CD

Veröffentlicht am 11.01.2000 | von Michael Boldhaus

Journey to the Center of the Earth (TV)

Journey to the Center of the Earth (TV) Michael Boldhaus
Bewertung

Dass sich auch auf dem Sektor TV-Kompositionen einiges bewegt, belegen die vorliegenden fünf Varèse-CDs mit Musiken zu Hallmark-TV-Produktionen. Noah’s Ark und Alice in Wonderland wurden bereits im Spätherbst 1999 auf RTL gezeigt, für die übrigen Titel gibt es zur Zeit noch keine Sendetermine. Genau genommen sind es sogar sechs Titel, die unter diese Überschrift passen: Die hier noch fehlende hervorragende Moby-Dick-Musik des Australiers Christopher Gordon zum TV-Weihnachts-Zweiteiler 1998 wird in Kürze in Zusammenarbeit mit Rainer Nigrelli im Rahmen eines Reviewartikels besprochen, in dem diese Philip Saintons Komposition zu John Houstons 1956er-Kinoversion des gleichen Stoffes (hier in der Neueinspielung des Marco-Polo-Labels) gegenüber gestellt wird.

Die hier vorgestellte Kollektion enthält eine CD-Zitrone: Bruce Rowlands Musik zu Journey to the Center of the Earth ist leider extrem schwach geraten. Ausnahmslos in jedem Track grummelt unerträglich einfallslos ein Synthesizer vor sich hin; über weite Strecken ist die Komposition sogar rein elektronisch ausgeführt – vom auf dem CD-Cover genannten Australian Philharmonic Orchestra kommen nur hier und da einzelne Gruppen oder Solisten zum Einsatz; simpelste poppige Melodik wird auf dem Niveau eines Richard Clayderman auf dem Klavier geklimpert, und in den Spannungsmusiken werden auch nur schlichte Staccato-Rhythmen geboten. In den wenigen halbwegs passablen Momenten klingt die Musik sehr banal nach Snowy River – die Handlung ist offenbar nach Australien verlegt worden -, und wenn es dann mal irisch oder nach den Maoris klingen soll, fiel dem Komponisten ebenfalls hörbar wenig ein. Über derartige Mängel hilft auch die großzügige Spieldauer von knapp 70 Minuten nicht hinweg, die Musik ist einfach nur blass und schrecklich langweilig. Schade, denn welch interessante Möglichkeiten der Jules-Verne-Stoff für eine Vertonung bietet, belegt Bernard Herrmanns Komposition zur 1959er 20th-Century-Fox-Verfilmung zur Genüge – der einzige Trost ist hier, dass derartige Ausrutscher auch im Bereich Kinofilmmusik vorkommen.

Titel: Journey to the Center of the Earth (TV)
Erschienen: 1999

Laufzeit: 68:18 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6069

Komponist(en):

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CD

Veröffentlicht am 11.01.2000 | von Michael Boldhaus

Noah’s Ark

Noah’s Ark Michael Boldhaus
Bewertung

Nach diesem musikalischen Abgrund geht es sprunghaft aufwärts: Die biblische Geschichte um Noah’s Ark • Arche Noah wurde in der etwas fantasyhaft inszenierten Produktion mit Elementen der Geschichte um den Untergang der Städte Sodom und Gomorra verwoben. Hierfür lieferte Paul Grabowsky eine rundum solide und sauber gearbeitete sinfonische Komposition. Gesetzt für ein mittelgroßes Orchester und partiell angereichert mit archaisierenden Klängen durch antike Saiteninstrumente, erzeugt der Komponist mit Hilfe abwechslungsreicher Instrumentierung einen insgesamt überzeugenden Klangteppich, der auch vom Film gelöst angenehm bleibt. Es gibt einen reizvoll grotesken Marsch der Tiere, sanft Tonmalerisches für die große Flut, schöne Instrumenten-Soli (Celesta, Holzbläser und Violine) und mehrere eingängige Themen, die gut eingesetzt werden. Das gelungene pseudo-arabische Kolorit einiger Instrumental-Tracks und besonders im Lied „Strange Rites“ rundet den positiven Eindruck ab. Der Komponist dirigiert das gut disponierte Victorian Philharmonic Orchestra: Die Aufnahmetechnik hat ebenfalls sauber gearbeitet.

Titel: Noah’s Ark
Erschienen: 1999

Laufzeit: 58:58 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6027

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 11.01.2000 | von Michael Boldhaus

Animal Farm (TV)

Animal Farm (TV) Michael Boldhaus
Bewertung

Auf gleich gutem Niveau liegt Richard Harveys Komposition zu Regisseur John Stephensons (Ein Schweinchen Namens Babe) TV-Film Animal Farm • Aufstand der Tiere nach George Orwells berühmter Parabel. Neben etwas Synthesizer ruht die Musik auf einem gut ausgeformten orchestralen Fundament. Im Gegensatz zur Geschichte um Noah’s Ark geht der Aufstand der Tiere dramatischer und wuchtiger vonstatten. Neben Orchestralem werden der Budapester Radio-Chor und verschiedene Solisten gekonnt eingesetzt, z. B. im reizvollen Revolutionshymnus „Beast of the Worlds“, welcher im weiteren Verlauf auch leitmotivisch verwendet wird. Die vorrevolutionäre Situation der geknechteten Tiere ist durch trostlose, primär rhythmische Synthesizer-gestützte Klangstrukturen im Main Title und in „Dumb Animals“ durch trauriges, auf das Bild komponiertes „Mickey-Mousing“ (speziell der tiefen Holzbläser) ausgedrückt. Unterstützt von Marschrhythmen und vollen Einsätzen des Blechs und Schlagwerks schütteln die Tiere das menschliche Joch ab, doch die pastorale und auch feierliche Stimmung bleibt nicht lange erhalten. Die Machtergreifung der Schweine wird ironisch-sarkastisch untermalt. Bei „Boxer’s Fate“ wird es sehr dramatisch, und die neue Doktrin der Schweine-Diktatur, „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher als andere“, wird durch bittere und traurige Klangfarben stimmungsvoll untermalt. Das hohle Pathos des „Song of the Grateful Duck“ – ein Hymnus auf das machtgierige Oberschwein „Napoleon“ – belegt die bittere Ironie der Situation: Die Tiere waren „niemals“ frei. Wenn sich die Tiere dessen bewusst werden, schließt sich auch musikalisch der Kreis: Erneut erklingen die gleichen trostlosen Klangstrukturen wie am Anfang.

Kurios erscheinen hier die Umstände der Einspielung: In London wurde mit einem Studioorchester, britischen Solisten sowie dem Budapester Radio-Chor (!) gearbeitet. Nun, wie auch immer: Alle, inklusive der Aufnahmetechnik, haben gut zusammengewirkt und diese sehr überzeugende CD vorgelegt.

Titel: Animal Farm (TV)
Erschienen: 1999

Laufzeit: 66:21 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6082

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 11.01.2000 | von Michael Boldhaus

A Christmas Carol (TV)

A Christmas Carol (TV) Michael Boldhaus
Bewertung

Der Musikbeitrag des Newcomers Stephen Warbeck (Shakespeare in Love) zur neuesten Verfilmung von Charles Dickens‘ klassischem Weihnachtsmärchen A Christmas Carol ist ebenfalls überaus hörenswert. Für die bekannte Story um den verbitterten Geizhals Ebenezer Scrooge – hier dargestellt durch Star Treks Captain Picard -, der in der Weihnachtsnacht durch den Besuch dreier Geister geläutert wird, lieferte er eine insgesamt eher ruhige und einfühlsame musikalische Begleitung. Düstere, von Streichern dominierte und mit Stabglocken ergänzte sakrale Orchesterklänge bilden die stimmungsvolle Eröffnung „Funeral“; unheimliche Streichertremoli begleiten das Erscheinen des ersten Geistes. Gelungen dramatisch untermalt sind Scrooges Gewissensbisse beim Wachrufen vergangener Ereignisse in „Torture of Remorse“. In „Scrooge Alone“ erklingt eine schöne romantische, volksliedhafte Melodie. Die Ereignisse vergangener, zukünftiger und der gegenwärtigen Weihnacht werden durch gelungene folkloristische Arrangements im Stil der Zeit illustriert, wobei die zitierten Weihnachtslieder geschickt eingearbeitet sind. Im Finale tritt uns, wie die fröhliche Musik eindeutig belegt, ein geläuterter Scrooge gegenüber. Ein insgesamt gekonnter Filmmusik-Beitrag von Stephen Warbeck, der sich allerdings nicht ganz entfalten kann, da die meisten Tracks nur wenig länger als eine Minute sind: Trotzdem bleibt eine eindeutige Empfehlung.

Titel: A Christmas Carol (TV)
Erschienen: 1999

Laufzeit: 44:14 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6071

Komponist(en):

Schlagworte:


CD

Veröffentlicht am 11.01.2000 | von Michael Boldhaus

Alice in Wonderland (TV)

Alice in Wonderland (TV) Michael Boldhaus
Bewertung

Den Spitzenplatz belegt die Musik zu Alice in Wonderland • Alice im Wunderland von Richard Hartley. Die Komposition ist eine wahre Perle: Sie präsentiert sich voll orchestral und ist handwerklich hervorragend ausgearbeitet, und Elektronik wurde wenn überhaupt, nur für einige wenige Klangeffekte verwendet. Zum Teil erinnert die Musik an Danny Elfmann (speziell Edward Scissorhands und auch Black Beauty. Wenn Alice das Wunderland betritt, stimmen gut platzierte Glissandi elegant auf die Fantasy-Atmosphäre ein. Anschließend wird über weite Strecken die Celesta äußerst liebevoll und virtuos eingesetzt: Damit bekommt die insgesamt überaus leichtfüßig daherkommende Musik einen nachhaltigen Tschaikowskyschen „Nussknacker-Touch“ und überhaupt etwas Feenhaftes. Neben typisch britischen Klängen gibt es aber auch einen Hauch irischer Folklore, eine pompös-groteske Fanfare für den Hof der Spielkartenkönigin und sogar ein gekonnt freches Dixiland-Stück. Weitere Kostproben seiner Vielseitigkeit präsentiert Richard Hartley in den äußerst sorgfältig auskomponierten Songs, die auf hervorragendem Musical-Niveau angesiedelt sind und von professionellen Kräften liebevoll vorgetragen werden. Neben gekonnt Witzigem und Skurrilem hat das „Lied der Suppenschildkröte“ echte Tiefe und ist in Intonation und Ausdruck nahe verwandt mit dem gefühlvoll-melancholischen „Tauben-Lied“ aus Mary Poppins. An Interpretation und Klangtechnik gibt es ebenfalls nichts zu bemängeln, und auch mit seiner Spieldauer von rund 71 Minuten belegt dieser Titel den Spitzenplatz.

Fazit: Auch die hier vorliegenden Fernsehmusiken sind (bis auf die entbehrliche Journey to the Center of the Earth) ein weiterer Beleg für die sich in vielem immer stärker verwischenden Grenzen zwischen Kino und Fernsehen: Für TV-Produktionen erstellte Musiken stehen ihren Kino-Pendants im Positiven wie Negativen kaum noch nach und sind bis auf Ausnahmen eine vollwertige Bereicherung für die Filmmusik-Kollektion. Wermutströpfchen sind bei den vorliegenden Titeln die allzu sparsam ausgestatteten Booklets, die leider weder Informationen über die weitgehend unbekannten Komponisten noch die Kompositionen enthalten.

Titel: Alice in Wonderland (TV)
Erschienen: 1999

Laufzeit: 71:05 Minuten

Medium: CD
Label: Varèse Sarabande
Kennung: VSD-6021

Komponist(en):

Schlagworte:


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