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Veröffentlicht am 11.06.2011 | von Michael Boldhaus

Rio Conchos

Rio Conchos Michael Boldhaus
Film
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Die vorliegende Ausgabe der „Koch Media Western Legenden“ trägt die Nummer fünf. Rio Conchos (1964) von Regisseur Gordon Douglas zählt inhaltlich zu den etwas bizarren und skurrilen US-Western der ersten Hälfte der 1960er. Nicht zuletzt durch die ungewöhnliche Heldenkonstellation und seine bereits recht kompromisslosen Gewaltszenen tendiert er deutlich zum Italowestern.

Edmond O’Brien verkörpert Pardee, den letztlich im Wahnsinn endenden Ex-Colonel der konföderierten Armee der Südstaaten. Dieser haust an einem recht idyllischen Seitenarm des Rio Conchos in einer nur halbfertigen, einer Attrappe ähnlichen und somit etwas bizarr anmutenden Replik eines Südstaaten-Herrensitzes und befehligt dort eine kleine Privatarmee. 4540Auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs will er den Sezessionskrieg wieder aufleben lassen, indem er mordlüsterne Apachen, ausgerüstet mit zuvor von der US-Army erbeuteten modernen Repetiergewehren, auf einen rücksichtslosen Rachefeldzug gen Norden schickt. Dies zu vereiteln setzt sich ein kleiner, bunt zusammengesetzter Trupp auf seine Fährte, angeführt von Captain Haven (Stuart Whitman, bekannt aus Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten), dem Pardees Männer zuvor die Gewehre abgejagt hatten. Des Weiteren befindet sich im Quartett der „Guten“ ein weiterer ehemaliger Südstaaten-Offizier: der, nachdem diese seine Familie ermordeten, rücksichtslos Jagd auf Apachen machende Ex-Major Lasseter (Richard Boone). Dann ist da noch der äußerst zwielichtige Mexikaner Rodriguez (Anthony Franciosa) sowie als Aushängeschild für die Bürgerbewegung der 1960er Jahre ein weiterer Armeeangehöriger, der schwarze Sergeant Franklyn, verkörpert von Jim Brown, einem damals bekannten Football-Star.

In Rio Conchos steht an Stelle eines einzelnen Helden eine Gruppe im Zentrum der Handlung, eine, die hier besonders zerrissen ist, deren Motivationen, sich auf eine gefährliche Undercover-Mission zu begeben, völlig unterschiedlich sind. In diesem Punkt steht Rio Conchos Sam Peckinpahs Sierra Charriba (1965) nahe und folgt einem Trend der 60er, der mit John Sturges’ Die glorreichen Sieben (1960) begann und sich auch abseits des Western findet, z. B. in Das dreckige Dutzend (1967) von Robert Aldrich. Alles mündet in eine finale, infernalische Konfrontation im bereits erwähnten, etwas surreal anmutenden Hauptquartier Colonel Pardees, bei der es kaum Überlebende gibt. Nur Captain Haven und Sally, eine im Verlauf der Mission zum Trupp gestoßene Indianerin, kehren nach Texas zurück. Joe Hembus bezeichnet in seinem „Western Lexikon“ Rio Conchos als einen Film, in dem Wahnsinn in der Luft liegt, und zugleich als einen, der sein Delirium genießt.

Im Œuvre von Veteran und Routinier Gordon Douglas (1907—1993) steht manch beachtliches Ergebnis neben viel eher biederem und flauem Handwerk. So sind z. B. Yellowstone Kelly • Man nannte ihn Kelly (1959) und ebenso Chuka (1966) sehr gelungene Douglas-Western. Eher belanglos ist hingegen Fort Dobbs • Im Höllentempo nach Fort Dobbs (1958), und das Remake des John Ford Westernklassikers Stagecoach (1939), San Fernando (1965), kann man nur als eine absolute Enttäuschung bezeichnen. Rio Conchos zeichnet sich übrigens zusätzlich durch eine sehr stimmungsvolle, frühe [url=rezension.htm?rid=1229]Westernfilmmusik von Jerry Goldsmith[/url] aus. Bei San Fernando hingegen scheint der junge Goldsmith vom zu Vertonenden ebenfalls nicht sehr beeindruckt gewesen zu sein. Zumindest wirkt seine Komposition im Vergleich arg uninspiriert und damit blass.

Rio Conchos auf DVD

4541Auch diese Koch-Media-DVD überzeugt mit sehr beachtlichem Bild, das erfreulicherweise dem originalen Scope-Format entspricht und kaum Materialschäden aufweist. Satte Farben, überwiegend gute Schärfe, Kontrast und Detailliertheit sind die Pluspunkte eines insgesamt sehr zufriedenstellenden Transfers.

Ähnlich positiv ist der Eindruck beim Ton. In den frühen 60ern waren die Zeiten, wo Scopeformat und Stereosound praktisch zwangsläufig miteinander verbunden waren, längst vorbei. Entsprechend ist bereits die englische Originalfassung nur monaural. Neben dem englischen Original sind zwei deutsche Tonfassungen enthalten. Der Kinoton für die ehedem leicht gekürzte deutsche Kinoversion und die spätere, vollständige TV-Synchronisation erklingen beide ebenfalls in solidem Mono. In der deutschen Kinotonfassung sind die fehlenden Szenen mit dem TV-Ton ergänzt. Beide Synchronfassungen unterscheiden sich textlich eher geringfügig, allerdings sind die Synchronsprecher der Kinofassung deutlich markanter. Die kleine Boni-Kollektion ist ebenfalls durchaus okay. Sie wartet mit dem englischen Original-Trailer und einer Bildergalerie auf. Hinzu kommt wiederum das im Digi-Book eingeklebte achtseitige Begleitheft, das auch dieses Mal dank Hank Schraudolphs lesenswertem Einführungstext zu punkten vermag. Zusammen mit dem fairen Preis für das ansprechend aufgemachte Produkt resultiert ein insgesamt grundsolider Eindruck. Dabei ist auch das penetrante große FSK-Logo ein weiterer Pluspunkt, da es hier erfreulicherweise aus einem problemlos entfernbaren, nur aufgeklebten Sticker besteht.

Fazit: Rio Conchos zählt zu den besonders interessanten Western von Gordon Douglas und ist im Fernsehen bislang nur selten zu sehen gewesen. Jetzt ist dieser erfreulicherweise in guter Präsentation als DVD der Reihe „Koch Media Western Legenden“ erhältlich.

Zur Erläuterung der Wertungen lesen Sie bitte unseren Hinweis zum Thema „Blu-ray-Disc versus DVD“.

Dieser Artikel ist Teil unseres Spezialprogramms zu Pfingsten 2011.

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Titel: Rio Conchos
Erschienen: 2011

Zusatzinformationen: USA 1964

Medium: DVD
Verleih: Koch Media DVD
Kennung: DVM000664D (Western Legenden No. 5)

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