CD

Veröffentlicht am 12.04.2000 | von Michael Boldhaus

Take a Hard Ride

Take a Hard Ride Michael Boldhaus
Bewertung

Vier klassische, wertvolle Goldsmith-Scores aus dem Fox-Archiv: Dem Sammler zugänglich gemacht von Lukas Kendall, der vielen Lesern auch als Herausgeber der Zeitschrift „Film Score Monthly“ ein Begriff sein dürfte. Auf seinem privaten FSM-Label hat dieser für Filmmusik-Interessierte schon eine Reihe hochkarätiger Filmmusiken auf CD veröffentlicht (z. B. 100 Rifles, Prince of Foxes, All About Eve). Auch bei den vorliegenden Titeln handelt es sich um – in mittlerweile schon bester Tradition – überaus liebevoll und sorgfältig editierte Ausgaben, welche die Musik in bestmöglicher Tonqualität zusammen mit einem hervorragend informativen und reichhaltig bebilderten Booklet präsentieren.

Die aktuellste Veröffentlichung dieses Review-Artikels ist die (fast) noch presswarme Westernmusik zu Take A Hard Ride • Einen vor den Latz geknallt (1975). Neben diesem schrecklichen deutschen Verleihtitel scheint der Film auch unter dem Titel Tote brauchen keine Dollars im Fernsehen gezeigt worden zu sein. Nun, ein Highlight des Western-Genres ist der Film sicherlich nicht. Aus dem etwas unausgegorenen Mix aus Spagetti-Western, Thriller und Kung-Fu-Elementen resultiert bestenfalls eine passable Unterhaltung. Um so bemerkenswerter ist Jerry Goldsmiths Komposition, die kurioserweise im Film nur verstümmelt und entstellt verwendet worden ist. Der Score enthält ein hinreißendes Hauptthema, das, wie immer beim Maestro, gekonnt variiert wird. Lyrisch warme, an die Musik zu Blake Edwards’ Film Wild Rovers • Missouri erinnernde Streicherpassagen kontrastieren mit ausgefeilten Schlagwerkeffekten, Klangausbrüchen des Blechs und überraschenden, elektronisch raffiniert verfremdeten Einsätzen der Mundharmonika. Besonders letztere sowie vereinzelte atonale Streicherklänge für Gefahrenmomente des Films kann man (wie es auch der Booklet-Text macht) durchaus als Referenz an die Sergio-Leone-Westernmusiken Ennio Morricones werten. Auch der im Beilagentext aufgestellten These, dass hier der Höhepunkt der Goldsmithschen Westernscores erreicht sei, kann ich mich anschließen. Es bleibt unverständlich, dass diese hervorragende Filmmusik erst 25 Jahre nach dem Filmstart regulär zugänglich wird.

Titel: Take a Hard Ride
Erschienen: 2000

Laufzeit: 46:38 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 3 No. 1

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 12.04.2000 | von Michael Boldhaus

The Flim-Flam Man / A Girl Named Sooner

The Flim-Flam Man / A Girl Named Sooner Michael Boldhaus
Bewertung

Zu The Flim-Flam Man • Der tolle Mr. Flim Flam (1967), eine in den 30er Jahren in den Südstaaten spielende charmante Gaunerkomödie, komponierte Goldsmith eine erfrischende und einfallsreiche Musik im amerikanischen Volksidiom: Der resultierende durchsichtig gehaltene „Americana-Score“ verwendet ein kleines Orchester ohne schweres Blech, dafür Soli von Oboe, Englischhorn, Mundharmonika, Banjo, Gitarre, Akkordeon und ein elektronisch verfremdetes Klavier. Daneben werden Marimba und kleines Schlagwerk (Triangel, Holzblock und kleine Trommel) für ausgefeilte rhythmische Effekte und raffinierte Klangkombinationen eingesetzt. So gelingt es dem Komponisten geschickt, eine Palette von Stimmungen musikalisch einzufangen: Slapstickhaft untermalte Verfolgungsjagden und folkloristisch geprägte, romantische Panoramamusiken stehen gefühlvollen, zum Teil melancholischen Passagen gegenüber, in denen den Empfindungen der handelnden Personen subtil Ausdruck verliehen wird. Eine durchgehend liebenswerte und delikate Schöpfung und besonders in der jetzt vorliegenden, erstmalig vollständigen Version eine echte Repertoirebereicherung! Der für diese Edition völlig neu erstellte Stereo-Tonmix ist hervorragend gelungen und lässt keine Wünsche offen. Dies ist die erste reguläre Veröffentlichung des (hier sogar kompletten) Scores zu einem vertretbaren Preis.

A Girl Named Sooner • Ein Mädchen, ein Muli und Omas Whisky ist die Musik zu einem im Jahr 1975 von Regisseur Delbert Mann für das Fernsehen inszenierten Film, der in Deutschland erst im Jahr 1992 auf Pro7 gezeigt worden ist. Stilistisch ist die Musik durchaus mit The Flim-Flam Man verwandt: Der ebenfalls durchsichtige und kammermusikalisch schlanke Orchestersatz bevorzugt Streicher, Holzbläser, Harfe und Mundharmonika. Für die Geschichte um ein verwahrlostes Mädchen, das von einem Ehepaar adoptiert wird, um die eigene, kinderlose Beziehung zu retten, wählte der Komponist eine sehr intime und einfühlsame Tonsprache: Die A-Girl-Named-Sooner-Musik weist einen vergleichbaren Americana-Ansatz auf, entbehrt aber der komödiantischen Einlagen der Flim-Flam-Man-Partitur und gewinnt dadurch noch ein Stück mehr an Tiefe im dramatischem Ausdruck. Goldsmith komponierte ein eingängiges, einem Kinderlied verwandtes schlichtes Hauptthema, das in geschickten Variationen die kindlichen Gefühle vielfältig spiegelt. Auch hier liegt die vollständige Musik in durchweg sehr sauberem Mono-Klang vor. Offenbar hat hier das Bandmaterial etwas gelitten, denn vereinzelt sind einige leichte Verzerrungen hörbar. Insgesamt ist der Eindruck aber ebenfalls sehr positiv: Auch diese Musik ist ein Gewinn für das Repertoire.

Titel: The Flim-Flam Man / A Girl Named Sooner
Erschienen: 2000

Laufzeit: 64:26 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 3 No. 8

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 12.04.2000 | von Michael Boldhaus

Rio Conchos

Rio Conchos Michael Boldhaus
Bewertung

Rio Conchos • Rio Conchos (1964) ist die fünfte Filmmusik, die Jerry Goldsmith für 20th-Century-Fox komponierte. Der Film ist ein für seine Zeit recht harter Western, in dem einer Bande ehemaliger Südstaatler, die mit kriegerischen Apachen kollaborieren, eine gestohlene Waffenlieferung wieder abgejagt wird. Mit dem auf den ersten Blick verwandt erscheinenden 1961er Film The Comancheros gibt es aber kaum Parallelen: In Rio Conchos sind die Figuren wesentlich komplexer, zwiespältiger und brutaler und lassen keinen Raum für John-Wayne-typisches, geradlinig schlichtes Heldenpathos. Auch der Musikbeitrag von Goldsmith ist weit entfernt von Elmer Bernsteins heroisch pathetischer [url id=1098]Comancheros[/url]-Komposition. So lieferte Goldsmith zwar ein packendes, leuchtendes Hauptthema, steuerte aber ansonsten eine eher dunkel gefärbte Tonschöpfung mit vielseitigen folkloristischen Einflüssen bei. Vertreten sind pseudo-indianische Klänge für die Apachen und überzeugend mexikanische Einsprengsel für die in Mexiko spielende Film-Handlung. In der Komposition wird ein ausgeklügeltes Instrumentarium raffiniert eingesetzt – Marimbas, Gitarren, Peitsche, Kastagnetten, Tamburin und vielfältiges Schlagwerk. Somit ist die Schöpfung zu Rio Conchos eine ebenfalls hervorragende Goldsmith-Western-Musik, die in keiner Sammlung fehlen sollte! Da die Stereomaster zum überwiegenden Teil in schlechtem Zustand sind, wird der komplette Score in Form des klanglich noch sehr frischen Mono-Mix präsentiert – der Film wurde trotz CinemaScope-Format seinerzeit nur mit Mono-Lichtton vermarktet. Als Zugabe gibt es das pfiffige Hauptthema in einer wenig bekannten, recht netten Songversion von Johnny Desmond sowie 5 Tracks (rund 17 Minuten) als Stereo-Remix von den mehrkanaligen Magneton-Mastern.

Hier darf natürlich die 1989er Intrada-Neueinspielung unter Goldsmith mit dem Londoner Sinfonie-Orchester, obwohl zur Zeit vergriffen, nicht unerwähnt bleiben. Diese sowohl klanglich als auch interpretatorisch im Spitzenfeld anzusiedelnde Neuproduktion bietet (bis auf 11 fehlende Minuten) einen Großteil der Rio-Conchos-Musik sowie den von Goldsmith für das 1965er Fox-Epos The Agony and the Ecstasy • Michelangelo – Inferno und Ekstase komponierten vollständigen rund 13-minütigen Prolog.

Der eine oder andere Leser mag anhand der vorliegenden Titel eventuell auf eine inzwischen doch zu einseitige Orientierung des Produzenten hin zu Jerry-Goldsmith-Musiken schließen. Natürlich dürfte bei den Produktionsentscheidungen (auch) die Hoffnung auf guten Umsatz eine wichtige Rolle gespielt haben. Man muss aber bedenken, dass hier echte Katalogbereicherungen zu Tage gefördert worden sind und nicht einfach nur Goldsmith-Kompositionen um des Namens willen. Im Übrigen dürfte ein (hoffentlich) guter Verkaufserlös von dem ambitionierten Team um Lukas Kendall auch dazu verwandt werden, weniger absatzträchtige, aber deswegen nicht weniger wertvolle Filmmusikveröffentlichungen zu wagen – bereits erschienene Musiken wie Frank de Vols Flight of the Phoenix • Der Flug des Phönix nähren diese Hoffnung.

Fazit: Die drei vorliegenden Titel sind überaus empfehlenswerte Neuveröffentlichungen aus dem Hause Film Score Monthly in gewohnt hervorragender Präsentation. Die auf den CDs enthaltenen Goldsmith-Filmmusiken gehören zum Edlen aus dem Œuvre des Komponisten. Alle Kompositionen zeigen den berühmten Pfiff und Biss der „frühen Jahre“ und sind nicht, wie die eher glatten Spätwerke des Meisters, weitgehend in gekonnter Routine erstarrt. Daher sollte sich kein Filmmusikliebhaber dieses Trio, trotz des höheren Preises, entgehen lassen. Dies gilt auch für die Rio-Conchos-CD, die zwar in der ebenfalls ausgezeichneten Intrada-Neueinspielung von 1989 ein starkes Pendant hat, aber meines Erachtens durch diese nicht ersetzt, sondern vielmehr optimal ergänzt wird – die 11 Minuten mehr an (übrigens guter) Musik sind hierfür nicht allein ausschlaggebend, sondern ebenso die beigefügten umfangreichen Informationen zum Film und zur Komposition. Daher empfehle ich, mittelfristig beide Ausgaben in die Kollektion zu ntegrieren. Die beigelegten Booklets sind ausnahmslos hervorragend: So etwas „gibt’s (fast) nur einmal“, oder?

Titel: Rio Conchos
Erschienen: 2000

Laufzeit: 75:27 Minuten

Medium: CD
Label: FSM
Kennung: Vol. 2 No. 9

Komponist(en):

Schlagworte:


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