3D

Veröffentlicht am 22.07.2014 | von Michael Boldhaus

Metallica – Through The Never 3D

Metallica – Through The Never 3D Michael Boldhaus
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Nicht nur was auf die Ohren! Metallica in 3D in Concert

Metallica gilt für viele seiner Fans als die größte amerikanische Rockband aller Zeiten. Dazu kann und will der musikalisch doch eher klassisch orientierte Schreiber dieses Artikels ganz bewusst nicht Stellung beziehen. Hier schreibt nämlich kein Metallica-Kenner oder sonstwie mit dem Hard-Rock-Phänomen Vertrauter, sondern jemand, der sich in erster Linie für die 3D-Aspekte eines hardrockigen Konzertevents interessierte, etwas, das für ihn ansonsten abseits des Gewohnten und besonders Geschätzten angesiedelt ist.

Direkt vorab: Zwar bin ich nun gewiss nicht auf dem Wege zum Metallica-Fan, aber eindrucksvoll und damit interessant war und ist die Begegnung in jedem Falle – auf ihre Art vergleichbar mit dem allerdings völlig anders gearteten Pina-Bausch-3D-Film Pina … tanzt, tanzt sonst sind wir verloren. Während die Band eine Art „Best of“ ihres Repertoires zum Besten gibt – der dem Film den Titel verleihende Song ihres legendären Black-Albums, „Through the Never“, ist allerdings nicht darunter – wird nämlich auch visuell einiges aufgefahren.

Da ist einmal das eigentliche Konzert, bei dem die Songs in eine mit großem technischen Aufwand realisierte, extravagante audiovisuelle Show, versehen mit grandiosen Licht-, Video- und pyrotechnischen Effekten, verpackt sind. Dieses Mal findet das Spektakel auf einer außergewöhnlichen Bühne statt, deren Ausmaße mit 61 mal 18 Metern schon als gigantisch bezeichnet werden müssen und deren Boden von oben betrachtet zudem wie eine Videowand erscheint. Unter anderem wird eine riesige Justitia von 8 Metern Höhe aufgebaut und am Schluss des Songs „Justice for All“ zum Einsturz gebracht. Auch eine Hommage an das 1986er Album „Master of Puppets“, auf dem der noch im selben Jahr bei einem Busunfall ums Leben gekommene Bassist Cliff Burton letztmalig zu Hören ist, findet statt: in Form eines aus dem Boden emporsteigenden, mit riesigen Kreuzen versehenen, bombastischen Master-of-Puppets-Friedhofs. Oder das perfekte Zusammenspiel von Licht- und Pyrotechnik (Feuer, Explosionen, Raucheffekte) sowie Videoprojektionen, welche etwa den Hintergrund für den Song „One“ schaffen, wo es um die leidvolle Geschichte der namenlosen Soldaten im Krieg geht. Da geht denn auch gerade in 3D in besonderem Maße die Post ab, wenn die Musiker umgeben von den Raum zerteilenden, im Rhythmus der Musik quasi tanzenden, komplexen Laserlichteffekten agieren. Ebenfalls eindrucksvoll sind die mit Hilfe von Tesla-Spulen erzeugten Koronaentladungen für einen über den Köpfen des Publikums schwebenden, riesigen elektrischen Stuhl zu „Ride The Lightning“.

Hinzu kommt eine surrealistisch gehaltene mit dem Live-Konzert innig verwobene Spielhandlung, die allerdings ähnlich verwirrend wie ein LSD-Trip erscheint. Ein von Dane DeHaan (Lincoln, The Amazing Spider-Man 2) verkörperter Roadie namens Trip  begibt sich auf der Suche nach einer Tasche mit für die Band dringend benötigtem Inhalt auf einen alptraumhaft  verstörenden Horrortrip mit Mad-Max-Endzeit-Touch, der letztlich keinen Sinn ergibt. Dane DeHaan bleibt dabei übrigens wortlos, bringt sich aber durch sehr respektable Mimik gut ins Geschehen ein. Das Drehbuch dafür lieferte der Regisseur Nimród Antal, der sich im Bereich des Surrealen bereits mit seinem Kinodebüt Kontroll (2003) profilierte.

Ist das als Rahmenhandlung zu Sehende überhaupt Realität oder doch eher visualisierter Drogentrip als Musik-Video – mit Pink Floyds The Wall (1982) als Vorbild? Immerhin wirft sich Roadie „Trip“ (ist der Name hier vielleicht Programm?) kurz vor dem Aufbruch zu seiner schicksalsträchtigen Nachtfahrt im altersschwachen Van eine Kapsel ein. Die Antwort auf diese Frage bleibt ebenso nebulös wie der Inhalt der schließlich gefundenen Tasche. Drummer Lars Ulrich betreibt geschicktes Marketing, wenn er in „Behind The Scenes“ zum Sinn der Rahmenhandlung bemerkt: „There are many, many, many ambiguous elements in this film. People should feel free to do with those what they want.“ Ist es doch gerade das Unbestimmte, welches offenbar vielen Zeitgenossen ganz besondere Freude bereitet, wenn sie (auch in die eher sinnfreie Leere) nach Herzenslust möglichst bedeutungsschwanger hineininterpretieren können. Aber was soll’s: It’s all part of the Show!

Letztlich ist die Rahmenhandlung eben Teil einer insgesamt besonders groß dimensionierten Show, die sowohl über die Macht der Musik wie auch der Bilder primär die Emotionen der anvisierten Zuschauerklientel ansprechen möchte, weniger deren Intellekt. Auch die Songtexte sind ja nun nicht wirklich tiefgründig. Entscheidend für das m. E. letztlich im Bereich des Visuellen doch recht effekt- und damit letztlich auch durchaus eindrucksvollen Gesamtresultats ist, wie unübersehbar professionell sowohl die Spiel- als auch die Konzertszenen eingefangen und auch wie geschickt sie miteinander kombiniert worden sind. Das beginnt bereits mit dem in Zeitlupe gefilmten Auto-Crash mit der Trips albtraumhafte Odyssee beginnt, welcher gerade in der 3D-Version besonders knackig rüberkommt. Ein Highlight bildet das Szenische im Vorfeld von „Cyanide“, wo Trip eine durch Gewalt in Mitleidenschaft gezogene Region durchschreitet, mit an Laternenpfählen Erhängten, brennenden Autos etc. Die Kamera zeigt ihn zuerst von hinten, folgt dann der Bewegung seines Kopfes nach links, wobei ein vermummter Mob sichtbar wird. Anschließend wendet Trip sich der Kamera wieder zu, diese fährt rückwärts, wobei behelmte, mit Schilden und Knüppeln bewaffnete Polizeikräfte ins Bild rücken. Zusammen mit den einsetzenden Drums schlagen die Polizisten im Rhythmus der Musik mit den Knüppeln auf die Schilde. Parallel dazu gleiten in der Konzertarena sargähnliche Gebilde von der Decke hinunter in denen – frei nach Edgar Allan Poes „Lebendig begraben“ – lebendige Personen eingeschlossen erscheinen. Ähnlich eindrucksvoll kombiniert ist auch das Finale, wo sowohl die zusammenstürzende Live-Bühne (scheinbar) eine Katastrophe erleidet als auch die nächtliche Stadt, in der Trips Odyssee stattfindet, ihre Apokalypse erlebt. Dies und weitere vergleichbar optisch geschickt gestaltete Momente schaffen so eine eindrucksvolle Verbindung von Bild und Musik und das macht das Ganze auch für einen Nicht-Rock-Fan insgesamt durchaus gut rezipierbar. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist, dass die Spielszenen auch für einige ansprechend gewählte Pop-out-Effekte gut sind, etwas, das bei einem 3D-Film nie völlig unter den Tisch fallen sollte.

Das gigantische Spektakel wurde mit Hilfe von 24 3D-Kameras fortlaufend aus allen sinnmachenden Positionen aufgenommen. Aus der resultierenden quasi 360º-Perspektive wurden schließlich die überzeugendsten Sequenzen ausgewählt und montiert. Die Live-Aufnahmen entstanden übrigens an zwei unterschiedlichen Orten in Kanada (in Vancouver und Edmonton).

Die mit Superlativen (wie gewohnt) nicht gerade zurückhaltende Filmwerbung übersteigert zwar: Aber auch wenn von einem „bahnbrechenden 3D-Filmereignis der Superlative“ nicht wirklich die Rede sein kann, ein absolut professionelles und durch die betonte Körperlichkeit der Band-Akteure betont eindringliches und damit zweifellos in besonderem Maße mitreißendes 3D-Filmevent bekommt man in jedem Fall geboten. Die Energie der mitunter brachialen Schlagzeugattacken von Lars Ulrich und die körperbetonten Einsätze von James Hatfield werden so in entscheidendem Maße spür- und damit erfahrbar. Den Rest am sehr überzeugenden 3D-Gesamteindruck besorgt die gekonnt eingesetzte Show. Dabei kommen etwa die farbigen Licht- und Lasereffekte eindrucksvoll zur Geltung, da die Räumlichkeit der Bilder mit Hilfe eines immer wieder eingesetzten Bühnennebels raffiniert betont wird. Gerade in 3D werden zudem die gigantischen Ausmaße derartiger Konzertarenen erst so richtig deutlich, wobei in der kolossalen Wirkung im vorliegenden Falle zusätzlich die außergewöhnlich dimensionierte Livebühne eine mitentscheidende Rolle spielt.

Wer meint, Hardrock benötige doch kein 3D, sollte sich zuerst die Frage beantworten, wie nahe der Metallica-Fan dem Objekt seiner Begierde bei einem Life-Event denn überhaupt zu kommen vermag. Selbst in der ersten Reihe sitzend mit Sicherheit nicht so (scheinbar) nahe und körperlich eindringlich wie gerade in der peppigen 3D-Version. Und ganz besonders wenn man an diejenigen denkt, die Live „nur“ auf den hinteren Rängen dabei waren, so erhält der Betrachter des Films, der ja das Beste aus dem eingefangenen Bildmaterial exakt zum richtigen Zeitpunkt zu sehen bekommt, in jedem Fall einen Logenplatz der ganz besonderen Art zugewiesen, einen, den es in der Realität so überhaupt nicht gibt, ja gar nicht geben kann.

Through The Never hat in IMAX- und übrigen Abspielstätten weltweit immerhin rund 21,2 Mio $ an Kasse gemacht. Kombiniert man dies mit dem bei Box Office Mojo glaubwürdig erscheinenden Produktionsbudget von 18 Mio $ – die Verleihwerbung vermerkt hierzu seltsamerweise 32 Mio $, während im Making of von nur 15 Mio $ die Rede ist –, dann hat der von Focus-online bereits als Kinoflop apostrophierte Film bislang zwar sicher keinen Hit gelandet, aber denn doch immerhin bereits einen kleinen Gewinn eingefahren.

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Die HD-Präsentation kann sich sowohl optisch wie akustisch sehen lassen. Sämtliche Discformate präsentieren den Film übrigens in der für die normalen Kinos gedachten Scope-Version (Seitenverhältnis 1 : 2,35). Auch dank des, abgesehen von einzelnen kurzen Momenten, sehr satten Schwarzwerts vermögen die in der Regel sehr scharfen, durch die Lichtregie in üppige Farben getauchten Bilder fast durchweg zu beeindrucken. Vereinzelte unscharfe Momente oder hier und da mal ein Hauch von Bildgriesel fallen kaum ins Gewicht. In 3D stechen die lästigen Doppelkonturen so gut wie nie hervor, sind damit kein Thema. Entsprechend prima ist der ungestörte Raumeindruck. Für den dazu adäquaten Sound sorgt der bassintensive wie druckvolle, perfekt abgemischte Ton als DTS-HD Master Audio, der sowohl in 7.1 als auch in 5.1 wählbar ist.

Etwas unschön ist dafür allerdings, dass man sich, um zum Hauptfilm zu gelangen, erst einmal zwangsweise durch die vorgeschalteten fünf Trailer hindurcharbeiten muss. Immerhin funktioniert an dieser Stelle die Skipfunktion und das hilft beträchtlich, Zeit zu sparen.

Zur eindrucksvollen Konzertfilmpräsentation kommt für den Metallica-Freund noch eine sehr opulente Bonikollektion hinzu. In deren Zentrum steht das in 15 Kapitel unterteilte, rund 76-minütige Making of „Hit The Lights“. Zwar rühren die Protagonisten der Band hier schon sehr selbstverliebt die Werbetrommel und klopfen sich und dem Filmteam immer wieder gern gegenseitig auf die Schulter. Aber auch diese Art von „Show“ gehört wohl zum Metallica-Image mit hinzu und dürfte den Fan kaum irritieren. Einige Hintergrundinfos zur Produktion finden sich allerdings ebenso. Zusätzlich bemerkenswertes Fanorientiertes hat dann noch die 2D-BD in ihrer Boni-Sektion im Gepäck. „Mill Valley Film Festival“ (30 Min.) ist zur US-Premiere im kalifornischen San Rafael im September 2013 aufgenommen. Im Anschluss an die Vorstellung nehmen die vier Musiker der Band nebst Regisseur Antal und Schauspieler DeHaan vor der Leinwand Platz, werden interviewt und beantworten Fragen aus dem Publikum. „Orion Festival Film Tent: Music and More“ (53 Min.) wurde offenbar während einer Preview in Detroit im Juni 2013 aufgenommen. Hier beantworten nach dem Film Mitglieder des Produktionsteams Fragen aus dem Publikum.

Anzumerken ist hierzu, dass in der Boni-Sektion abgesehen von den Trailern und eingearbeiteten Filmausschnitten, etwa im Musikvideo „Master of Puppets“ und in „Behind The Scenes“, nur SD vorherrscht und die Bildqualität zudem durch einen häufig arg hellen, zu grau tendierenden Schwarzwert eingeschränkt wird.

Hinzu kommen noch einige solide weitere Features, etwa das 10-minütige „Soundworks“, das mit einigen Erläuterungen zum Tonmix aufwartet, und auch der perfekte Appetizer, ein deutscher HD-Trailer in 3D, ist erfreulicherweise enthalten.

Fazit: Metallica in Concert und das auch noch in 3D! Das betäubt nicht allein immer wieder auch die Ohren, das Auge wird aber ebenso in den Bann gezogen. Zwar mag mancher die mit der Live-Show verwobene surreale Rahmenhandlung mit Endzeit-Touch ob ihrer sinnfreien Beliebigkeit eher als Dorn im Auge empfinden. Ich würde dem Ganzen trotzdem eine Chance geben. Der Gesamteindruck ist nämlich dank der geschickten Verschmelzung mit den Songs als Teil einer extravaganten Show zumindest beachtlich. Besonders durch die durch 3D in ganz besonderem Maße erfahrbare Energie der Akteure (insbesondere die geradezu hammermäßigen Aktionen des Schlagzeugers Lars Ulrich) und natürlich die diversen ausgeklügelten bombastischen Effekte ist das Erlebnis mitunter geradezu fulminant.

Dieses positive Gesamturteil resultiert nicht zuletzt aus dem produktionstechnisch äußerst professionellen Niveau der 3D-BD. Wohl nie sonst hat man überhaupt die Chance mit den harten Jungs beim Rocken derart nahe auf Tuchfühlung zu gehen, oder? Das Resultat dürfte somit auch für manch aufgeschlossenen „Quereinsteiger“ zumindest einen eingehenderen Blick wert sein. Auch wenn hier ja nun kein Mettallica-Verehrer schreibt, für Metallica-Fans handelt es sich m. E. in jedem Fall um einen Hingucker, ein fetziges Pflichtprogramm, das durch die beachtliche Bonikollektion zusätzlichen Souvenircharakter erhält.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema Blu-ray-Disc versus DVD.

Titel: Metallica – Through The Never 3D
Erschienen: 2014

Zusatzinformationen: 2-Discs (3D-BD & 2D-BD), USA 2013

Medium: Blu-ray, 3D
Verleih: Ascot Elite Home Entertainment

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