CD

Veröffentlicht am 24.09.2002 | von Magdi Aboul-Kheir

Prince Valiant

Prince Valiant Magdi Aboul-Kheir
Bewertung

Henry Hathaways mittelalterliche Comic-Adaption Prince Valiant • Prinz Eisenherz aus dem Jahr 1954 ist nicht als einer der größten Swashbuckler-Filme in die Geschichte des bewegten Bilds eingegangen. Der Film bietet zwar farbig-flott-naive Unterhaltung, eine namhafte Besetzung (Robert Wagner, Janet Leigh, James Mason), ist aber heute vor allem noch aus zwei Gründen abzusitzen: Da wäre zum einen Robert Wagners unglaubliche Topf-Frisur samt Pony, vor allem aber Franz Waxmans grandiose Mantel-und Degen-Musik – ein Höhepunkt im Schaffen des Komponisten und eine der besten Abenteuerfilmmusiken überhaupt.

Charles Gerhardt hatte in den 70er Jahren für seine „Classic Film Scores“-Reihe eine herrliche zehn-Minuten-Suite von Prince Valiant eingespielt (eine akzeptable Interpretation davon findet sich auch auf dem Silva-Sampler „Warriors of the Silver Screen“). In dieser Suite reiht sich Höhepunkt an Höhepunkt, und der Hörer fragte sich: Ist der ganze Score von dieser außergewöhnlichen Klasse?

Er ist, wie die 1999 erschienene CD von Film Score Monthly mit der nahezu kompletten Originalaufnahme (in Stereo) beweist. Ein echtes Filmmusikjuwel: 62 Minuten Franz Waxman auf dem Zenit seiner Kunst. Sechs prägnante Hauptthemen und eine Reihe weiterer Motive hat der Komponist für „Prince Valiant“ geschrieben; Themen, mit denen er phantasievoll und variationsreich arbeitete. So entstand eine Partitur voller farbiger Orchestrierungskniffe in bester symphonischer Tradtion. Grundsätzlich ist die Musik spätromantisch ausgerichtet, zuweilen finden sich aber auch moderne polytonale Elemente, die für das Genre und die Entstehungszeit des Films (zumindest in Hollywood) gar nicht so üblich waren. Ein schöner Einfall jagt hier den nächsten: Da gibt es rasante Jagdmusik, sehr englisch Volksliedhaftes, pompöse Märsche, Renaissance-Einsprengsel, wuchtige Bläserchoräle, streicherselige Liebesmusik und und und.

Mit einer prächtigen Fanfare nehmen die Abenteuer des Prinzen ihren Anfang; nach der Streicherüberleitung geht es mit den Blechbläsern ins strahlend-heroische Hauptthema, eine der fesselndesten Heldenmelodien Hollywoods überhaupt; dem stehen das wunderschöne sangliche Liebesthema und die finstere Musik für den schwarzen Ritter gegenüber. Wunderschön sind die vielen Variationen des Hauptthemas, zum Beispiel von Glöckchen umspielt in „King Aguar’s Escape“ oder als Marsch in „Procession“. Beeindruckend ist auch, wie Waxman Bösewicht- und Heldenmusik kontrastiert („Sir Gawain“). Das Liebesthema erscheint zunächst ganz zart („Val Escapes“), später dann in vollem Glanz („Aleta“). Für weitere Abwechslung bis zum prachtvollen Finale sorgen Misterioso-Passagen und temporeiche, rhythmisch anspruchsvolle Actionmusik („Dash to the Tower“).

Die FSM-Edition der Musik ist ziemlich vollständig. Es fehlt lediglich der Track „The Tournament“ (der ist zum Glück in der Gerhardt-Suite enthalten), außerdem war die Aufnahme der elektrischen Violine im Finale nicht mehr zu aufzutreiben. Vier Cues, an denen der Zahn der Zeit hörbar genagt hat, sind an Ende als Bonusmaterial angehängt. Insgesamt ist die Klangqualität für die 45 Jahre alte Einspielung wirklich gut: klar, detailliert, mit nur leichtem Rauschen. Da zu dieser gelungenen Präsentation der famosen Musik noch ein schön illustriertes und informatives Booklet kommt, sei diese CD wirklich jedem Freund glorreicher Mantel-und-Degen-Musik dringend ans Herz gelegt.

Fazit: Franz Waxmans Prince Valiant ist ein Glanzstück aus den 50er Jahren, eine der besten romantischen Abenteuerpartituren der Filmgeschichte: voller wunderbarer Themen, variationsreich, farbig, phantasievoll. Die CD ist ein Muss für Liebhaber des Golden Ages, ein Fest für Freunde gehobener symphonischer Filmmusik.

Titel: Prince Valiant
Erschienen: 1999

Laufzeit: 60:04 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 2 No. 3

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