Special

Veröffentlicht am 10.04.2009 | von Michael Boldhaus

Blu-ray-Disc versus DVD

Die Entwicklung steht auch auf dem Heimvideomarkt nicht still. Die Blu-ray-Disc ist mittlerweile als „der“ hochauflösende Bildstandard auf dem Markt etabliert, der das Rennen gemacht hat. Ihre derzeit noch langsame Verbreitung dürfte im Zusammenhang mit der für 2010 anstehenden Einführung von High Definition (HD) im Programm der öffentlich rechtlichen Sendeanstalten nachhaltig beschleunigt werden. Zwischen DVDs und den zukünftig verstärkt ins Blickfeld des Interesses rückenden Blu-ray-Disc-Veröffentlichungen muss natürlich in den Wertungen differenziert werden. Doch worin liegen für den Interessierten nun wirklich die unbestreitbaren Qualitätszuwächse des neuen Standards?

Wir meinen: Die erste Geige spielt eindeutig das „Bild“. Gerade beim Bild ist der Qualitätssprung unübersehbar. Gegenüber dem herkömmlichen PAL-Standard ist die Full-HD-Auflösung vier Mal höher, was, wenn auch in kleinerer Dimension, dem Quantensprung von 35-mm- auf 70-mm-Film durchaus vergleichbar ist. Wenn bei der Produktion alles stimmt — was leider nicht immer der Fall ist —, dann ist der Bildeindruck bei der Schärfe und Detailvielfalt bestechend und zugleich natürlicher: so erscheint z. B. Wasser in HD eindeutig nasser.

Mit kleinerer Gewichtung kommt natürlich auch der Ton in Betracht. Allerdings ist selbst bei herkömmlichem AC3-5.1 oder auch dts 5.1 (und 6.1) die erreichte Qualität trotz Datenkompression bereits außerordentlich hoch. Entsprechend fallen die Unterschiede gegenüber den heutzutage gehandelten, inzwischen sogar auf insgesamt 7 Kanäle aufgebohrten Tonformaten, wie dts-7.1, in der Wahrnehmung zwangsläufig erheblich kleiner aus. Hier und auch bei den High-Definition-Tonformaten lesen sich die in der Werbung erscheinenden Zahlenwerte der technischen Leistungsfähigkeit in der Regel eindrucksvoller als dies vom Konsumenten in der Praxis noch wahrgenommen werden kann. Selbst die nur optimierten Datenkompressionsverfahren arbeiten zwischenzeitlich derart gut, dass Unterschiede zwischen komprimiert und unkomprimiert unmittelbar schwierig nachvollziehbar sind. Ob außerdem ein 7-kanaliger Stereoton zwangsläufig besser sein muss als ein perfekt abgemischter 6-Kanal- oder auch „nur“ 5-Kanalton, erscheint uns – gerade im Heimkinobereich – als ein Luxusproblem, das primär Perfektionisten angeht.

Besonders beim für Qualitätsschwankungen erheblich sensibleren Bild macht es also in jedem Fall Sinn, den obersten Bereich der Wertungsskala zukünftig den eindeutig überlegenen Blu-ray-Discs vorzubehalten. Eine technisch perfekte DVD kann also beim Bild zukünftig maximal 4 Sterne erreichen. (Bei Rezensionen, die vor April 2008 — also vor Ratatouille — erstellt worden sind, kann der Leser, der vergleichen möchte, bei der Bewertung des Bildes einen Stern abziehen: Dann stimmen die Relationen zumindest annähernd wieder.)

Inwieweit an dieser „Baustelle“ zukünftig weiter nachgebessert werden muss, wird die Zeit zeigen. Ihr Cinemusic.de-Team bleibt in jedem Falle dran.

1. NACHTRAG (März 2012): 3D Blu-ray auf Cinemusic.de

3D-Filme werden von uns ausschließlich (!) im technisch hochwertigen 3D-Blu-ray-Standard vorgestellt. Dazu sind ein 3D-fähiger Blu-ray-Player, ein entsprechendes TV-Gerät nebst geeigneter Shutter-, eventuell auch Polarisationsbrille erforderlich.

Die zurzeit ebenfalls vereinzelt noch angebotenen 3D-Filme in Blu-ray-Ausgaben mit beigelegten Anaglyphen-Pappbrillen, versehen mit den typischen farbigen Folien, sind nicht zu empfehlen. Zwar „funktionieren“ diese Ausgaben auf jedem, also auch älterem TV-Gerät, aber die zum Einsatz kommende 3D-Technik ist völlig veraltet und daher unbefriedigend. Im erreichbaren Resultat sind derartige Produkte zwangsläufig nicht nur um Klassen schlechter. Sie erlauben außerdem bereits systembedingt keine Farbwiedergabe (!) und führen bei längerer Betrachtung besonders schnell zu den aus früheren 3D-Tagen berüchtigten Kopfschmerzen – siehe dazu auch Ein Farbwildwestfilm in 3-D: Man nennt mich Hondo (1953) und Hat 3D für zuhause eine Chance?

2. NACHTRAG (März 2013): Viel Wirbel um 4K

Gerade erst hat sich der Full-HD-Bluray-Standard mit 2K (1920 × 1080 Pixel) in den Wohnzimmerm einigermaßen etabliert, da soll der Markt offenbar erneut aufgemischt werden: derart kräftig wird inzwischen nämlich bereits der digitale Kinostandard „4K“ (3840 x 2160 Pixel) beworben. In den Elektronikgroßmärkten kann man inzwischen auch Riesen-TV-Bildschirme mit entsprechender 4K-Pixel-Ausstattung bewundern. Dazu gibt’s das vollmundige Versprechen 4K biete endlich echtes Kino für zu Hause, weil man logischerweise nie Pixel genug haben könne.

Wir raten jedoch, sich vom Werbetrommelfeuer der Unterhaltungselektronik-Riesen nicht verrückt machen zu lassen, denn die Realitäten sehen deutlich konsumentenfreundlicher aus. Digitale Kinoprojektion in 4K ist in der Praxis übrigens längst noch nicht derart verbreitet, wie hier unterstellt wird. Die 4K-Kino-Ära beginnt übrigens derzeit erst hierzulande Fuß zu fassen. Bislang haben die digitalen Abspielstätten mit Auflösungen von „nur“ etwa 1,6 bis 2K projiziert. Trotzdem ist das Ergebnis (wenn alles stimmt) bereits vorzüglich. Und darüber hinaus? In der heimischen Praxis sehen bereits die demgegenüber rein technisch gesehen eindeutig unterlegenen 1K Bilder des HD-TV-720p-Standards sehr gut aus. Hier liegt also der entscheidende Punkt einer gegenüber der DVD für das menschliche Auge leicht nachvollziehbaren und damit unübersehbaren Qualitätssteigerung. Der Unterschied zur Blu-ray ist zwar messbar, aber rein visuell beurteilt längst nicht unmittelbar derart augenfällig und hervorstechend wie der von DVD zu HD-TV.

Ruhe bewahren heißt daher die Devise: Bereits das inzwischen laut Werbegetrommel fast schon wieder als altbacken apostrophierte HD in 2K (Blu-ray) überzeugt selbst auf größeren Leinwänden mit Bildern von einer erstklassigen Qualität, die 35-mm-Film nicht zwangsläufig zu toppen vermag. Und das bedeutet dass 2K auf absehbare Zeit für den Heimbereich in jedem Fall ausreichende Reserven besitzt.

Hier wiederholt sich unter Umständen nur das, was man — allerdings vergeblich (!)— bereits einige Jahre zuvor im Audiobereich versucht hat: nämlich den HiFi-Freunden hochauflösende digitale Tonformate wie SACD als für höchsten Hörgenuss unerlässlich schmackhaft zu machen. Besagte bieten zwar beim Frequenzgang gegenüber dem nach wie vor allgemein genutzten, technisch freilich antiquierten, CD-Audio-Standard mit seiner Obergrenze von 20 kHz bis zum Fünffachen, also 100 kHz. Praxisorientierte Hörvergleiche fallen im Ergebnis allerdings erheblich weniger eindrucksvoll — um nicht ernüchternd zu schreiben — aus als was derartige reine Zahlenspielereien (!) als „zwangsläufige Wahrheit(en)“ suggerieren sollen.


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