Hidalgo

Hidalgo (CD)
Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
4. September 2004
Abgelegt unter:
DVD

Film

(4.5/6)

Bild

(5.5/6)

Ton

(5/6)

Extras

(3/6)

Seit dem 26. August 2004 ist Hidalgo • Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm auf DVD und VHS-Kassette im Handel. Wie bereits im „Kommentar zu Film und Filmmusik“ festgestellt, handelt es sich um einen Film, bei dem nicht allein die „3000 Meilen durch die Wüste“ nicht wirklich stimmen können. Freunde des klassischen Abenteuerkinos kommen allerdings trotzdem voll auf ihre Kosten. Dem Zuschauer entbieten sich die in vielem „unglaublichen“ Abenteuer des Kurierreiters Frank Hopkins (Viggo Mortensen) und seines treuen und heldenhaften Mustangs Hidalgo als recht temporeiches und bildgewaltiges Actionabenteuer. Eines, das neben ansprechendem Handlungsfaden ebenso mit seinen pracht- und stimmungsvoll eingefangenen (Wüsten-)Bildern spannend und humorvoll zugleich zu unterhalten vermag. Überhaupt wartet dieses Kino-Epos mit wunderschönen Landschaftspanoramen auf, die neben Marokko in South Dakota, Montana und Kalifornien aufgenommen wurden. Im Galopp beginnt der Film bei einem der in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts so beliebten Langstreckenrennen. Zwischendurch tritt er niemals langweilend auf der Stelle, fällt höchstens auf gemächlichen Trab zurück.

Ich habe Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm seinerzeit bereits im Kino in sehr guter Kopie, auf großer Leinwand, mit vorzüglichem Bild und ebenso überzeugendem Ton erlebt – etwas, das im heutigen Kinoalltag keineswegs selbstverständlich ist. Erfreulicherweise fällt das Heimkinoerlebnis dank erstklassig produziertem Videotransfer ähnlich überzeugend aus. Auf dem im Verhältnis (zwangsläufig) nur bescheiden großen TV-Schirm präsentiert sich das saubere Panavision-Bild (Format 1 : 2,35/16:9-optimiert) in nahezu perfekter Form, beeindruckt mit sehr guter Schärfe, Kontrast, Detailreichtum und herrlichen Farben. Ein Kritikpunkt betrifft die etwas unglücklich platzierten, gelegentlich eingeblendeten Untertitel. Anstatt diese konsequent im unteren schwarzen Balken zu positionieren, ragen diese (wenn zweizeilig) unten ins Bild hinein. Das ist zwar nun sicherlich nicht hochdramatisch, allerdings wäre die so resultierende (leichte) Beeinträchtigung völlig problemlos zu vermeiden gewesen – eventuell hätte man dazu das breite Scope-Bild einfach etwas höher legen können.

Der insgesamt feine Eindruck beim Bild wird durch einen sorgfältig angepassten Tonmix (THX) unterstützt. Dieser ist in Englisch und Deutsch in AC3-5.1 und außerdem (nur) in Deutsch auch in dts anwählbar. Eindeutige Qualitätsunterschiede sind mir dabei nicht zu Ohren gekommen, in erster Linie unterscheiden sich Dolby-Digital- und dts-Version durch unterschiedliche Lautstärkepegel. Neben einer Reihe überzeugend platzierter dynamischer Effekte ist besonders viel Wert auf Atmosphäre gelegt worden. Letzteres steigert nicht ausschließlich die besonders gelungen erscheinenden epischen Wüstenstimmungen, sondern auch die wirkungsvoll eingebettete filmmusikalische Untermalung von James Newton Howard. Besonders die recht ausladend angelegte Finalszene, mit den in die Freiheit galoppierenden Mustangs gerät so zur grandiosen audiovisuellen „Sinfonie“, komponiert aus prachtvoller Bildmontage und Newton Howards schönem Score.

Etwas bescheiden nimmt sich das Zusatzmaterial aus. Mit weniger als 10 Minuten mutet das Making of „Sand und Zelluloid“ zwar etwas knapp an, es ist aber trotz seiner Kürze recht aufschlussreich. So erfährt der Wissbegierige, dass der Mustang Hidalgo mehrere maskentechnisch behutsam angeglichene Doppelgänger benötigte. Ebenso wird verraten, wie die hörbar knusprigen und auch offensichtlich „schmackhaften“ Heuschrecken beschaffen waren und wie aufwändig sie gefertigt werden mussten. (Ein Vorbild für die Szenen mit dem Heuschreckenschwarm lieferte übrigens der 1937er Filmklassiker The Good Earth • Die gute Erde.)

Das leicht auffindbare versteckte (hidden) Feature „The Horse is good“ stammt offenbar von Mr. Viggo Mortensen persönlich. Dieses kleine Segment wendet sich speziell an den Pferdefreund und befasst sich mit den indianischen Ponys. Wobei dieser sich an den relativen Massen der im Film eingesetzten, mehr als 800 Pferde, eh seine Freude haben dürfte. Eine willkommene Zugabe wäre hier noch in jedem Fall neben dem europäischen der lange US-Trailer gewesen.

Mit Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm erhält der Kunde einen überzeugend den positiven Traditionen der typischen Disney-Kinounterhaltungen vergangener Tage – konzipiert für die „ganze Familie“ – verbundenen epischen Abenteuerfilm, bei dem der Zuschauer am Schluss mit sich und der Welt zufrieden das (Heim-)Kino verlässt. Dieser bietet ein überzeugendes Drehbuch (John Fusco), Witz und ebenso manche (Selbst-)Ironie in den Dialogen, in mancherlei Details gut gemachte (behutsame) konzeptionelle Modernisierungen sowie natürlich modernste Computer-Tricktechnik inklusive. Dem gegenüber steht eine (im positiven Sinne) weitgehend konventionelle Bildsprache, die vielleicht gerade deswegen besonders beeindruckt. Das Fehlen von Staccato-Schnittfolgen moderner Actionreißer enttäuscht keinesfalls, fällt vielmehr allein wohltuend auf. Auch ohne derartige, mittlerweile oftmals schon zum abgedroschenen Mätzchen verkommene Montageeffekte bieten an die Indiana-Jones-Filme gemahnende Actionszenen, wie die Rettung der entführten Jazira, Tochter von Scheich Riyadh (Omar Scharif), mitreißende erstklassige Unterhaltung.

Kameramann Shelly Johnson hat neben zum Teil atemberaubenden Landschaftsaufnahmen auch ebenso sorgfältig gestaltete Szenen, wie die in Buffalo Bills Wild-West-Show, die beeindruckende Albtraumsequenz oder die erstklassig getrickste Ausfahrt aus New York auf der „City of Paris“ gen Aden, gekonnt in Bilder mit epischem Atem im Panavisions-Breitwandformat (Nachfolger von CinemaScope) auf Film gebannt. Und wenn Hopkins nach seinem Sieg am Meer entlang reitet wie Lawrence von Arabien im gleichnamigen Film aus dem Jahr 1962, ist auch die Verneigung vor dem großen klassischen Abenteuerkino geradezu perfekt.

Last but not least belegt die bis in die Nebenrollen gute Besetzung einmal mehr, dass nicht allein die ganz großen Stars gelungenes Kino garantieren. Bemerkenswert sind J. K. Simmons (Peter Parkers Chef in Spider-Man und Spider-Man 2) als zwiespältiger Buffalo Bill und die hierzulande weniger geläufige (in erster Linie in Großbritannien von TV-Auftritten bekannte) Louise Lombard als ebenso verführerische wie ruchlose Lady Anne Davenport. Sehr ansprechend sind auch Elizabeth Berridge als Meister-Schützin Annie Oakley und Zuleikha Robinson als die charmant-emanzipierte und ebenso hübsche Jazira. Derart in dezent aufgepeppter, zeitgemäßer Form gekonnt zubereitetes Abenteuerkino „alter Schule“ patiniert nur langsam und dürfte für manch einen für mehr als nur einen Besuch im privaten Heimkino taugen. Auch dieser Film offenbart nämlich erst bei mehrfachem Sehen so manch liebevolles Detail, das ihn über das Niveau einer zwar netten, aber eher routiniert oberflächlichen Abenteuerunterhaltung merklich hinaushebt. Und wer’s nicht glaubt, der kann sich Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm ja erst einmal aus der Videothek leihen.

Regisseur*in:
Howard, James Newton

Erschienen:
2004
Vertrieb:
Buena Vista
Kennung:
DVD 101809
Zusatzinformationen:
USA 2003

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