Logan’s Run (TV)

Logan´s Run (TV)
Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
24. Dezember 2004
Abgelegt unter:
CD

Score

(4/6)

Bei Logan’s Run dürfte hierzulande wohl praktisch jeder unmittelbar an Jerry Goldsmith’ Filmmusik Logan’s Run (TV) • Flucht ins 23. Jahrhundert (1976) denken; die US-TV-Serie von 1977 bis 1978 ist bei uns bislang nicht gezeigt worden. Wie das liebevoll gestaltete, informative und auch sorgfältig bebilderte Booklet ahnen lässt, dürfte der Verlust eher gering sein, die Musiken sind allerdings hörenswert. Mitentscheidend für den Charme der Serienmusiken ist das überaus griffige Hauptthema von Laurence Rosenthal, das auch in den Vertonungen seiner Kollegen Jeff Alexander (1910-1989), Jerold Immel (• 1936) und Bruce Broughton (• 1945) in geschickten Varianten auftaucht. Nicht allein TV-Serien-Fans dürfte der aufschlussreiche „Logan’s Run Episode Guide“ sehr erfreuen. Hier sind sämtliche produzierten Folgen mit Titel, Erstausstrahlungsdatum, Drehbuchautor, Regisseur und natürlich Komponisten auflistet.

Der etwas weniger geläufige Name Laurence Rosenthal (• 1926) steht sowohl für brillante Kinovertonungen – Becket (1964), The Return of a Man Called Horse (1976) – wie auch für raffinierte Kompositionen zu TV-Serien, wie The Young Indiana Jones Chronichles. Rosenthals Hauptthema ist natürlich angepoppt im Sinne der ausgehenden 1970er. Die mit Hilfe eines Yamaha E 5 Keyboards produzierten heulenden „futuristischen“ Einwürfe wirken heutzutage zwar zeittypisch-antiquiert, sind aber zugleich nostalgisch-lustig. Fast schon originell sind in diesem Zusammenhang die für Werbezwecke komponierten kurzen „Bumpers“ (Track 5).

Rosenthals Kompositionen bilden mit rund 45 Minuten sowohl den Schwerpunkt als auch das Herz der Vertonungen dieser Science-Fiction-TV-Serie. Kompositorisch etwas blasser, gelegentlich zu etwas bohrender, stark bildbezogener Untermalung neigend, aber keineswegs schlecht sind die Auszüge aus den Musiken Jeff Alexanders und Jerrold Immels. Besonders witzig ist die Begegnung mit einer der frühen Vertonungsarbeiten von Bruce Broughton (Young Sherlock Holmes, Tombstone).

Sämtliche Scores sind mit eher kleinen Besetzungen, bis zu 26 Spieler, eingespielt worden. Dank geschickter Instrumentierung – und natürlich der sehr guten Stereo-Qualität der Master – ist der klangliche Eindruck, wenn auch (zwangsläufig) nicht monumental, kann jedoch keineswegs „schwach auf der Brust“ genannt werden. Sowohl in den impressionistisch angehauchten Passagen als auch in Teilen der Spannungsmusiken (besonders bei Broughton) fühlt man sich immer wieder auch ein wenig an Goldsmith’ Musik zum Kinofilm erinnert. Das markante Hauptthema hält beim gelungenen Album-Suiten-Schnitt alles sehr nett zusammen. Wertungsmäßig rangieren die präsentierten Musiken bei 2,5 bis fetten 3,5 Sternen. Zusammen mit dem liebevoll ausgestatteten Begleitheft rechtfertigt zudem der hohe Repertoirewert ein Aufrunden auf 4 Sterne.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfangreichen Programms zum Jahresausklang 2004.

Erschienen:
2004
Gesamtspielzeit:
79:55 Minuten
Sampler:
FSM
Kennung:
Vol. 7 No. 4

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