Alexander

Geschrieben von:
Michael Boldhaus
Veröffentlicht am:
21. Dezember 2004
Abgelegt unter:
CD

Score

(2/6)

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In den USA hat Oliver Stones Antik-Epos Alexander am ersten Wochenende ein nur mageres Einspielergebnis von rund 13,7 Mio. $ erreicht. Vermutlich ist das darauf zurückzuführen, dass ein besonders die jungendlichen Zuschauer anlockendes Stargesicht, wie das von Brad Pitt in Troja, fehlt. Hierzulande muss der Film ab dem 23.12.2004 die Probe aufs Exempel bestehen.

Das Vangelis-CD-Album mit der Filmmusik ist dafür bereits seit dem 29. November im Handel erhältlich. Evangelos Odyssey Papathanassiou, wie der unter dem Pseudonym Vangelis operierende Künstler laut Geburtsurkunde heißt, dürfte seine Hörer auch dieses Mal kaum überraschen. Sein vom New Age herkommender Sound war lange Zeit praktisch rein synthetisch orientiert. Von seinen Filmkompositionen stehen dafür besonders Chariots of Fire (1981), Blade Runner (1982) und auch The Bounty (1984). In 1492: Conquest of Paradise (1992) spielen zusätzlich ein Chor und auch merkliche orchestrale Anteile eine Rolle. Den Trend, das nach wie vor starke elektronische Fundament stärker mit vokalen und auch akustischen Instrumenten zu durchsetzen, zeigen sowohl das im Jahr 2001 erschienene, teilweise recht klassisch angehauchte Album „Mythodea“ (siehe „Kleine Klassikwanderung 5“) als auch das aktuelle Filmmusik-Album zu Alexander.

Es wäre wohl aberwitzig, von dem griechischen Komponisten ein ausgefeiltes sinfonisches, eventuell sogar überzeugend historisierend angelegtes Vertonungskonzept zu erwarten. An der Musik dürften sich entsprechend die Geister scheiden, wobei ich denke, dass auch die Vangelis-Fans dieses Mal eher enttäuscht sein werden. Was vermutlich auch die Anhänger des Komponisten bemängeln dürften, ist kaum der sehr uniforme und extrem austauschbare Sound (man kann fast beliebig aus 1492: Conquest of Paradise, „Mythodea“ und Alexander Stücke zusammenmixen). Der Musik zu Alexander fehlt vielmehr entscheidend das, was sowohl Chariots of Fire als auch 1492 partiell (!) zu Hits werden ließ: ein Hauptthema mit klaren Ohrwurmqualitäten!

Das in „Titans“ erstmalig breit ausgespielte Thema ist vergleichbar schlicht wie die vorstehend genannten „Hits“. Es ist sicherlich passabel anhörbar, aber eben (zu) wenig einprägsam und dem entsprechend unmittelbar danach (fast) schon wieder vergessen. Ebenso sind weder die mitunter gregorianisch anmutenden Choreinlagen, der Hauch von „Dies Irae“ (aus dem Verdi’schen Requiem) in der Schlachtmusik noch Vanessa-Maes Violinsoli – im recht poppig angehauchten „Roxane’s Veil“ – oder gar die diversen Ethno-Einsprengsel dazu angetan, den Hörer nachhaltig zu begeistern. Auch die immerhin passable archaische Wucht einiger Teile von „Mythodea“ lässt die eher glatt wirkende Komposition zu Alexander vermissen.

Der Ohrwurmcharme der o. g. Vangelis-Themen verdeckt im jeweiligen Score zumindest teilweise die bei allem Hörcharme ausgeprägte Simplizität des insgesamt Gebotenen. In Alexander macht sein Fehlen die Durchhänger umso bewusster und damit störender. Ob daran das in „Eastern Path“ immerhin geographisch stimmig eingesetzte Duduk sowie einige ordentliche Passagen Wesentliches zu ändern vermögen, muss jeder für sich entscheiden. Was unterm Strich bleibt, ist insgesamt eher blass denn mitreißend.

Die rund 57 Albumminuten sind denn auch reichlich lang. Durch Kürzen auf vielleicht 20 bis etwa 30 Minuten kann man einen immerhin passablen eigenen Schnitt zusammenstellen, der versehen mit „Young Alexander“, „Titans“ und „Dream of Babylon“ zumindest ein paar recht ansprechende Momente besäße. Über das Zusammenwirken von Musik und Film kann an dieser Stelle nichts gesagt werden.

Besonders deutlich ist bei Alexander die Nähe zu den ähnlich „fetten“ und vergleichbar ethno-poppig angehauchten Klängen von Media-Ventures. Vangelis erweist sich damit aber letztlich wohl eindeutiger als Zimmer-Vorbild denn als sein Nachahmer. Gewisse Nähe zu Gladiator ist bei Alexander ebenfalls merklich, dessen Hörcharme erreicht er allerdings nicht. Wertungsmäßig schwankte ich bis (fast) zuletzt: Zwei oder – mit sehr viel gutem Willen (!) – doch „noch“ zweieinhalb Sterne? Letztlich erscheinen mir glatte zwei und damit ein klarer Abstand zum auch im Ethnischen hörbar überzeugender geratenen Zimmer’schen Gladiator aber doch als treffender.

Wie die Werbung anpreist, enthält die „limitierte“ Erstauflage der CD allein in Deutschland einen exklusiven Bonustrack, den ich allerdings nicht entdecken konnte – ob das hilft?

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Komponist*in:
Vangelis

Erschienen:
2004
Gesamtspielzeit:
56:23 Minuten
Sampler:
Sony
Kennung:
SK 92942

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