CD

Veröffentlicht am 15.07.2001 | von Marko Ikonić

Damien: Omen II

Damien: Omen II Marko Ikonić
Bewertung

Nach dem immensen Erfolg des ersten Omen-Films, der seine ängstigende, verstörende Wirkung auf das breite Publikum mitunter auch Jerry Goldsmiths bahnbrechendem Score zu verdanken hatte, war abzusehen, dass der nun oscarprämierte Komponist auch für die zwei Fortsetzungen, beide von seinem Freund Harvey Bernhard produziert, herangezogen würde.

Wie Goldsmith selbst betont, entspricht seine überaus gelungene Komposition zum 1978 entstandenen Damien: Omen II mehr oder weniger einer Neugestaltung und Umschmelzung des reichhaltigen motivischen Materials der ersten Partitur. Der diabolisch-finstere Grundton des Omen-Scores ist auch im Sequel eminent, die kompromisslos direkte Orchestrierung und der Ansatz, die Chorsequenzen aus den lateinischen Wortsilben heraus „wachsen“ zu lassen, sind zudem stark an den Vorgänger angelehnt. Keinesfalls kann deshalb von einer unoriginellen Wiederaufbereitung oder gar einem langweiligem Abklatsch die Rede sein.

Jerry Goldsmith griff zur selben (um ein paar elektronische Spielereien erweiterten) Palette, um damit ein noch grelleres, brutaleres Orchestergemälde zu entwerfen. Ich glaube mich zu entsinnen, dass der Score, ähnlich The Omen mit dem zarten Liebesthema, sogar ein paar „freundliche“ Stellen zu verzeichnen hat. Eine winterliche Motorschlittenfahrt Damiens mit seinem Cousin etwa erhält ein ungewöhnlich fröhliches Thema. Die CD des Silva-Screen-Labels lässt dieses jedoch aus und beschränkt sich auf die im Überfluss vorhandenen furchterregenden und unheimlichen Szenen. Dies ist zusätzlich zur Tatsache, dass die Musik nun mal – wenn auch beabsichtigt – keine grundlegende Neuerung darstellt, mit ein Grund für die etwas niedrigere Bewertung. Ein CD-Begleitheft, in dem zwei Seiten lang einfach der Film nacherzählt wird, ohne die Musik eines einzigen Wortes zu würdigen, verdient ebenso Tadel.

Goldsmith schont seine Hörer nicht. Oft wird so garstig musiziert, dass man mit Unbehagen auf dem Sofa kauert und den Ursprung des Gehörten fast vergisst, das Faktum, dass es nichts als harmlose Noten sind, einmal mehr umgesetzt vom bewährten National Philharmonic Orchestra unter Lionel Newman. Es dominieren in allen Registern strapazierte Streicher, gedämpfte Blechbläser mit dem für diese Spielart typisch schroffen Klang, und natürlich die allgegenwärtige Stimmgewalt der Londoner Ambrosian Singers. Ein vom Männerchor intoniertes Rabenkrächzen („oarrk“) sorgt in manchen Cues für zusätzlichen Nervenkitzel.

Interessanterweise stand Goldsmiths Damien-Filmmusik 4 Jahre später stellenweise Pate für seinen Poltergeist-Score. Der Beginn von „Thoughtful Nights“ deutet auf eines der wichtigsten Themen in Poltergeist voraus, und die erste Minute aus dessen monströsem „Escape From Suburbia“ scheint „Broken Ice“ nachempfunden.

Titel: Damien: Omen II
Erschienen: 1988

Laufzeit: 34:22 Minuten

Medium: CD
Label: Silva Screen
Kennung: FILMCD 002

Komponist(en):

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CD

Veröffentlicht am 15.07.2001 | von Marko Ikonić

The Final Conflict: Omen III

The Final Conflict: Omen III Marko Ikonić
Bewertung

Der letzte Film der Kino-Trilogie, The Final Conflict • Barbaras Baby: Omen III, lief 1981 an und macht im musikalischen Vergleich mit den beiden Vorgängern eindrucksvoll Jerry Goldsmiths Stilwende am Ende der 1970er Jahre deutlich. Diese Musik hat nicht mehr viel mit der für Omen I und II so kennzeichnenden orchestralen Rücksichtslosigkeit zu tun, die in vielen anderen Goldsmith-Kompositionen geringfügig älteren Datums anzutreffen ist. The Final Conflict ist breitorchestral, üppig und gediegen. Das soll nicht heißen, dass es nicht von Zeit zu Zeit aggressive Instrumentalattacken gibt. Hinsichtlich der Orchesterfarben und der schieren Wucht im Ausdruck sind Scores wie The Secret Of N.I.M.H. und Night Crossing nahe Verwandte.

Das Booklet des Varèse-Albums weist darauf hin, dass Goldsmith im Wesentlichen drei Themen verwendet und variiert. Da wäre zum Ersten das pompöse Hauptthema für den (Anti-)Helden Damien Thorn, das den „Main Title“ eröffnet, sich durch die gesamte Partitur zieht und diese in „The Final Conflict“ auch beschließt. Damien und seine dunklen Machenschaften werden mit einem weiteren Motiv bedacht, welches im Grunde eine Modifikation desjenigen darstellt, das im ersten Film „Ave Satani“ einleitet. Das dritte Thema, in Bezug auf die ätherisch-mystische Stimmung dem Typus der Pastorale zugehörig, fasst die religiösen Aspekte der Handlung zusammen.

Jerry Goldsmith hält The Final Conflict für den besten Score der Trilogie, und eigentlich gibt es keinen gravierenden Grund, dagegen Einspruch zu erheben. Die Musik ist durch und durch auf höchstem Niveau gearbeitet, dabei von spontaner Ohrfälligkeit, und steht der ersten an Originalität und dramatischer Wirkung zweifellos in nichts nach. Drei Stücke sind besonders beeindruckend und dürfen, wenn man es denn so nennen will, als Höhepunkte bezeichnet werden.

„The Second Coming“ kommt in jener Szenenfolge zu Gehör, in der eine seltene Sternenkonstellation die Wiederauferstehung Christi ankündigt. Das pastorale Thema wird, vom Chor atmosphärisch unterstützt, aus anfangs ruhiger Umgebung wahrlich in höhere Sphären gehoben und zu einer spektakulären Klimax mit sattem Blech und vollem Gesang geführt. Kurz treten auch Damien-Thema und -Motiv in Erscheinung.

Im rhythmisch voranpreschenden „The Hunt“ steht Damiens Thema im Mittelpunkt. Die bitterböse Horn-Melodie bricht immer wieder mit großer Durchschlagskraft aus einer musikdramatisch auf Naturumfeld und (Fuchs-)Jagdgeschehen eingehenden Orchesterumrahmung hervor, die hohe technische Anforderungen an die Blechbläser, allen voran wieder die Hornisten, stellt. Den Hörnern wird in dieser Partitur ohnedies eine solistische Vorrangstellung eingeräumt.

„The Final Conflict“ entfesselt am Ende der Komposition ein letztes Mal alle Kraft, die Orchester und Chor aufbringen können. Der Antichrist ist endgültig besiegt, das religiöse Thema erklingt in seiner ganzen Pracht und bahnt einem völlig neuen, noch mächtigeren, den Weg. Alles, was im National Philharmonic Orchestra und den Ambrosian Singers steckt, wird nun aufgeboten, um in einem unbeschreiblichen Gewitter des Wohlklangs dem Sohn Gottes zu huldigen. Beim Umgang mit dem Chor, der hier im wahrsten Sinne des Wortes „göttlich“ gestaltet ist, braucht Goldsmith den Vergleich mit seinem diesbezüglichen Vorbild, den Bibelepen des Miklós Rózsa, wirklich nicht zu scheuen. Den Ausklang von Film und CD bestreitet schließlich eine voluminöse Version des Hauptthemas.

Fazit: Auch die Scores der beiden Omen-Fortsetzungen zählen zur filmmusikalischen Oberliga. Damien: Omen II ist eine hochwertige Fortführung des in The Omen etablierten Zusammenspiels aus Chor und Orchester und vermag durch düstere Stimmung und Heftiges für Streicher und Blechbläser zu überzeugen. The Final Conflict ist schon dem reich orchestrierten, ungleich eingängigeren Goldsmith-Stil der frühen 80er Jahre zuzuordnen. Der Chor darf neben mittlerweile Omen-typischem dissonantem Schwelbrand und flüsterndem Stimmengewirr auch aus vollem Leib ausladende Melodien (Damiens Thema, Pastoral-Thema, Triumph-Christi-Thema) zum Besten geben. Zwei Filmmusiken, die jede Sammlung aufwerten.

Titel: The Final Conflict: Omen III
Erschienen: 1990

Laufzeit: 49:02 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-5282

Komponist(en):

Schlagworte:


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