärkt die visuellen Qualitäten. Das ist zugleich die entscheidende Voraussetzung für eine erste dezente Empfehlung für Filmfreunde, welche den Blick gern eingehender in die Runde schweifen lassen, hier zuzugreifen.

Es gibt aber noch ein weiteres, sogar außergewöhnliches Ausstattungsmerkmal der aktuellen Ausgabe, nämlich, dass es nicht nur, wie bei Filmen der Fifties in aller Regel gewohnt, nur noch eine englische Magnet-Stereo-Tonspur, ansonsten aber ausschließlich Mono-Lichtton gibt. Der Barbar und die Geisha überrascht hier mit einer in vergleichbar guter Qualität wie das englischsprachige Original aufwartenden deutsch synchronisierten Mehrkanaltonfassung. Und so vermag auch die von einem prachtvollen Hauptthema bestimmte und brillant mit Exotismen durchsetzte so glutvolle Filmpartitur Friedhofers, ihre Wirkung zu den Bildern auf ganz besonders hochwertige Art zu entfalten, und dies bildet die zweite kleine Empfehlung für dieses eher ein Schattendasein führende Leinwandprodukt.

Extras

Als Boni gibt es eine ansehnliche Bildergalerie, versehen mit Standfotos und weiteren Werbematerialien sowie einen US-Kinotrailer in passabler SD-Qualität.

Fazit: In vielem bleibt John Hustons Der Barbar und die Geisha trotz seiner in Teilen bemerkenswert komponierten Bilder letztlich ein Kuriosum. Immerhin präsentiert er sich jetzt in HD auf Blu-ray in annähernd bestmöglicher Bild- und Stereotonqualität. Letzteres überaschenderweise sogar in Deutsch.

Hier geht’s zum Gewinnspiel.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema „Blu-ray-Disc versus DVD“.

Titel: Der Barbar und die Geisha (The Barbarian and the Geisha)
Erschienen: 8/2019

Zusatzinformationen: USA 1958

Medium: Blu-ray
Verleih: explosive media (Vertrieb: Koch Media)

Regisseur(e):

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