Im provinziellen Tennisclub Lengenheide gerät die an sich traditionell eher etwas biedere, unaufgeregte Jahreshauptversammlung dieses Mal komplett aus den Fugen. Am gut gemeinten Vorschlag, für Erol (Fahri Yardım), das türkischstämmige Vereinsmitglied, einen zweiten Grill zu organisieren, entzündet sich eine letztlich ins totale Chaos ausufernde Streitdebatte mit Tendenz zum polarisierend skurrilen Kulturkampf. Unter dem anfänglich zur Schau gestellten so harmonischen Miteinander schlummern wechselseitige Ressentiments, Vorurteile und unterschwelliger Alltagsrassismus. Das vom Vorsitzenden Heribert Bräsemann (Hape Kerkeling) wohlmeinend hoch gehaltene Vereinsmotto gerät dabei fix komplett unter die Räder: „Im Frieden und im Krieg bedeutet Einigkeit den Sieg“.
Im Feuerwerk der pointierten, bissigen Dialoge bleibt wohl kaum etwas ungesagt und damit unangetastet, was die Gemüter der Zeitgenossen in Wallung zu bringen vermag. Indem man darüber lacht und sich dabei ja durchaus auch mal selbst ertappt fühlt, ist man „der Botschaft“ in dieser lustigen Parabel auf den ganz alltäglichen Wahnsinn dicht auf den Fersen.
Pfiffig ist dabei unter anderem, dass der an sich betont höfliche Erol, der in Deutschland geboren und aufgewachsen, also längst Deutscher geworden ist, sich abseits seines religiös bedingten Verzichts auf Schweinefleisch kulturell im Positiven wie auch nicht ganz so Positiven von seinen Vereinskollegen kaum unterscheidet. Und letztlich wird auch bald klar, dass eigentlich keiner hier zur Kategorie echter Bösewichte zählt, sondern jeder letztlich halt nur seine kleinen Schwächen, Eitelkeiten und auch mitunter Eifersüchteleien mit sich herumträgt, wie Torsten (Christoph Maria Herbst), der Mann von Melanie (Anja Knauer), welche den Stein überhaupt erst ins Rollen bringt. Alle sind somit nur Menschen wie du und ich, denen es am besten täte, einander besser zuzuhören und es mit gut gemeinter, aber eben auch schnell als allzu dogmatisch enges Benimmkorsett empfundener Wokeness einfach mal gut sein zu lassen. Dass diese sonst gar zum Teil des Problems wird, das sie vorgeblich beseitigen möchte, das belegen etwa die in Teilen nur peinliche Winnetou-bzw. Indianer-Debatte, die völlig unnötig überzogenen Rassismus-Vorwürfe zu Vom Winde verweht (1939), aber auch der im Verhältnis überwältigende Erfolg vom eher harmlos denn wirklich anstößig vor sich hin kalauernden Das Kanu des Manitou (2025). Das sind letztlich einige der Sinnbilder einer mittlerweile mitunter allzu sendungsbewusst betriebenen woken „political correctness“, wobei dieser in den 1980ern von US-Studies wiederbelebte, ursprünglich marxistische Begriff, zuerst doch bloß als ein ironisch-spöttisch gemeinter Kommentar zu allzu dogmatisch geprägten linken Sprechweisen in Umlauf war.
Also bitte zukünftig nicht jede Schwäche des Gegenübers und daraus resultierende verbale Spitzfindigkeit immer gleich überdramatisieren und so aus der Mücke mal wieder direkt den berüchtigten Elefanten machen. Auch hier raufen sich die Streithähne (selbstverständlich sämtlichen Geschlechts!) schließlich dann doch wieder zusammen. Das dies in einem alles etwas arg überbordend auf die Spitze treibenden, allzu abgedrehten Finale passiert, ist der kleinere dezente Schwachpunkt dieser ansonsten treffend witzigen Culture-Clash-Parabel.
Nicht bloß Hape Kerkeling als Vereinsmeier Heribert Bräsemann, der seit Menschengedenken wohlmeinende amtierende schlitzohrige kleine Vereinsdespot, ist besonders drollig geraten. Dieses Attribut passt auch auf seinen verbal etwas arg rechtslastigen Stellvertreter Matthias (Friedrich Mücke) und ebenso auf Fahri Yardım als Erol. Aber auch die übrigen Mitglieder des gut eingespielten Ensembles, wie der trotz seiner Mini-Rolle als Hausmeister und Pausenclown so treffsicher agierende Milan Peschel, verrichten sämtlich einen prima unterhaltenden Job. Und natürlich darf an dieser Stelle auch Regisseur Marcus H. Rosenmüller — Wer früher stirbt ist länger tot (2006), Trautmann, (2018) —nicht unerwähnt bleiben.
Die Extrawurst für daheim
Für den Interessierten steht der Titel als Blu-ray- und auch als DVD-Ausgabe zur Disposition. Die Blu-ray wird statt in der üblicherweise blauen in einer schlanken (slimline) roten Amaray-Hülle geliefert.
Bild und Ton
Das HD-Bild wird im Scope-Format präsentiert und hinterlässt insgesamt einen durchaus soliden Eindruck. Es erreicht in jedem Fall gute Werte, allerdings keine in der Spitzenkategorie. Dafür fehlt insbesondere beim Schärfeeindruck und der Detailzeichnung ein spürbares Quäntchen an Brillanz. Auch der Kontrastumfang sowie der Schwarzwert rangieren eher im soliden oberen Mittelfeld. Aber auch wenn das absolute Eye-Catcher-Erlebnis sich hier nicht wirklich einstellt, so tut dies dem Spaß an der Sache wenig Abbruch, denn Extrawurst sieht daheim praktisch genauso grundsolide aus wie im Kino.
Zum ordentlichen Bild kommt ein dem Sujet völlig angemessener, eher dezent agierender Raumtonmix hinzu. Wobei dieser nicht bloß mit einzelnen netten Effekten aufwartet, sondern sich erfreulicherweise auch mit einer sehr guten Verständlichkeit der Dialoge profilieren kann.
Extras
In diesem Punkt rutscht die Extrawurst auf dem Grill leider denn doch etwas arg nach hinten, um nicht von herunterfallen zu schreiben. Das nicht einmal drei Minuten umfassende „Making Of“ ist ein kompletter Witz, der sich neben dem ebenfalls vorhandenen Kinotrailer nur eine weitere Werbung entpuppt.
Zum Gewinnspiel geht’s hier.
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